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David Quinn: Country Fresh

Auch auf seinem dritten Album überzeugt der Musiker aus Illinois vom ersten bis zum letzten Stück.

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David Quinn - Country Fresh David Quinn - Country Fresh. Bildrechte: David Quinn

Der Songtitel sagt eigentlich schon alles: Country Fresh – und David Quinn überzeugt dann auch mit diesem – seinem im April 2022 erschienenen, dritten Album gleichen Namens auf ganzer Linie, denn sein Sound ist – wenn auch meist traditionell gehalten, stets erfrischend, belebend und beschwingt.

Bei der Produktion des vorherigen Albums hatte er irgendwo in der hintersten Ecke des Studios unter altem Kram einen vielleicht 50 Jahre alten Aschenbecher hervorgewühlt. Auf diesem prangte ein Logo und dort stand in gewundenen Lettern „Country Fresh“. Wie ich vermute ein Werbegeschenk einer US-Eiscrememarke. Quinn gefiel der Claim so gut, dass er anfing, alles Mögliche so zu bezeichnen, denn „Country Fresh“ sei eigentlich alles, was er möge und sei. Diese Erkenntnis mündete schließlich im gleichnamigen Song und wurde so sogar Titel des Albums. Dazu passt auch, dass Quinn 2020 zu Beginn der Pandemie Chicago verließ und in ein Haus an einem See im ländlichen Indiana zog. Dort schrieb er alle Songs und bereitete die Platte vor.

David Quinn – Country Fresh

Hierbei fand Quinn auch endlich eine Genre-Bezeichnung für seine eigene Musik, da er sich immer wieder missverstanden fühlte, wenn er seine Musik als Country bezeichnete, schließlich hat dieses Etikett im Mutterland der Rootsmusik bisweilen einen noch schlechteren Ruf als bei uns. Daher spricht Quinn nun in Bezug auf seine Musik von Midwest Black Dirt Country, denn seine Verwurzelung im Mittleren Westen als Boy From Illinois ist für ihn essenziell.

„Country Fresh“ ist wie bereits sein zweites Album „Letting Go“ in Nashvilles legendären Sound Emporium Studios entstanden. Diesmal hat er – auch aus Kostengründen – selbst die Produktion übernommen, was aber der Platte gut bekommen ist, steht sie doch in Sound und Ideenreichtum den beiden Vorgängern in nichts nach. Fiddles und Twangin‘ Guitars geben den Ton an und auch ein Waylonbeat-Song wie Down Home darf nicht fehlen.

Und wie auf den Alben zuvor spielen auf Country Fresh nur erstklassige Musiker, die gewöhnlich illustre Künstler begleiten: Drummer Miles Miller sonst für Sturgill Simpson und Tyler Childers im Einsatz. Gitarrist Jamie Davis zu hören bei Margo Price ebenso wie Keyborder Micah Hulscher, der auch schon Emmylou Harris begleitete. So wie Pedalsteeler Brett Resnick, der schon prominent für Kelsey Waldon, Sierra Ferrell und Kacy Musgraves im Einsatz war. Aufgenommen und gemischt wurde alles von Mike Stankiewicz, bekannt u.a. für seine Arbeit für Willie Nelson, Shooter Jennings und Jason Isbell. Das Mastering übernahm mit John Baldwin jemand, der auch schon die Rolling Stones, Merle Haggard und Kris Kristofferson gut klingen ließ.

Schon auf seinem ersten Album „Wanderin‘ Fool“ von 2019 arbeitete Quinn mit dem früheren Deslondes-Produzenten (u.a. Margo Price und Andrija Tokic) in dessen Bomb Shelter Studios und fand durch ihn auch schon zu einer top Studioband u.a. mit dem letzten Johnny Cash-Bassisten Dave Roe und Los Straitjackets und Billy Joe Shavers Drummer Jimmy Lester. Bereits hier klingt David Quinn schon erstaunlich stilsicher, so geschmackvoll und ausgewogen tönt die Platte. Natürlich klingt alles irgendwie analog und vintage, aber gleichzeitig auch ausgesprochen zeitlos und reif wie z.B. bei dem Auftaktstück „Cryin‘ Shame“.

David Quinn – Cryin‘ Shame

Mich erinnert das auffällig an Honky Tonker wie Luke Bell oder Charley Crockett, oder bisweilen sogar auch an frühere Aufnahmen der Chicagoer Alternative Country Band Wilco. Und selbst das passt, stammt Quinn doch nicht nur aus dem gleichen Bundesstaat, er lebte auch für mehrere Jahre in der Metropole am Lake Michigan.

Quinns Weg bis zur ersten Platte und zur Karriere als Solokünstler war lang und holprig. Und so war auch der Titel des ersten Albums „Wanderin‘ Fool“ kein Zufall. Mit der Musik hat Quinn bereits früh begonnen: Als Kind mit zu viel Energie gesegnet, fing er mit zehn, elf das Schlagzeugspielen an, während Vater und Bruder auf der Gitarre schrubbten. Dann hörte er zum ersten Mal John Prine auf den Platten des Vaters. Die akustische Begegnung mit Prine änderte für den jungen David alles, und fortan begab er sich auf eine Entdeckungsreise in die Welt der alten Country- und Rootsmusik. Oft verbrachte er die Sommer bei seinem Countrymusik liebenden Großvater in Wisconsin. Hier gewann er tiefe Einblicke in das Genre und auf diesem Weg kam zur Liebe zu Prines Musik irgendwann auch eine tiefe Verehrung für Townes Van Zandts Songwriting-Kunst dazu.

Als junger Erwachsener arbeitete er am Wochenende als Drummer und unter der Woche im Büro. Dann ging seine schon sehr früh eingegangene Ehe in die Brüche, er verkaufte sein Haus und begab sich auf eine ziellose Reise durch die USA. Nach längeren Aufenthalten in Colorado, Texas und Kalifornien zog er schließlich zurück nach Chicago. Viele Songs waren entstanden und Quinn beschloss, nun auch professionell vom Schlagzeug zu Gitarre und Gesang zu wechseln.

David Quinn – Letting Go

Auch wenn heutzutage eigentlich immer alles Midtempo zu sein scheint, ist David Quinn im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen auf allen seinen bisherigen Platten für mehr als einen Uptempo-Song zu haben. Dabei entfaltet sich mitunter gar Hotband-Magie à la James Burton, wenn die Band riffgetrieben startet wie bei „Ride On“ von Quinns zweitem 2020er Album „Letting Go“.

Es bleibt zu hoffen, dass Quinn beizeiten auch dem Europäischen Kontinent einen Besuch abstatten wird und dabei auch das hiesige Publikum mit seiner Countrymusik-Frischzellenkur beglücken wird.

David Quinn – Country Fresh: Das 2022er Album

David Quinn - Country Fresh

Titel: Country Fresh
Künstler: David Quinn
Veröffentlichungstermin: 15. April 2022
Label: Down Home Records
Formate: CD, Vinyl & Digital
Tracks: 12
Genre: Traditional Country

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Trackliste: (Country Fresh)

01. Country Fresh
02. Low Down
03. I Came Back To You (To Say Goodbye)
04. Down Home
05. Cornbread And Chili
06. I Just Want To Feel Alright
07. Boy From Illinois
08. Heartland
09. Grassy Trails
10. Long Road
11. Easy Like The Breeze
12. Hummingbird’s Song

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Über Oliver Kanehl (34 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Traditionelle Countrymusik von vorgestern und heute (Indie Country, Hillbilly, Honky Tonk u.a.) Rezensionen, Specials.
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