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Paul Overstreet: Hitschreiber mit Stimme

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Nein, sie stehen meist nicht im Focus des Interesses – das gilt den reproduzierenden Künstlern, Sängerinnen und Sängern. Weniger ins Bewusstsein von Musikliebhabern spielen sich die „Zulieferer“. Menschen, die sich ein Lied ausdenken. Ohne sie wären alle Sänger dieser Welt brotlos. Dabei kann man gerade bei den Autoren sehr interessante Zeitgenossen treffen, Leute, die etwas zu sagen haben und sich der Mitwelt in Form von Songs offenbaren. In der Country Music mehr als in anderen Musikrichtungen gehört es zur Normalität, dass Sänger ihre Lieder selbst schreiben. Oder eben Autoren ihre Werke eigenstimmig vortragen. Zu denjenigen, die sich in erster Linie einen Namen als Autor gemacht haben, gehört Paul Overstreet. Es darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass der Bursche auch über eine sehr angenehme, warme und ausdrucksstarke Stimme verfügt und folgerichtig eine Weile den Sänger damit auch Konkurrenz machte. Nicht ohne Erfolg, man erinnert sich gerne an seine Hits „Seein‘ My Father In Me“, „Daddy’s Come Around“, „Sowin‘ Love“, „Love Helps Those“. Oder an das wunderschöne, allerdings nicht von ihm geschriebene „I Won’t Take Less Than Your Love“, das er gemeinsam mit Tanya Tucker und Paul Davis sang.

Vergleichsweise bescheiden allerdings sind die gesangserfolge Paul Overstreet’s, blickt man auf einige der Hits, die er – teils auch mit einem Partner – geschrieben hat. Es fällt gerade keiner ein? Da kann man auf die Sprünge helfen. Hier eine kleine Auswahl an „Paul-Overstreet-Kindern“: „Same Ole Me“ (George Jones), „One Love At A Time“ (Tanya Tucker), „Diggin‘ Up Bones“, „Forever And Ever Amen“, „On The Other Hand“ (alle Randy Travis), „One Of These Things“ (Pam Tillis), „Love Can Build A Bridge“ (The Judds), „I Fell In Love Again Last Night“ (Forester Sisters), „Houston Solution“ (Ronnie Milsap), „The Battle Hymn Of Love“ (Kathy Mattea) „She Thinks My Tractor Is Sexy“ (Kenny Chesney“ und natürlich „When You Say Nothing At All“ (u.a. Keith Whitley, Alison Krauss oder Ronan Keating). Der Song machte im Soundtrack des Films „Notting Hill“ mit Julia Roberts und Hugh Grant 1999 weltweit Furore. Nahezu endlos ist die Liste der Künstler, die irgendwann einen seiner Songs aufgenommen haben, bis heute ist Paul Overstreet ein gefragter Autor im mit Songschreibern gepflasterten Nashville geblieben. Kennzeichen der Songs Marke Paul Overstreet ist eine in der Regel positive Aussage. Für einen gläubigen Christen und ausgesprochenen Familienmenschen wie ihn eine Selbstverständlichkeit. Manche Leute fragen, wieso Jemand derart lebensnahe, von Gefühlen bestimmte Lieder in Serie schreiben kann. Wie Jemand das, was er mitteilen möchte noch dazu in der gebotenen Kürze in so wohl gewählte Worte kleidet, dass sich Jeder darin irgendwie erkennt! Meist findet man die Erklärung beim Songschreiber selbst, in seinem von entsprechenden Erfahrungen und Erlebnissen geprägten Vorleben. Niemand kann, so glaube ich jedenfalls, derartige Songs einfach nur seiner Fantasie entnehmen, auch ein Paul Overstreet nicht.

Paul OverstreetIm Flecken VanCleave im US-Bundesstaat Mississippi begann am 17. März 1955 Overstreet’s erstaunlicher Weg in eine Welt, die zunächst nicht sonderlich freundlich schien. Besonders hart wurde es als die Eltern sich scheiden ließen. Die Mutter hatte alle Hände voll zu tun, sich und 5 Kinder am Leben zu erhalten. Wie so oft hilft dann die Musik über schlechte Zeiten ein wenig hinweg. Durch Besuche bei seinem Vater in Kalifornien erweiterte sich der musikalische Horizont des jungen Paul Overstreet. Der wuchs zunächst ohne Anzeichen dafür heran, dass er einmal mit Musik seine Brötchen würde verdienen wollen und können. Erster Denkanstoss in diese Richtung, so erzählt Overstreet selbst es, war der Film „Your Cheatin‘ Heart“, in der George Hamilton die Rolle des Hank Williams spielte. Der Gedanke, dass man Lieder schreiben und singen konnte und damit sogar Geld verdienen, faszinierte und beschäftigte ihn fortan. Dennoch schloss Overstreet die Schulausbildung erst einmal ab und verdingte sich als Monteur in Waco, Texas, wo er bei einem älteren Bruder leben konnte. Als er dann noch ein Konzert von Johnny Rodriguez und Tanya Tucker besuchte und sogar mit der Sängerin sprechen konnte, stand sein Entschluss fest. In aller Freundschaft bedeutete er seinem darob nicht einmal verärgerten Arbeitgeber, er werde nach Nashville pilgern und dort sein Glück versuchen.

Viel zu packen gab es nicht. Den Ford Fairlane, Baujahr 1968, gab ihm sein Bruder, die Habseligkeiten fanden in einem Wäschebeutel Platz. Dazu eine Gitarre, zehn eigene Songs und Gottvertrauen, jede Menge Gottvertrauen! Soviel, dass er sich durch keine Widerwärtigkeit abschrecken ließ. Nashville hatte nun nicht auf ihn gewartet. Anfangs musste er gar im Auto schlafen und von der Hand in den Mund leben. In einer Heizungsfirma fand er einen schlecht bezahlten Job. 1973 war Paul Overstreet in Nashville angekommen, es sollte bis Mitte der 1980er Jahre dauern, ehe sich sein Traum erfüllte. Eine echte Herausforderubng, der er sich stellte und sie meisterte. Overstreet: „Ich hatte einfach diese Vision, ich glaubte an mein Talent, das Gott mir mitgegeben hatte. Vor allem glaubte ich daran, irgendwann eine Chance zu bekommen, egal welchen Umweg ich auch nehmen musste oder wie lange es dauern würde.“

Man war schon auf ihn aufmerksam geworden. Früh hatte er in Little Rock, Arkansas mal eine Platte aufgenommen, Anfang der 80er Jahre gab ihm RCA Victor einen Vertrag – der Erfolg blieb (noch) aus. Niemand hätte geglaubt, dass er ausgerechnet bei RCA dann als Sänger seine Hits landen würde. Und auf einmal startete er durch. George Jones sang sein „Same Ole Me“ zum Hit, unmittelbar danach verhalfen Songs von Overstreet auch Randy Travis zum absoluten Durchbruch. Paul Overstreet selbst tat sich mjit den Kollegen Thom Schuyler und Fred Knobloch zusammen. Als „S.K.O.“ tauchte das Trio für das MTM Label einige Male in den Charts auf. Das führte zur Rückkehr zu RCA, wo Overstreet 1987 als Solist endlich seine erhofften Hits feiern konnte.

Unterdessen hat er die Schränke voll mit Auszeichnungen aller Art, darunter auch Grammys und diverse Auszeichnungen für einen „Song des Jahres“. Doch auch ein so erfolgreicher Mann weiß, dass ein Höhenflug wie er ihn erlebte, nicht von Dauer sein kann. Realistisch wie er ist, stellte er sich darauf ein und war auf alles vorbereitet. Nachdem er als Sänger nicht mehr so gefragt war, sah er das Positive darin. So hatte er mehr Zeit für die Familie (Frau und 6 Kinder) und für andere, durchaus interessante Tätigkeiten in der Musik-Industrie. Paul Overstreet schreibt weiter seine Songs, anbiedern muss er die nicht, sein Autorenname taucht immer wieder in den Charts auf. Im Grunde ist er froh, dass es so gekommen ist, denn er wollte so wenig wie möglich von seiner Familie getrennt sein. Auf seiner Farm westlich von Nashville fühlt er sich ausgesprochen wohl und ist mit sich und der Welt zufrieden. Im eigenen kleinen Studio kann er manches Demo aufnehmen. Übrigens ist kaum bekannt, dass Overstreet als Produzent seine Meriten hat. Vor allem auf dem Gebiet der religiösen Musik. Suzie Luchsinger (Schwester von Reba McEntire), verdankt nicht zuletzt dem Produzenten Paul Overstreet ihre grossen Erfolge. Er selbst engagiert sich immer wieder für religiöse Projekte und reist für eine internationale Hilfsorganisation in Krisengebiete wie Nicaragua und Honduras, um vor Ort Berdürftige zu unterstützen.

1998 startete Overstreet mit Scarlet Moon Records sein eigenes Label. Damit kann er die Musik produzieren, die ihm am Herzen liegt. „Living By The Book“ heißt beispielsweise ein Album mit Christian Music. „A Songwriter’s Project“ ist Titel eines Albums, auf dem er ausschließlich eigene Songs präsentiert, darunter natürlich etliche seiner bekanntesten Songs in seiner eigenen Bearbeitung. Unterschiede sind unüberhörbar. Stück für Stück festigt sich die Erkenntnis, dass ein guter Song gar nicht schlecht klingen kann!

So gerne man auch die Stimme dieses Paul Overstreet singen hört, es macht genau soviel Laune, anderen Interpreten zu lauschen, wenn sie auf Overstreet zurückgreifen. Wie Blake Shelton, denn der stand mit „Some Beach“ im Dezember 2004 auf dem Spitzenplatz der Country Charts. Es wird sicher nicht die letzte No. 1 aus der Feder von Overstreet gewesen sein. Der seiner Philosophie weiter anhängt, die ihn zwar harte Zeiten hat erleben lassen, doch letztendlich auch an sein Lebensziel geführt hat. „Ich möchte nicht unbedingt darüber schreiben, sich zu verlieben. Lieber schreibe ich darüber, wie tief meine Verbindung zu meiner Frau und meinen Kindern ist. Ich möchte auch Poesie einfließen lassen und damit in die Herzen von Menschen gelangen, die mir zuhören.“ Das sagt ein Mann, der nahezu alles aufs Spiel gesetzt hat, was man verlieren kann: „Ich habe mich auf einem falschen Weg befunden und nahezu mein gesamtes Geld mit Frauen, Parties und Alkohol verprasst. Bis ich erkannte, Geld würde nicht mein Glück bedeuten. Auch Alkohol und Drogen würden es nicht sein. Mir fehlte einfach eine Perspektive, eine Konstante in meinem Leben. Die fand ich Mitte der 1980er Jahre in Gott. Er hat mein Leben umgekrempelt und seither bin ich ein zufriedener Mensch, der auch erfolgreich wurde.“ Möge er dies noch lange bleiben und uns an seinem von Gott gegebenen Talent weiter teilhaben lassen.

   

A Songwriter's Project
CD: „A Songwriter’s Project“
Erscheinungsdatum: 1999
Label: Scarlett
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Trackliste:

01. Same Ole Me
02. I Won’t Take Less Than Your Love
03. When You Say Nothing At All
04. Forever And Ever Amen
05. Long Line Of Love
06. Diggin‘ Up Bones
07. Be Mine
08. On The Other Hand
09. I Feel In Love Agagin Last Night
10. Toughest Battles
11. What Are Friends For
12. When Mama Ain’t Happy

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