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Hannah Aldridge: Live In Black And White

Ihre Musik ist rau, erdig, ursprünglich und auch mal wild und "live" ein Hochgenuß.

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Hannah Aldridge - Live In Black And White Hannah Aldridge - Live In Black And White. Bildrechte: Icons Creating Evil Art

Live In Black And White ist ein in jeder Hinsicht ungewöhnliches Country Music Album. Die Musik ist rau, erdig, ursprünglich und auch mal wild. Und live. Aufgenommen vor kleinem Publikum. Der Sound ist reduziert und suggeriert ein Eindringen in die düsteren Regionen des Lebens. Hannah Aldridge presst ihre Lieder in ein Korsett aus „Schwarz“ und „Weiß“, sie hat eine Vorliebe dafür entwickelt, Lieder mit Elementen des Grauens zu schreiben, die durch dunkle Gedanken an Depressionen oder Hoffnungslosigkeit hervorgerufen werden. Mord und Tod, Religion und Liebe sind gänzlich widersprüchlich Themen, aber – so Hannah Aldridge: „Es ist immer gut, etwas Dunkles mit Hellem aufzuwiegen!“ Eine spannende Mischung.

Hannah Aldridge ist die Tochter des Songschreibers Walt Aldridge, der nicht nur viele Jahre in den legendären Muscle Shoels Studios in Alabama als Produzent und Musiker arbeitete, sondern – vor allem in den 1980er Jahren, auch zahlreiche Nummer-Eins-Songs schrieb u.a. für Künstler wie Ronnie Milsap, Travis Tritt und Barbra Mandrell. Aufgewachsen zwischen allerlei Studioequipment wie Musikinstrumenten, Mischpulten und jeder Menge Musik unterschiedlichster Färbung, kam Hannah so mit all dem in enge Berührung, was später ihr Leben ausmachen sollte. Schon früh genoss sie eine klassische Klavierausbildung, entdeckt wurde sie allerdings erst im Alter von 21 Jahren in Nashvilles „Bluebird Cafe“.

Auf „Live In Black And White“ spielt aber kein Klavier, sondern die Gitarre die dominante Rolle. Sechs Saiten und eine wandlungsfähige Stimme sind das (fast) alleinige Gerüst für die 12 Songs des live vor Publikum eingespielten Albums. Der Opener „Howling Bones“ ist gut gewählt. Aldridge’s Stimme heult und die Töne rauen sich auf, gleiten wie über ein Reibeisen. Im Gegensatz dazu ist „Goldrush“ eine sparsam begleitete Folk-Ballade, mit einer fast schon weichen Stimme vorgetragen, die an frühe Aufnahmen der Sängerin Melanie Safka erinnert. Gleiches gilt auch für den Titelsong des Albums „Black And White“, der – man kann es kaum glauben – trotz der Reduzierung auf zwei Instrumente, nämlich Stimme und Gitarre, an keiner Stelle langweilig oder belanglos klingt, sondern in knapp mehr als fünf Minuten durchaus interessante Spannungsbögen aufweist und damit den Zuhörer in seinen Bann zieht. Viel fröhlicher und flotter als die meisten der anderen Album-Songs ist „Rails To Ride“ – ein beschwingter Countrysong, der sofort ins Ohr geht und dort eine ganze Weile haften bleibt. Musikalisch unterstützt wird die Sängerin dabei von der Goat Roper Rodeo Band. Eine Klangfarbe, die dem Album gut steht.

Im Vergleich zu den voll arrangierten und durch produzierten Studioaufnahmen sind die Lieder auf „Live In Black And White“ angenehm entschlackt. Kein unnötiger Studioballast mehr, kein Schnickschnack oder musikalische Spielereien. Das hier ist das „Herz“ der Songs, das Ursprüngliche. Und das tut ihnen gut! Mit jedem Ton hört man, dass Hannah Aldridge ein Kind des (amerikanischen) Südens ist, ihr Gesang ist voller Energie und in jeder Hinsicht leidenschaftlich. Dass ihr Repertoire aus Mörderballaden besteht, und Liedern, die in dunkleren Gegenden menschlicher Abgründe beheimatet sind, manches mal mit einer großen Portion schwarzen Humors ausgestattet sind, ist die andere Seite daran. Zu oft beschäftigt sie sich in ihren Liedern mit Gedanken, in denen mit dem Leben anderer Menschen leichtfertig umgegangen wird, um es „schonend“ zu sagen. Wie z.B. in „Parchman“, einer gespenstisch ruhigen Ballade mit „wohliger“ Gitarrenarbeit, über das Hochsicherheitsgefängnis in Parchman, Mississippi, in dem vorwiegend Frauen einsitzen, die ihre Männer umbrachten. Für viele Songwriter sicher nicht die erste Wahl für den Stoff eines Liedes, aber Aldridge singt es aus der Ich-Perspektive und macht dadurch ihre Interpretation intensiv und extrem glaubwürdig. Sie hat wohl genau diese „Nische“ für sich entdeckt, indem sie sich Themen zuwendet, an die sich andere so schnell nicht heranwagen.

Fazit: „Live In Black And White“ ist ein akustisches Album, dessen Songs mit einem Fuß in der Country Music stehen und mit dem anderen im Rock. Dazwischen vermag Hannah Aldridge vor allem mit ihrer eindringlichen, wandlungsfähigen Gesangsstimme viele Facetten ausloten. Ein intimes Country-Album der besonderen (Eigen-) Art. Wohltuend anders!

Hannah Aldridge – Live In Black And White: Das Album

Hannah Aldridge - Live In Black And White

Titel: Live In Black And White
Künstlerin: Hannah Aldridge
Veröffentlichungstermin: 14. August 2020
Label: Icons Creating Evil Art
Vertrieb: Rough Trade
Format: CD, Vinyl & Digital
Laufzeit: 56:11 Min.
Tracks: 12
Genre: Americana, Country, Singer & Songwriter

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Trackliste: (Live In Black And White)

01. Howling Bones
02. Lie Like You Love Me – mit Walt Aldridge
03. Goldrush – mit Robbie Cavanagh
04. Aftermath
05. Black And White
06. Save Yourself – mit The Black Feathers
07. Rails To Ride – mit Goat Roper Rodeo
08. Lace – mit Danni Nicholls
09. Parchman
10. Born To Be Broken
11. Lonesome
12. Burning Down Birmingham

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Über Andreas Weihs (64 Artikel)
Fotograf und Journalist. Fachgebiet: Country & Folk. Rezensionen und Konzertberichte.