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Bob Wootton – ein persönlicher Nachruf

Bob Wootton starb am 9. April 2017 - Nachruf auf einen großen Musiker und Gitarristen.

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Johnny Cash & Bob Wootton Johnny Cash & Bob Wootton. Bildrechte: Bernd Wolf (Privatarchiv)

Dies ist nicht der erste Nachruf, den ich für Country.de verfasse. Im Juni 2015 verstarb mein Freund und Kollege Ulli Möhring. Der Nachruf auf ihn war schwierig. Ich kannte Ulli seit 1993. Bob Wootton kannte ich seit 1982. Auch wenn der enge, persönliche Kontakt in den letzten Jahren verloren gegangen war, so traf mich die Nachricht von seinem Tod nicht minder heftig. Sie wissen nicht, wer Bob Wootton war? Kaufen Sie sich das Album „Johnny Cash At San Quentin“ und hören Sie sich den Song „San Quentin“ an. Achten Sie auf Intro und Solo. Das war Bob Wootton.

Robert C. Wootton wurde am 04.03.1942 in Paris, Arkansas, geboren. Die Familie zog 1950 nach Taft, California, wo Wootton dann später Johnny Cash im Radio entdeckte. Fasziniert vom Sound kaufte er sich 1956 Cashs Single „I Walk The Line“, obwohl die Familie gar keinen Plattenspieler besaß. 1958 zog die Familie nach Tulsa, Oklahoma. Wootton verbrachte seine Armeezeit teilweise in Korea, aber die Musik interessierte ihn mehr. Er hatte eine Band in der Armeezeit. „Johnny And The Ramrods“ unterhielten die Soldaten. Von seiner Abfindung von der Armee kaufte er sich Musikequipment. Später spielte er in den Clubs in und um Tulsa mit seiner Band, den „Comancheros“. Außer Cash war Wootton auch begeisterter Fan von Gene Autry und John Wayne, daher der Bandname, nach dem Western mit John Wayne. Nach einem Konzert von Cash 1966 in Cain’s Ballroom in Tulsa ließ er sich mit Cashs Gitarristen Luther Perkins fotografieren, dessen Gitarrenstil er sich im Laufe der Jahre perfekt angeeignet hatte.

Am 17. September 1968 wendete sich das Leben des Bob Wootton grundlegend. Luther Perkins war am 5. August des Jahres an den Folgen der Brandverletzungen bei einem Feuer seines Hauses gestorben, und sein Platz in der Band war verwaist. Cash hatte Carl Perkins (keine Verwandschaft zu Luther), der in Cashs Band spielte, darum gebeten, die Leadguitar zu spielen, denn er wollte Luther nicht ersetzen. An diesem 17. September spielte Cash auf einer Wahlkampfveranstaltung für Gouverneur Winthrop Rockefeller in Fayetteville, Arkansas. Carl Perkins und Cashs Bassist Marshall Grant, die mit dem Flugzeug aus Memphis kommen sollten, waren nicht vor Ort, weil das Flugzeug wegen Nebels nicht starten konnte. Cash stand da mit June Carter und seinem Drummer W.S. Holland. Wootton war im Publikum. Er war aus Oklahoma angereist, um sein Idol zu sehen.

Woottons damalige Freundin signalisierte June Carter, dass Wootton aushelfen könne. Da Carl Perkins‘ Equipment vor Ort war, beorderte Cash den jungen Mann auf die Bühne. Seine Perfektion und Präzision verblüfften Cash, Carter und Holland. Cash ließ sich Woottons Telefonnummer geben und sagte, er würde ihn vielleicht bei Gelegenheit anrufen. Der Anruf kam bereits zwei Tage später. In Anwesenheit von Marshall Grant und Carl Perkins spielte Wootton in Harrison, Arkansas seinen zweiten Gig für Cash. Er wurde für sechs Monate auf Probe als Gitarrist für die Tennessee Three verpflichtet. Die sechs Monate dauerten, mit einer Unterbrechung von 1989 bis 1992, bis Oktober 1997, als Cash sich von Konzerten aus gesundheitlichen Gründen zurückzog.

Bob Wootton spielte das berühmte Konzert in San Quentin am 24. Februar 1969. Bob Wootton spielte in allen ABC TV-Shows von Cash zwischen 1969 und 1971. Er spielte auf den Aufnahmen von Johnny Cash. Er wurde später für ein paar Jahre sogar Johnny Cashs Schwager, denn er heiratete 1974 Anita Carter. Die Ehe hielt nur wenige Jahre. Er reiste mit Johnny Cash um die Welt, wurde der gitarristische Fixpunkt der Johnny Cash Show und der Held unzähliger junger Menschen, die so wie er seinerzeit bei Luther Perkins diesem Gitarrenstil hilflos verfallen waren. Einer dieser jungen Menschen war ich.

Bob Wootton

Bob Wootton. Bildrechte: Bernd Wolf (Privatarchiv)


Ich traf Bob Wootton zuerst am 8. November 1982, backstage in der Halle Münsterland, vor meinem vierten Cash-Konzert. Es dauerte bis zum 31.10. 1983, bis er sich mir zuwandte. Ab diesem Tag hatten wir ein mehr als gutes, fast freundschaftliches Verhältnis, aus dem sich später eine Freundschaft entwickelte. Als Bob von Juni 1989 an zeitweilig nicht mehr in Cashs Band spielte, besuchte ich ihn 1991 in seinem damaligen Haus in Philadelphia, Mississippi, der Heimatstadt seiner zweiten Frau Vicky Cook, die er als Bassistin der Carter Family kennenlernte. Marty Stuart, ebenfalls aus Philadelphia, hatte sie empfohlen, nachdem sich Cash den Bassisten der Carters, Jimmy Tittle, in seine eigene Band geholt hatte.

Eine ganze Woche verbrachte ich mit Bob und seiner Familie. Wir beschlossen, Bob müsse nach Europa kommen und hier Konzerte spielen. Meine Band Texas Heat würde ihn begleiten. Am 31. Mai 1992 in Pfungstadt standen Bob Wootton und Texas Heat gemeinsam auf der Bühne. Bis Anfang Oktober kam er immer wieder über den großen Teich nach Deutschland. Am Ende spielten wir zusammen eine Folge der Sendung „Keep It Country“ für den Offenen Kanal in Dortmund ein. Auf der Heimfahrt danach erzählte er mir im Auto, dass Johnny Cash ihn zurück in seine Band holen wolle. So spielte er ab Oktober 1992 wieder bei Cash. Am 31. Juli 1997, bei Cashs letztem Deutschlandkonzert in der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz, erzählte er mir von Johnny Cashs Erkrankung. An diesem Tag sah ich sowohl Johnny Cash als auch Bob Wootton zum letzten Mal.

In der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober 1997 klingelte mein Telefon spät in der Nacht. Bob war am Apparat und erzählte mir, Johnny Cash sei am Abend vorher bei einem Konzert in der Whiting Hall in Flint, Michigan fast von der Bühne gefallen. Er habe ihn am Gürtel festgehalten, und Johnny Cash würde am nächsten Tag seinen Rückzug von der Bühne bekannt geben. Bob klang aufgelöst und ängstlich, bedeutete das doch das Ende seines Jobs, und seine Frau Vicky war hochschwanger mit der zweiten Tochter, die am 3. November zur Welt kam. Er arbeitete zwischenzeitlich als Security und Tourbusfahrer, um seine Familie zu ernähren.

Nach dem Tod von Johnny Cash am 12. September 2003 ging Wootton mit W.S. Holland zusammen als „The Tennessee Three“ wieder auf Tour. Dafür reaktivierten sie sogar Cashs alten Tourbus „Unit One“. Nach dem Rückzug Hollands wurden „The Tennessee Three“ zu einer Familienband, der neben Wootton auch seine Frau Vicky an der Rhythmusgitarre und seine Töchter Scarlett und Montana angehörten. Bis 2009 waren sie aktiv. Bob Wootton erkrankte an einer Sonderform von Demenz. Die (zumeist inoffiziellen) Meldungen bezüglich seiner Erkrankung waren teilweise sehr widersprüchlich. Zeitweise war davon die Rede, er könne nicht mehr Gitarre spielen und habe auch zumindest große Teile seines Lebens vergessen. Leider habe ich den Kontakt zu seiner Familie im Laufe der Jahre verloren, trotz meiner Bemühungen. So erfuhr ich von seinem Tod durch eine Information von Anita Carters Tochter Lorrie.

Bob Wootton starb am Palmsonntag, dem 9. April 2017. Er wird am Mittwoch, dem 12. April auf dem Cornerstone Friedhof in Nashville, Tennessee, beigesetzt. Bob Wootton war der Grund, warum ich Gitarre spielen wollte. Bob Wootton war der Grund, warum ich eine Telecaster haben musste, damals, 1983. Bob Wootton spielte meine blonde Telecaster „P.o.W.“ („Piece of Wood“, nach einem Song von mir) im Cash-Konzert in Ludwigshafen am 25. April 1988. Meine Faszination für Bob Wootton ist die Basis für das Cash-Tribute-Programm „PureCASH“ meiner Band Texas Heat. Bei jedem JustCASH und PureCASH-Konzert habe ich beim Gitarrensolo des Songs „San Quentin“ laut gerufen „One for Bob!“ Es wird seltsam sein beim nächsten Konzert. Ruhe in Frieden, mein Freund! Dein Tod macht mich sehr traurig. Boom-chicka-boom!

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Über Bernd Wolf (135 Artikel)
Bernd Wolf gehört zur Country.de-Stammbesetzung und ist Spezialist für "Traditional Country und Americana" sowie anerkannter Johnny Cash-Experte.
Kontakt: Webseite

4 Kommentare zu Bob Wootton – ein persönlicher Nachruf

  1. Bernd Faulhaber // 5. Juni 2017 um 19:49 //

    Ich habe erst heute von diesem Ereignis erfahren und bin erschüttert. Als großer Johnny Cash und ehem. Mitarbeiter des Deutschen Fanclubs habe ich Bob auch privat Kennenlernen dürfen und schätzen gelernt.
    Mir bleiben nur noch die Worte „Ruhe in Frieden Bob“ zu schreiben und finde Deinen Nachruf Klasse Bernd Wolf. Wir haben uns mal getroffen (Cash Club Germany) aber kannten uns eigentlich nicht.

  2. Ohne viele Worte. Vielen herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag, so traurig er auch ist!
    Bruno Wilfahrt – Radio Ramasuri Country

  3. Bernd Wolf // 12. April 2017 um 17:29 //

    Hallo Ingrid, vielen Dank! Bobs Einfluß lebt im Johnny Cash Tribute Programm „PureCASH“ meiner Band Texas Heat weiter. Solltest Du es zu einem unserer Konzerte schaffen, sprich mich bitte gerne an.

  4. Ingrid Lingenberg // 12. April 2017 um 15:28 //

    GANZ GANZ GANZ lieben Dank für diesen wundervollen Artikel. Bob Wootton war der Held meiner Familie, insbesondere meines Bruders, der wegen ihm Tele spielte. Der Sound der Tele, den ich seit Kind hörte, wurde zur Messlatte meines sich entwicklenden Musikgeschmackes. Wir hörten vom Tod durch seine jüngste Tochter und waren zutiefst erschüttert, wie wenig auch in den USA darüber berichtet wurde. Umso mehr bin ich von Deinem Artikel zutiefst gerührt.

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