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Eventbericht: 6. Bühler Bluegrass Festival 2008

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Am Samstag, den 03. Mai 2008 fand in Bühl das 6. Internationale Bühler Bluegrass Festival statt. Mit einer großen Bandbreite an akustischer Musik und der Ankündigung, 2009 das Festival auf zwei Tage auszudehnen, erlebte die Veranstaltung heuer eine enorme Fortentwicklung. Die weiter zunehmende Besucherzahl belegt den richtigen Weg der Veranstalter.

Los ging’s pünktlich um 10:30 Uhr auf dem Johannesplatz in der Bühler Fußgängerzone bei strahlender Sonne und angenehmer Wärme. Was unter dem Motto „Bühl macht blau“ angekündigt war, wurde mit Don Rigsby & Midnight Call aus Kentucky in Szene gesetzt und vom zahlreich erschienenen Publikum äußerst positiv aufgenommen. Vor dem Rathaus erlebte gegen 12 Uhr die finnisch-norwegische Instrumentalgruppe Frigg ebenfalls sehr guten Zuschauerzuspruch.

Mark StoffelWie angekündigt, startete Walter Fuchs um 14:00 Uhr im Bürgerhaus Neuer Markt das Hauptprogramm. Die Nachmittagsveranstaltung erlebte bereits einen weitgehend voll besetzten Saal. Main Spring feierten eine weitere gelungene Reunion. Die Band wurde 1983 gegründet, hat 1987 mit der LP „In The Mood“ einen Meilenstein der europäischen Bluegrass Musik gesetzt, nur um sich 1989 aufzulösen. In der Originalbesetzung, die seit einigen Jahren bereits mehrere gefeierte Reinkarnationen erlebt hat, waren sie nach Bühl angereist, Mark Stoffel direkt aus den USA, wo er seit längerer Zeit lebt. Mit „Rondo Alla Turca“ von Mozart setzten sie rasch einen instrumentellen Höhepunkt, der durch die im mehrstimmigen Satzgesang dargebrachte Peter-Rowan-Komposition „Midnight Moonlight“ rasch getoppt wurde, auch hinsichtlich des instrumentellen Einsatzes. Beim Eagles-Klassiker „Take It Easy“ konnte Obi Barthmann am Banjo sich herrlich ausleben, ähnlich wie Main Spring erleben die Eagles derzeit ein Comeback als Band, wenngleich mit einer siebenfach-Platin-Doppel-CD und bereits dem zweiten Top 40 Hit in Folge in den Country Charts im Amerika. Main Spring hatten sichtlich Freude an ihrem Auftritt vor dem Bühler Publikum, das die Band mit offenen Armen empfangen hat und den Respekt der Band vor dem Auftrittsort zu würdigen wusste.

Die siebenköpfige finnisch-norwegische Formation Frigg, gegründet im Jahr 2000, setzte mit einem weitgehend instrumentellen Set das Festival fort. Hier war mit Alina Järvelä die einzige Frau auf der Bühne. Frigg sind der keltischen Wurzel des Bluegrass zuzuordnen, die von Bill Monroe ebenso wie der afroamerikanische Blues zur Entwicklung des Bluegrass Verwendung fand. Mit vier Geigen, einer Mandoline, der akustischen Gitarre/Dobro und einem Kontrabass ausgestattet, gab’s auf der Bühne virtuose Klänge, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurden, was nicht zuletzt durch die Dynamik der jugendlichen Band und das Feuer in der Musik getragen war. Ähnlich positive Resonanzen erlebte die Band regelmäßig auf mehrwöchigen Touren durch die USA, wo sie bei diversen Bluegrass Festivals entsprechend auftreten. Viele Eigenkompositionen der Bandmitglieder prägen das Repertoire der Formation, wie „River Dance“ aus der Feder des Bassisten Antti Järvelä oder „Economy Class“, das nach einer heftigen Afterparty zu einem Auftritt das erste erkennbare Lebenszeichen des Folgetags war, in Form der Aufschrift auf dem Boarding Pass im Flugzeug. So fand „Economy Class“ sich als Titel einer weiteren Eigenkomposition der Band.

Ohne größere Umbaupause folgten aus dem Bluegrass-State Kentucky Don Rigsby & Midnight Call. Die Formation ist in der vorliegenden Besetzung noch jung, Mandolinist Don Rigsby mit seinen 40 Jahren und einer einschlägigen Bluegrass-Vergangenheit u.a. bei der Lonesome River Band eher schon der etablierten vierten Bluegrass-Generation zuzuordnen. Der Cousin des Superstars Ricky Skaggs, dessen Bruder Ron Rigsby ein bekannter Banjo Spieler ist, konzentrierte sich auf den traditionellen Bluegrass im Stile der ersten Generation um Bill Monroe und den Stanley Brothers. Seine wunderschöne Tenorstimme, die nicht ganz die extreme Schärfe des ursprünglichen Falsettgesangs des Genres erreicht, stand im Mittelpunkt des Auftritts. Störend wirkte in diesem ansonsten absolut stimmigen Naturmusik-Konzept um Mandoline, akustische Gitarre, Fiddle und Banjo lediglich der elektrische Bass, der zu kräftig rüberkam und obendrein wenig ideenreich eingesetzt wurde, auch ohne Soli. Gitarrist Clyde Marshall sang „Blue Virginia Blue“, das u.a. Bill Harrell bekannt gemacht hat. Don Rigsby selbst ließ es sich nicht nehmen, am Ende des Sets den Titelsong seiner absolut gelungenen aktuellen CD „Hillbilly Heartache“ zu singen, der ersten Rigsby-CD in der Bandformation. Das Lied hatte Platz 2 der Bluegrass Hitparade der Fachzeitschrift „Bluegrass Unlimited“ erreicht. „Harvest Of My Heart“ kam aus dem Repertoire der Formation Rock County, der Don Rigsby und Banjo-Spieler Dale Vanderpool angehört hatten.

Don RigsbyIm Gegensatz zum traditionellen Bluegrass eines Don Rigsby bevorzugen The Infamous Stringdusters aus Nashville einen selbst kreierten, experimentellen und expressiven Bluegrass. Keiner der sechs Bandmitglieder ist über 30, hier ist Fortentwicklung der Musik und der eigenen Ansätze selbstverständlich und auch unerlässlich, fünfte Generation innerhalb der Entwicklung der Bluegrass Musik. Mit höchster Virtuosität bewegte sich das Sextett durch die Musik, die einzelnen Abläufe und Einsätze der Musiker waren teilweise Improvisation in Vollendung. Die Musiker mit jeweils noch frischem Universitätsabschluss boten mit akustischer Gitarre, Mandoline, Banjo, Kontrabass, Fiddle und Dobro das komplette gängige Repertoire einer Bluegrass Band. Mit dem IBMA-Song des Jahres 2007, der gleichzeitig der Titelsong der von ihnen herausgegebenen CD des Jahres ist, „Fork In The Road“ aus der Feder von Chris Jones und John Pennell, begann die Band auf denkbar höchstem Niveau, das später auch nicht mehr verlassen wurde. Die scheinbare Leichtigkeit, auch beim mehrstimmigen Satzgesang, mit der die Band die Musik darzubieten versteht, ist musikalischer Genialität zuzuordnen, hinzu kommt, dass immer Leben und Bewegung auf der Bühne spürbar sind. Das brachte auch in Bühl rasch den Funken zum Überspringen. Die Kraft der Musik erlaubt auch filigrane Stücke, ohne dass ein Einbruch entstünde, z.B. „I Won’t Be Coming Back“, das man auf der im Juni erscheinenden zweiten CD der Infamous Stringdusters wiederhören kann. Herrliche Improvisation erlebte das Publikum von Jesse Cobb auf der Mandoline und Travis Book am Kontrabass beim „Deep Elm Blues“, Deep Elm, das Vergnügungsviertel außerhalb der texanischen Metropole Dallas.

Nach einer Unterbrechung von gut einer Stunde, die man zum Abendessen in der Sonne nutzen konnte, zum Stöbern im gut sortierten CD-Stand von Hillbillie Guesthouse oder zum Bewundern der Jam Session, verkündete Organisator Walter Fuchs die Ausdehnung des Bühler Bluegrass Festivals 2009 auf zweit Tage. Am Abend des 01. Mai spielen zwei Formationen, am Samstag, den 02. Mai gibt’s die gewohnten vier Formationen. Damit sind sechs unterschiedliche Bands am Start, was den Besuch beider Tage sicherlich lohnenswert macht, insbesondere, wenn sich die Veranstalter ein attraktives Zweitagesticket einfallen lassen.

Mit großem Engagement und hoher Publikumsbeteiligung setzten Main Spring mit dem ersten Set des um 19 Uhr gestarteten Abendprogramms fort. Nach dem „Black Mountain Rag“ folgte eine Überversion von Glenn Miller’s in The Mood, Mark Stoffel und Ingo Sandhofen bedienten Twin-Mandolins, einfach grandios. Ingo erntete im übrigen immer wieder verdienten Szenenapplaus für seine Gitarrensoli. Obi Barthmann durfte einmal mehr seinen gesanglichen Klassiker „Seeman“ ertönen lassen. Mit einem im Zusammenhang mit dem Trainsong „Orange Blossom Special“ eingespielten Originalausschnitt aus Stoiber’s Transrapidrede, anlässlich derer sich jeder Hörer nur an den Kopf fassen kann, war die Stimmung am Höhepunkt angelangt. Die Eigenkomposition „Be With You“ war als Zugabe zu vernehmen, obwohl die vier Jungs schon 25 Jahre auf der Bühne stehen und vielleicht ein paar Jahre älter aussehen mögen als in ihrer großen Zeit der 80-er Jahre, haben sie sich ihren jugendlichen Esprit beibehalten, was ihre Auftritte immer wieder zu einem Erlebnis macht.

Frigg konnten erneut Begeisterungsstürme erntet mit ihren Instrumentals, teils sogar mit fünf Fiddles gleichzeitig gespielt, ein Dudelsack mischte sich ebenfalls ins instrumentelle Aufgebot. Der Dudelsack war in Finnland lange Zeit bekannt, ist aber seit vielen Jahrzehnten so gut wie ausgestorben. Frigg verstanden es, die musikalischen Traditionen und Wurzeln erfrischend darzubieten und die Stimmung auf dem Höhepunkt zu halten. Don Rigsby & Midnight Call taten sich nach dreißigminütiger Pause mit dem bekannten Problem des wummernden und eintönigen E-Bass insoweit etwas schwer, zumal die Musiker keinerlei Kontakt zum Publikum suchten. Die gelegentlichen kurzen Ansagen von Don Rigsby konnten dies nicht vollständig ausgleichen. Die herrlichen Lieder wie „Red Bird“ oder „Daddy Was A Moonshine Man“, die zu den schönsten der Veranstaltung gehörten, gingen hierdurch etwas unter. Erst mit Bill Monroe’s „Kentucky Waltz“ und dem schnellen „Goin‘ Back To Old Kentucky“ als Zugabe konnte Don Rigsby die Stimmung wieder dem Höhepunkt zuführen.

Neben dem großen Saal waren abends auch Empore und zusätzlich geöffneter kleiner Saal weitgehend besetzt, so dass gegenüber dem Vorjahr eine erneute Steigerung der Besucherzahl zu verzeichnen war. Den vollen Raum genossen die Infamous Stringdusters beim abschließenden Set des Abends in vollen Zügen. Neben ihren virtuosen Nummern, in denen sich die Formation zum Teil in zwei parallel spielende Trios verwandelt hat, gab’s auch Raum für die leisen Töne wie bei „Poor Boy’s Delight“, wo ein armer Junge sich einen Tanz mit Molly wünscht. Don Rigsby und die anderen Musiker des Festivals gesellten sich sukzessive hinzu zum Finale, „Salty Dog Blues“ und „How Mountain Girls Can Love“ erklangen bis kurz vor Mitternacht, bekannte Klassiker des Bluegrass.

Mit diesen vier so unterschiedlichen Bands und der Ankündigung, 2009 zwei Tage Bühler Bluegrass Festival zu präsentieren, hat sich die Veranstaltung sicherlich einmal mehr weiterentwickelt. Die Bands für 2009 sind praktisch schon gebucht, Randy Waller & The Country Gentlemen (USA) darf man schon als definitiv fix betrachten. Auch ist zu erwarten, dass andere Städte dem positiven Beispiel der Stadt Bühl folgen werden, künftig Bluegrass-Veranstaltungen mit mehreren hochklassigen Band aus den USA ins Leben zu rufen. Die Musik überzeugt, spricht für sich, es gilt allerorts lediglich, den Trend der Zeit zu erkennen und entsprechend abzufahren. Get On Board.

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