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23. Pfingstfestival 2019 in Radbruch

Internationale Country Music live on stage beim Festival in Radbruch.

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Truck Stop 2019
Sentiment Falls - Live Sentiment Falls. Bildrechte: Michael Förschges, Country.de

Am Pfingstwochenende (08. + 09. Juni) stand ganz Radbruch im Zeichen des 23. Country-Fest des Country-Club-Wild-West. Wer jetzt nicht so schnell weiß, wo in Deutschland er Radbruch verorten soll, dem sei gesagt: Radbruch ist eine Gemeinde im Landkreis Lüneburg in Niedersachsen. Sie hat etwa 2000 Einwohner, eine Größe von 22,54 km² und ist Teil der Samtgemeinde Bardowick. Auf der Deutschlandkarte rund 40 Kilometer süd-östlich von Hamburg gelegen. Und was passt besser zu einem Country-Festival als eine Location auf dem Bauernhof – in Radbruch stellt Familie Eggers ihren Hof nun seit 22 Jahren für das Spektakel zur Verfügung.

Soweit zu den Rahmenbedingungen – schauen wir ins Programm: Startschuss war am Pfingstsamstag um 09:00 Uhr mit dem Oldtimer-Trecker-Treffen. Was dem Cowboy „damals“ das Pferd, ist heute im übertragenen Sinn der Trecker. Für diesen Programmpunkt zeichneten sich die Oldtimer-Treckerfreunde-Radbruch verantwortlich. Schon interessant zu sehen, wie sich diese Maschinen im Laufe der Zeit so verändert haben – schließlich stand ja auch die aktuelle Generation von landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen „vor der Tür“ des Hofes.

An beiden Tagen gab es natürlich auch ein umfangreiches Rahmenprogramm – nicht nur für die Kids. Da gab es Hufeisenwerfen, Stockbrot backen und Gold schürfen. Speziell für die Kids gab es Kinderschminken und ein kleine Westerneisenbahn. Für die „Großen“ gab es die Möglichkeit, an den zahleichen Verkaufsständen ein wenig zu shoppen. Zudem war natürlich auch für das leibliche Wohl der Gäste bestens gesorgt.

Livemusik stand dann ab 13:00 Uhr auf dem Plan. Musikalisch eröffnete dann die Gruppe Second Spring Time aus der Region um Uelzen das Wochenende in Niedersachsen. Die fünf Gentlemen und ihre Lady auf der Bühne hatten ein leichtes Spiel, die doch schon recht zahlreichen Countryfans mit ihrer Musik zu begeistern. Das Markenzeichen der Sechs ist die Liebe zur Musik und der Charme, Jung und Alt in einer Band mit vielen Titeln aus der Country- und Rockszene. Die Mischung kam auch bei den Gästen gut an und die drei Sets vergingen wie nichts.

Da auch die beste Band bei recht sommerlichen Temperaturen nicht ohne Pausen spielen kann und beim Bandwechsel auf der Bühne zwangsläufig Pausen entstehen, hatte der Country-Club-Wild-West sich etwas Besonderes einfallen lassen. Etwas abseits von der Hauptbühne gab es eine kleine Nebenbühne. Wenn auf der Center Stage Pause war, dann übernahm das Duo Schischi and the Duke die musikalische Betreuung der Fans mit Livegesang zur Musik von CD. So überbrückten Schischi und Duke auch die Umbaupause zur zweiten Band des Tages.

Auf der Bühne befand sich nun Gone Country aus Bielefeld in NRW. Die fünf Cowboys machten sich durch den Pfingsreiseverkehr auf in den Norden um für die Countryfans ab 15:00 Uhr aufzuspielen. Vielleicht kennt der ein oder die andere Countrymusik-Fan die Jungs schon – für alle anderen kurz die Besetzung: Buddy Blake – Lead Vocals & Guitar, Les Lee – Piano, Backing Vocals, Al Cinema – Bass, Backing Vocals, HendriX – Drums und last but not least, Ed Blue – Guitar, Backing Vocals. Musikalisch lassen sich die Fünf beeinflussen von Größen aus dem Business wie Brad Paisley – Alan Jackson – Zac Brown Band – Jeff Bridges – Brooks & Dunn – Trent Tomlinson – Johnny Cash – Glen Campbell – Blake Shelton – Chet Atkins – Hank Williams – Johnny Hiland und vielen mehr. Ihr Stil ist New Country und wenn das Quintett einmal in Fahrt gekommen ist, rocken sie die Bühne ohne Rücksicht auf Verluste, getreu ihrem Motto: Gone Country – Das Rockt! New Country Rock’n’Roll – No Country for old men! Und wen wundert es, auch dieses Zeitfenster von drei Stunden für die Jungs aus Bielefeld ging schneller um als man gedacht hätte. Wer von den Jungs nicht genug bekommen konnte, der hatte nun im Anschluss die Möglichkeit sie selbst zu buchen oder auch nur auf CD mit nach Hause zu nehmen.

Wieder war eine Umbaupause auf der Bühne von Nöten, denn die Jungs aus NRW räumten das Feld für die Band Sentiment Falls aus Schweden, dem Top-Act des ersten Festivaltages, der ab 19:00 Uhr die Bühne belegte.

Leider kommt diese Formation selten in die deutschen Lande – aber sicherlich hatten einige von Euch schon die Gelegenheit, die fünf Gentlemen und ihre Lady in Berlin auf dem Country Music Meeting in Berlin live zu erleben. Aber auch hier für alle ein kurzes Who-is-Who von Sentiment Falls. Als da wären Andrea Bond – Lead Vocals, Ronnie Wilde – Lead Vocals, Guitar, Daniel Stahl – Drums, Eli Stream – Guitar, Robin Abraham – Bass und Lars Karlson, Keys. Musikalisch geht es nach eigener Aussage in ihren Songs um „Allerweltsprobleme“ – Situationen, die Jede(r) schon erlebt hat oder zumindest nachvollziehen kann. Und da die Schweden seit 2011 unterwegs sind, ist es nicht verwunderlich, dass das Repertoire auch viele eigenen Songs enthält. Der Vorteil des letzten Showacts des Tages ist, dass hinter einem keiner mehr kommt und man so den Zugabe-Wünschen des Publikums getrost nachkommen kann, ohne dass die nachfolgenden KollegInnen böse würden. Und genau so kam es auch an diesem Abend. Waren rund 3 Stunden Musik aus Schweden angedacht, so wollte das Publikum – rund 5.000 Personen – immer mehr. Und natürlich ließen sich Andrea und ihre Jungs nicht lange bitten und so folgte ein weiterer Song nach dem anderen bis ca. 23.00 Uhr. Danach gab es für alle noch ein wenig Musik aus der Konserve und die Chance, Tonträger aus Schweden zu erwerben. Die Resonanz in Radbruch auf diese Gruppe war so groß, dass man hier sicher nicht falsch liegt, wenn man behauptet, dass es auf ein Wiedersehen in 2020 herausläuft. So ging dann auch schon der erste Tag des 23. Country-Fest in Radbruch zu Ende; also ab ins Hotel, Fotos auf dem PC sichern und dann ab ins Bett. Wer kein Hotelzimmer benötigte, der konnte mit seinem Wohnwagen oder mobil in relativer Nähe zum Festivalgelände nächtigen.

Am Pfingstsonntag folgte dann der zweite Festivaltag. Eröffnet wurde dieser um 11:00 Uhr musikalisch durch die Westbrook Band aus Gifhorn. Auch hier standen insgesamt sechs waschechte Cowboys auf der Bühne und sorgten für Livemusik. De Band aus dem Gründungsjahr 1983 kann auf eine sechsunddreißig Jahre lange Geschichte zurückblicken, also auf über drei Jahrzehnte ehrliche, handgemachte und dynamische Countrymusik mit Steelguitar, Fiddle Gitarren und Drums. Sie ist wohl eher den Traditionalisten zuzurechnen als den Anhängern der „New American Music“, was nicht heißt, dass Linedance unmöglich ist. Dafür sorgen etliche Stücke, z.B. Chattahoochie, Summertime Blues, und viele mehr. Und obwohl Namen ja Schall und Rauch sind, auch für diese Jungs einige Infos zur Besetzung. Als da wären: Manni an Rhythmusgitarre, Mandoline und den Leadvocals; Willi an der Pedal-Steel-Guitar; Bernd am Bass; Bogdan an den Drums; Martin an der Sologitarre und Rolf an der Fiddle. Bei bestem Wetter hatte die Sechs die längste Auftrittsdauer von rund vier Stunden, doch das machte den „Oldtimern“ nichts aus. Schließlich war auch an diesem Tag wieder als „Pausenfüller“ das Duo Schischi and the Duke zur Stelle.

Um 13:00 Uhr startet dann das Rahmenprogramm „Mensch und Pferd“ auf dem Gelände hinter der Hauptbühne. Linda Brock und ihr Team zeigen auf ihren Isländern eine Reit-Quadrille. Anschließend gab es das Ponyreiten für Kinder auf ihren Isländern und Shettys. Es folgte ein Ausschnitt aus einer Reitstunde von Martina Sell, Trainerin-A-Westernreiten mit DOSB-Lizenz mit zweien ihrer Schulpferde und Reitschülerinnen. Zudem die Apache-Live-Stunt-Show mit spektakulären Darbietungen wie Messerwerfen, Tomahawk werfen und zahlreiche Übungen mit dem Pferd wie z.B. mit einem Säbel eine Banane über dem Kopf der Partnerin halbieren oder Pferd im Feuerkreis hinlegen. Weiterhin demonstrierte Steffi Krieger mit ihrem Pferd, einem Friesen, und ihrem Hund, einem Australian Shepherd, dass Mensch, Hund und Pferd durchaus zusammen arbeiten können. Präsentiert wurde unter anderem ein Pas de deux und einige Zirkuslektionen. Selbstverständlich alles ohne Zwang für Pferd und Hund.

Ab 15:00 Uhr wurde es dann wieder international – mit der Jody Kailola Band standen insgesamt acht Musikerinnen und Musiker auf der Bühne. Die Gruppe aus sechs Gentlemen und zwei Ladies kam aus den Niederlanden angereist und tourt erfolgreich durch Europa. Die Frontfrau und Namensgeberin der Band Jody belegt den Part des Lead Vocals. Ihr zur Seite stehen Marlieske Doorn an der Fiddle und Vocals, Harold Kneefel an Guitar und Vocals; Willem Kneefel mit der Steel Guitar; Carel Kneefel am Keyboard; Marcel Klomp am Bass; Rob Doornekamp an der Gitarre und Wim van Spengen an den Drums. Fragt man die Frontfrau Jody nach der Stilrichtung der Formation, so erhält man zur Antwort, man spiele Country Music mit Einflüssen von Honkytonk, Rock, Pop und Soul. Alles in allem eine absolut gelungenen Mischung, die keine Wünsche beim Publikum offen ließ; was nicht nur am tollen Outfit der Frontfrau lag. Auch die Musiker aus den Niederlanden hatten ein 4-Stunden-Zeitfenster um sich und ihre Songs in Radbruch zu präsentieren. Sie kamen so gut an, dass die Chancen auf ein Wiedersehen in Radbruch in 2020 auch hier recht hoch sein dürften.

Den musikalischen Ausklang des zweiten Tages bestritt wiederum eine Band aus dem Skandinavischen Raum – diesmal aus Dänemark. Namentlich handelte es sich um Memphis Boulevard – beheimatet in Aarhus im Nordosten des Landes. Die vier jungen Cowboys auf der Bühne waren Mark Schedler (Vocal & Guitar), Hans Christian Bugge (Vocal & Guitar), Jesper Andersen (Bass) und Anders Rønne (Drums). Ihr Repertoire umfasst wie bei den anderen Bands an diesem Wochenende auch neben Coversongs auch zahlreiche eigene Stücke. Seit Anfang des Jahrtausends touren Memphis Boulevard durch Dänemark und in den letzten Jahren auch durch Deutschland. Musikalische Vorbilder sind unter anderem Elvis Presley, Johnny Cash, Waylon Jennings, Chuck Berry, Jerry Lee Lewis, Willie Nelson, Roy Orbison, Buddy Holly und Dean Martin. Dass Quartett aus dem Norden Europas bildete zwar im Programm das Schlusslicht, musikalisch aber gaben die Jungs alles um die Countryfans auf dem Hof Eggers bis zum letzten Takt vergessen zu lassen, dass das Ende des 23. Country-Fest in Radbruch sich unausweichlich näherte. So endete dann am späten Sonntagabend ein gelungenes Pfingstfestival in Niedersachsen, bei dem nicht nur Countryfans auf ihre Kosten kamen, sondern auch Pferdefreunde; Liebhaber von Oldtimern und vor allem Familien mit Kindern.

Mein spezieller Dank gilt dem Country-Club-Wild-West aus Radbruch für den freien Zugang zum Festivalgelände und die gute Betreuung an beiden Tagen. Danke!

Bilder und mehr vom Festival findet man auf der Homepage des Clubs unter www.country-club-wild-west.de

Truck Stop 2019
Über Michael Förschges (51 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Country. Konzertberichte und Rezensionen.
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