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Corb Lund – „Dark Horses“: Elf Außenseiter, eine Gitarre und die Essenz seiner Songs

Musikalischer Streifzug durch drei Jahrzehnte Songwriting.

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Keine Greatest Hits, sondern elf persönliche Außenseiter: Auf „Dark Horses“ holt Corb Lund übersehene Songs aus fast drei Jahrzehnten zurück ins Rampenlicht – neu aufgenommen, nur mit Stimme und Akustikgitarre.

Corb Lund – Dark Horses Corb Lund – Dark Horses. Collage (Country.de) // Cover © (New West Records)

Der aus Kanada stammende Singer & Songwriter Corb Lund blickt auf „Dark Horses“ auf mehr als drei Jahrzehnte seiner Karriere zurück. Aber nicht mit seinen größten Hits. Stattdessen hat er elf Songs ausgewählt, die ihm besonders am Herzen liegen und seiner Meinung nach nie die Aufmerksamkeit bekommen haben, die sie verdient hätten. Neu aufgenommen wurden sie dort, wo Reduktion kaum konsequenter sein könnte: in Lunds Wohnzimmer in Alberta, nur mit Stimme und Akustikgitarre.

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Andere Künstler feiern ihre Karriere mit Greatest-Hits-Alben. Corb Lund macht es anders. Für „Dark Horses“ hat sich der Kanadier durch seinen eigenen Katalog gearbeitet und aus jedem seiner elf Alben mit eigenem Material einen Song ausgesucht. Dabei ging es ausdrücklich nicht darum, die bekanntesten Titel zusammenzustellen. Lund interessierten vielmehr jene Stücke, die für ihn persönlich wichtig geblieben sind, obwohl sie nie unbedingt im Rampenlicht standen.

Daher auch der Titel: die „Dark Horses“, die Außenseiter seines eigenen Songkatalogs. Lund nahm die elf Stücke anschließend komplett neu auf. Keine Hurtin‘ Albertans, keine ausgefeilten Arrangements, kein Versuch, aus älteren Songs eine moderne Hochglanzproduktion zu machen. Zu hören sind lediglich Corb Lund, seine Stimme und seine Akustikgitarre.

Zurück ins Wohnzimmer

Dass „Dark Horses“ ausgerechnet in Lunds Wohnzimmer in Lethbridge in der kanadischen Provinz Alberta entstand, passt zu diesem Konzept. Produziert wurde das Album von Lund selbst. Scott Franchuk nahm die Sessions mit seinem mobilen Riverdale-Recorders-Equipment auf und fungierte als Co-Produzent. Anschließend mischte er die Aufnahmen in Edmonton, während Phil Bova in Ottawa das Mastering übernahm.

Das Resultat ist kein gewöhnliches Akustikalbum. Vielmehr zerlegt Lund seine eigenen Songs auf deren Fundament. Was übrig bleibt, sind Geschichten, Melodien, Texte und eine Stimme, die keine große Produktion benötigt, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Und genau darin liegt der Reiz von „Dark Horses“.

Elf Songs aus mehr als drei Jahrzehnten

Die Reihenfolge der Stücke folgt der Chronologie von Lunds Karriere. Den Anfang macht „Untitled Waltz“, dessen Wurzeln bis zu seinem Debüt „Modern Pain“ aus dem Jahr 1995 zurückreichen. Es folgt „Guitar From The Wall“ aus „Unforgiving Mistress“ von 1999, bevor „No Roads Here“ zu „Five Dollar Bill“ führt – jenem Album aus dem Jahr 2002, mit dem Lund seinen unverwechselbaren Mix aus traditionellem Country, Western-Geschichten und dem Leben in den kanadischen Prärien immer deutlicher herausarbeitete.

Mit „The Rodeo’s Over“ erreicht „Dark Horses“ anschließend einen der wohl bekanntesten Momente dieser Reise. Das Original erschien auf „Hair In My Eyes Like A Highland Steer“ und entstand gemeinsam mit der kanadischen Western-Legende Ian Tyson. Gerade in einer reduzierten Fassung wird deutlich, wie stark Lunds Musik mit jener Welt verbunden ist, aus der er selbst stammt.

Danach wird die Auswahl zunehmend eigenwilliger – und gerade deshalb typisch Corb Lund. „Especially A Paint“ steht ebenso auf dem Programm wie „Talkin‘ Veterinarian Blues“ und der wunderbar betitelte „Priceless Antique Pistol Shoots Startled Owner“. Titel wie diese zeigen bereits, weshalb Lund innerhalb der Countrymusik schwer in eine einzige Schublade passt. Ranchleben, schwarzer Humor, Geschichte, Waffen, Pferde, Militär, Familiengeschichten und Beobachtungen des ganz normalen Wahnsinns, können bei ihm problemlos nebeneinander existieren.

Mehr als Cowboys und Pferde

Wer Corb Lund lediglich als singenden Rancher betrachtet, unterschätzt seinen Katalog erheblich. Ein gutes Beispiel dafür ist „Sadr City“. Der Song stammt ursprünglich von „Things That Can’t Be Undone“ aus dem Jahr 2015 und beschäftigt sich mit Erfahrungen und Geschichten aus dem militärischen Umfeld. Lund hat sich in seiner Karriere immer wieder Themen vorgenommen, die weit über romantisierte Cowboy-Klischees hinausgehen.

Auf „Dark Horses“ stehen solche Geschichten ohne musikalisches Sicherheitsnetz da. Das macht deutlich, wie sehr Lunds Musik vom Erzählen lebt. Auch „Counterfeiter’s Blues“ erhält in dieser Umgebung ein anderes Gewicht. Wo Rhythmus, Instrumentierung und Band sonst zusätzliche Ebenen schaffen, muss nun jedes Wort selbst bestehen – und es funktioniert.

„Louis L’Amour“ darf natürlich nicht fehlen

Mit „Louis L’Amour“ erreicht die Reise Lunds Album „Agricultural Tragic“ aus dem Jahr 2020. Schon der Titel ist eine Verbeugung vor einem der bekanntesten Autoren amerikanischer Westernliteratur. Gleichzeitig passt der Song perfekt zu Lunds eigener künstlerischer Welt. Denn auch seine besten Stücke funktionieren häufig wie kleine Western-Erzählungen: Figuren tauchen auf, Landschaften entstehen vor dem inneren Auge und nach wenigen Minuten ist eine Geschichte erzählt.

Lund gehört zu jener Sorte Songwriter, bei denen man nicht nur auf die Melodie hören sollte, man sollte zuhören.

Am Ende steht „El Viejo“

Den Abschluss bildet „Out On A Win“ aus Lunds 2024 erschienenem Album „El Viejo“. Damit schließt sich der Kreis von 1995 bis 2024 – fast drei Jahrzehnte Songwriting, zusammengefasst nicht anhand der offensichtlichen Karrierehöhepunkte, sondern anhand persönlicher Favoriten ihres Schöpfers. Das macht „Dark Horses“ wesentlich interessanter als eine gewöhnliche Rückschau, denn Lund sagt damit indirekt auch etwas über Erfolg aus. Ein Song muss kein Hit gewesen sein, um für seinen Autor wichtig zu bleiben. Manche Stücke finden ihr Publikum sofort, andere brauchen – und manche bleiben vielleicht für immer Geheimtipps. Gerade ihnen gibt Lund nun noch einmal eine Bühne.

Familiengeschichte auf dem Plattencover

Selbst die Gestaltung des Albums gehört zum Konzept. Die alten Fotografien im Artwork stammen aus Lunds eigener Familiengeschichte und zeigen verschiedene seiner Vorfahren. Das ist keineswegs nur nostalgische Dekoration. Lund hat immer wieder Erlebnisse und Geschichten seiner Familie in seine Songs einfließen lassen. Seine Herkunft aus Alberta, Ranching, Pferde und die Geschichte des amerikanischen und kanadischen Westens sind bei ihm keine aufgesetzten Country-Accessoires. Sie gehören zu seiner Biografie.

Vielleicht funktioniert „Dark Horses“ deshalb gerade in seiner Schlichtheit so gut. Man hört keinen Musiker, der versucht, nachträglich authentisch zu klingen, man hört einen Songwriter, der zu den Geschichten zurückkehrt, die ihn über Jahrzehnte begleitet haben.

Ein Mann, eine Gitarre – mehr braucht es manchmal nicht

„Dark Horses“ ist weder ein klassisches neues Studioalbum noch eine Greatest-Hits-Sammlung. Es ist eher ein persönliches Zwischenfazit. Corb Lund öffnet seinen eigenen Katalog und zeigt auf jene Songs, an denen viele vielleicht vorbeigegangen sind. Elf Stücke, elf Stationen einer Karriere – aufgenommen ohne Band und ohne große Inszenierung. Dadurch passiert etwas Interessantes: Die alten Songs wirken nicht wie Museumsstücke. Sie bekommen ein zweites Leben.

Vielleicht ist genau das die schönste Idee hinter diesem Album. Die großen Hits eines Künstlers kennt ohnehin jeder. Die wirklich spannenden Geschichten findet man manchmal bei den „Dark Horses“.

Corb Lund – Dark Horses: Das 2026er Album

Corb Lund – Dark Horses

Künstler: Corb Lund
Album: Dark Horses
Label: New West Records
Veröffentlichung: 24. Juli 2026 (Vinyl, CD)
Veröffentlichung: 7. August 2026 (Stream & Download)
Formate: CD, Vinyl, Stream & Download
Genre: Country, Akustik
Tracks: 11

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„Dark Horses“ – Trackliste

01. Untitled Waltz
02. Guitar From The Wall
03. No Roads Here
04. The Rodeo’s Over
05. Especially A Paint
06. Talkin‘ Veterinarian Blues
07. Priceless Antique Pistol Shoots Startled Owner
08. Counterfeiter’s Blues
09. Sadr City
10. Louis L’Amour
11. Out On A Win

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Über Dirk Neuhaus (1943 Artikel)
Seit 26 Jahren Redakteur bei Country.de - Fachgebiet: Traditional Country, Bluegrass. Rezensionen, News, Specials.