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Merle Kilgore (Biografie)

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Mein Gott, wie lange begleitet einen dieser Name schon in der Country Music, dabei ist er nie ein richtig großer Star geworden – aber seit rund 50 Jahren ist er präsent, begegnet man seinem Namen immer wieder. In unterschiedlichen Bereichen und Konstellationen kam der Mann ins Blickfeld. Das Jahr 2003 lieferte dabei den wohl traurigsten Grund, weshalb man den Namen Merle Kilgore des öfteren lesen und hören konnte: den Tod von June Carter Cash. Denn entgegen landläufiger Meinung waren es June Carter und Merle Kilgore, die mit „Ring Of Fire“ den vielleicht populärsten Johnny Cash-Hit schrieben. Cash war auch keineswegs der Erste, der den Song aufnahm. Und es war nicht der einzige Hit, der Merle Kilgore eingefallen ist. Ein liebevoller Brauch ist es auch in der Country Music, Persönlichkeiten mit einem Beinamen zu dekorieren, der einiges über sie aussagt. Seit vielen Jahren nennt man Kilgore in Insider-Kreisen nur „Senator“ – das ist durchaus so etwas wie eine Ehrenbezeugung und verdeutlicht den Respekt, den der lange Boy aus Louisiana genießt.

Seine Wiege stand in Chickasha, Oklahoma (geb. 9. August 1934), aufgewachsen aber ist er unweit einer Lokalität, die der Country Music in ihrem frühen kommerziellen Stadium wertvolle Impulse gegeben hat – der „Louisiana Hayride“ in Shreveport. Da er sich als Jugendlicher schon stark für die Musik und das Show Business interessierte, trieb er sich natürlich beim Hayride herum. Und machte sich nützlich z.B. dadurch, dass er den Musikern ihre Instrumente in die Garderoben schleppte. Dabei reifte der Gedanke, dass er es auch versuchen sollte, mit Musik die Brötchen zu verdienen. Einer der Musiker rief ihm ganz einfach: „Wenn du eine Chance haben willst, dann häng dich an irgendeine Berühmtheit!“. Was ein Scherz sein sollte, erwies sich für Kilgore als Wink mit dem berühmten Zaunpfahl. Als mit Hank Williams ein Star nach Shreveport kam, der gerade mit „Move It On Over“ einen Riesenhit feierte, verdingte sich Kilgore auch bei ihm als Kofferträger – und freundete sich mit ihm an. Kilgore erinnert sich: „Ich habe Hank zwar nicht oft gesehen aber wir mochten einander. Hank gab mir sogar wertvolle Tips. So meinte er, ich solle ruhig Comic-Hefte lesen. Die würden ihm auch gute Ideen für Songs liefern. Und ich solle schmerzhafte Erlebnisse wie etwa eine in Scherben liegende Liebesbeziehung dazu nutzen, meine verletzten Gefühle in einen Song zu verarbeiten. Das sei das Material, aus dem Hits geschmiedet werden.“

Merle KilgoreMerle Kilgore war infiziert und tat alles, was neben der Schule möglich war, um ins Country Business zu kommen. 1950 gehörte Kilgore zu den Künstlern, die regelmäßig beim Hayride auftraten. Er verdiente sich morgens vor der Schule einige Dollar als Discjockey und bekam dann auch eine lokale TV Show, durch die er als Moderator führte. Auch wenn er kein Texaner war hieß er rasch und überall „The Tall Texan“! In seiner Heimat wurde Merle Kilgore rasch beliebt und vielbeschäftigt. Deshalb stellte ihn seine damalige Freundin vor die Alternative – entweder die Musik oder sie. Kilgore überlegte nicht lange – und erinnerte sich an den rat des Hank Williams. Noch auf dem Weg zum Studio schrieb er den Song „More And More (I´m forgetting About You)“. Bekanntlich wurde daraus eine No. 1 für Webb Pierce. Und Kilgore wundert sich noch heute: „Mit diesem Song öffneten sich für mich plötzlich Türen, die bis dahin fest verschlossen waren. Jemand, der einen Hit schreiben konnte, den durfte man nicht ignorieren.“ Im Zusammenhang mit diesem Hit musste Kilgore auch die Lektion lernen, dass man den geschäftlichen Bereich nicht vernachlässigen durfte. Er begriff rasch und sollte im weiteren Verlauf seiner Karriere gerade auch auf diesem Gebiet Cleverness und damit Erfolg an den Tag legen. Merle Kilgore bekam nun auch als Sänger mehr Aufmerksamkeit und damit einen Vertrag bei Starday Records. 1960 tauchte er mit „Dear Mama“ und „Love Has Made You Beautiful“ in den Top Twenty auf – es sollten als Sänger seine besten Platzierungen bleiben. Mir gefällt besonders sein späterer Hit „42 In Chicago“, der mich seinerzeit auch veranlasste, nach einem eigenen Kilgore-Album zu suchen. Dafür machte er als Songschreiber Schlagzeilen mit „Johnny Reb“, einem Millionseller für Johnny Horton.

Nun, 1962, war es an der Zeit für Kilgore, dorthin umzusiedeln, wo „die Musik spielte“ – nach Nashville. Der Erfolg blieb ihm treu, Claude King machte aus seinem „Wolverton Mountain“ einen Klassiker. Grund genug für Johnny Cash, diesen smarten, gut aussehenden Riesen für sein Vorprogramm mit auf Tournee zu nehmen. So lernte Kilgore u.a. den Madison Square Garden in New York kennen – aber auch June Carter. Beide beschlossen, gemeinsam einige Songs zu schreiben. Kilgore erinnert sich: „Anita Carter stand kurz davor, ein Album für Mercury aufzunehmen und brauchte noch Songs. June und ich haben versucht, ihr etwas zu schreiben. Irgendwie brachte uns die kaputte Beziehung einer von June’s Bekannten auf die Idee, in diesem Zusammenhang etwas zu schreiben, das „Ring Of Fire“ hieß. Anita sang es als wunderschöne Folk-Ballade für ihr Album. Wenige Wochen später kam Johnny Cash, dem der Song sehr gut gefiel. Er sagte, er habe geträumt, dass er diesen Song singen würde, unterlegt mit mexikanischen Trompeten. Falls Anita´s Version kein Hit werden sollte, dann würde er, Cash, es singen. Nun, wir alle wissen, was daraus geworden ist!“. Wir wissen aber auch, was aus Merle Kilgore geworden ist – nicht der erfolgreiche Sänger, der er vermutlich hatte werden wollen. Er beherzigte den frühen Rat aus Shreveport und blieb mit jemand Berühmten zusammen. Und der heißt ausgerechnet Hank Williams Jr.! 1964 schloss er sich ihm an, zunächst als Conferencier und Anheizer im Vorprogramm, bis ein Jagdunfall die Karriere von Hank Williams Jr. für eine ganze Weile stoppte. Kilgore fand derweil weiter Beschäftigung, er schrieb weiter Songs und trat als Live Act auf. Als solchen habe ich ihn im „Possum Holler“ in Nashville erlebt, ein Club, den George Jone seinerzeit dort betrieb. Nachdem Hank Williams Jr. wieder genesen und bereit war, seine Karriere als Country Entertainer fortzusetzen, holte er Merle Kilgore zurück. Diesmal nicht nur für das Vorprogramm sondern vor allem als Manager. – kein einfacher Job wie er bald feststellen sollte. Hank Williams Jr. jedenfalls weiß, was er an Kilgore hat, denn immer wieder war der für seinen Schützling auch so etwas wie die Vaterfigur. Mit seiner Erfahrung steuerte Kilgore Karriere und teilweise auch das Privatleben des Hank Williams Jr. an manch gefährlicher Klippe vorbei. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass der gut aussehende Kilgore auch in Filmen mitgewirkt hat. Die meisten Leute werden ihn bei uns in „Coalminer´s Daughter“ (dt. Titel „Nashville Lady“) gesehen haben. Aber Kilgore gehörte auch zur Besetzung von Robert Altman’s „Nashville“, von W.W. and the Dixie Dance Kings“ (mit Don Williams), „Roadie“ und in der TV Verfilmung von Hank Williams Jr. Biografie „Living Proof“ (da spielte er einfach sich selbst).

Merle Kilgore ist glücklich geworden mit dem, was er tat. Eine ganze Reihe von Auszeichnungen wie „Manager des Jahres“, „Business Person des Jahres“, die Aufnahme in die Songwriter Hall of Fame“ oder der Titel „Ehrenamtlicher Senator von Tennessee“ dokumentierten seine Bedeutung. Kilgore scheute sich auch nicht, immer wieder Ehrenämter im Music Business anzunehmen. Er kannte sich aus im Business, sein Rat war bis zu seinem Tode gefragt. Und wer kann schon von sich behaupten, mindestens vier Songs geschrieben zu haben, die Klassiker der Country Music sind und immer wieder aufgenommen werden? Merle Kilgore starb am 06. Februar 2005 nach kurzer schwerer Krankheit.

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