Tony Arata: Mehr als nur „The Dance“
Was kaum jemand weiß, ursprünglich hatte der Song einen anderen Text aber der ging Gott sei Dank beim Umzug verloren. Der dann verwendete Text fiel mir aufgrund einer Szene aus dem Film „Peggy Sue Got Married“ ein. Kathleen Turner erkennt da, daß sie etwas aus ihrer Vergangenheit nicht ändern kann, ohne den Rest dadurch zu verfälschen. Niemand kann sich aussuchen, woran er sich erinnert. Ich habe viele Briefe von Menschen bekommen, die sich in der Botschaft von „The Dance“ wieder erkennen.
Der Song war im übrigen schon eine Weile allen möglichen anderen Interpreten und Produzenten angeboten worden … Garth Brooks hatte schon immer ein feines Näschen für gute Songs! Von Tony Arata nahm er noch einige andere Lieder auf, wie „The Change“, „Face To Face“, „Kickin‘ And Screamin'“ und „Same Old Story“. Wenn sich der Erfolg einmal eingestellt hat, fällt es viel leichter, seine Songs direkt an die Interpreten zu bringen.
Patty Loveless wurde eine richtige „Arata-Kundin“. Und fuhr gut damit, wie „Someday I Will Lead The Parade“, „Long Stretch Of Lonesome“, „Nothing But Love“, “ Here I Am“, „Handful Of Dust“ zeigen. Auch Trisha Yearwood, Don Williams, Clay Walker, Randy Travis, Suzy Bogguss, Emmylou Harris, Lee Roy Parnell, Tanya Tucker gehören zu seinen Kunden, um nur einige zu nennen. Tony Arata hat eine relativ einfache Philosophie. Ihm geht es nicht darum, möglichst viele Lieder zu schreiben sondern zunächst einmal darum, einen guten Song zu kreieren. Gelingt damit ein richtiger Hit, freut man sich – man wird dadurch aber kein besserer oder schlechterer Autor.
Arata kommt aus Savannah in Georgia. Musik gehörte seit den Schultagen immer zu seiner Beschäftigung. Schon da begann er zu schreiben, spielte aber auch in diversen Bands. Beruflich schlug er die Journalistenlaufbahn ein, vermutlich, weil er sich auch in dem Job ausführlich mit Musik beschäftigen konnte. Kommissar Zufall spielte einem Mann eines von Arata’s Demo-Bändern in die Hände, der gerade ein eigenes Plattenlabel gestartet und Jim Glaser unter Vertrag genommen hatte. Damit hatte die Karriere des Songschreibers Tony Arata begonnen, denn auf Glaser’s Album finden sich einige seiner Songs. Gleichzeitig konnte er auch ein erstes eigenes Album machen, das Arata aber unter der Rubrik „Erfahrung“ abhakte. Denn es wurde ein Ladenhüter.
Immerhin aber hatte er 1987 soviel Zutrauen zu sich und seinem Talent, daß er sich nach Nashville orientierte. Sein Selbstvertrauen erhielt allerdings eine kräftigen Dämpfer, wie Arata selbst zugibt. Denn einmal in Nashville erkennt man sehr schnell, daß es dort nur so von guten Songschreibern wimmelt und man stellt sich automatisch die Frage, was man dort eigentlich noch soll. Sicher hat niemand ausgerechnet auf mich gewartet. Zu seinem Glück suchte Glaser’s Label NobleVision auch eine Möglichkeit, nach Nashville umzuziehen. Arata war somit nicht allein – und hatte erneut Glück, daß er den etablierten Songschreiber Dennis Morgan traf, sich mit ihm anfreundete und für dessen Verlag tätig werden konnte. Und dann tauchte ein gewisser Garth Brooks auf. Der ist bekanntermaßen selbst auch Songschreiber und weiß, wie ein Lied gestrickt sein muß.
Sofort erkannte er den Wert von „The Dance“ und vermutlich auch, was Arata damit zum Ausdruck bringen wollte. Ganz einfach die gedankliche Spielerei, die Chance zu erhalten, sein Leben in veränderter Form noch einmal leben zu können und es dann doch nicht zu tun. Arata´s Lieder sind nie aus Seelenschmerz oder menschlichen Niederlagen geboren, wie er versichert. Manch anderer Songschreiber braucht die selbst durchlebten Tiefen, den Kummer, den Schmerz, um richtig gute, lebensnahe Lieder schreiben zu können – nicht so Tony Arata. Und dennoch oder gerade deswegen sagt Garth Brooks über ihn: „Der „König der Seele“ im Songschreiben Nashville’s ist Tony Arata. Ihm bedeutet sein Stellenwert nichts, er denkt nicht ans Geld, ihm sind seine Frau, seine Kinder und seine Musik wichtig.“ Zugleich hält Brooks ihn auch für einen erstklassigen Sänger. Eine Kostprobe davon gibt es auf dem Album „In The Beginning – A Songwriter’s Tribute to Garth Brooks“. Da hören wir ihn mit „The Dance“ und „Face To Face“ – und wissen, warum der Superstar so große Stücke auf diesen Mann hält.



