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Gordon Lightfoot

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„Ich mag Country Music aber ich weiß, von mir gesungen ist sie nie so gut wie von vielen anderen Country Musikern. Ich habe meinen eigenen Stil.“ Das sagte mir Gordon Lightfoot schon vor mehr als 20 Jahren anlässlich eines Konzertes in Offenbach. Im Alter von 73 Jahren ist der am 17. November 1938 im kanadischen Orillia geborene Künstler immer noch unterwegs. Wenn auch vor allem aufgrund mehrerer ernsthafter Erkrankungen deutlich weniger als zu seiner Glanzzeit.

Außerhalb seines Heimatlandes hat er nie die Popularität erreicht, die ihm dort seit Jahrzehnten vergönnt ist. Lang ist es her – etwa um 1974 herum – als er mit „Sundown“ häufig hierzulande im Radio gespielt wurde. Wenn man ihn kennt, dann in erster Linie als Songschreiber. Dazu später mehr.

Gordon LightfootEr schätzt sich völlig richtig ein, denn seinen eigenen Stil hat er als Sänger wie als Songschreiber. Es ist nicht möglich, ihn in eine bestimmte Kategorie einzuordnen. Seine Songs schreibt er immer für sich selbst. Singt er sie auch selbst, bezeichnet man das häufig als Folk Music, heißen die Interpreten George Hamilton IV oder Dick Damron wird Country Music daraus und ist Anne Murray die Sängerin gilt das als Pop Music. Gordon Lightfoot steht als Beweis dafür wie absurd es eigentlich ist, einen Künstler in eine bestimmte Ecke pferchen zu wollen. Für einen Song spielt das ohnehin keine Rolle, ein Lied ändert sich nicht durch die Art der Interpretation. Entweder der Song ist gut oder nicht – Lightfoot jedenfalls hat sehr viele gute geschrieben.

Gordon Lightfoot ist ein Kind der Folk Revival Bewegung, die mit dem Abflauen des Rock’n’Roll-Fiebers etwa Ende der 1950er Jahre einsetzte. In verschiedenen Teilen Kanada’s und den nördlichen U.S.A. besann man sich wieder auf die Folk Tradition. Es waren insbesondere jüngere Künstler wie Lightfoot, die für die Wiederbelebung und Verbreitung dieser Musik sorgten.

In Orillia, einer Kleinstadt knapp 100 Meilen nördlich von Toronto in Ontario, wuchs Lightfoot in einem musikalischen Umfeld auf. Der Leiter des Kirchenchores habe ihn für den Gesang begeistert, sagt Lightfoot. Er sei es gewesen, der ihm Selbstvertrauen vermittelt und gezeigt habe, wie man seine Gefühle stimmlich ausdrücken kann. Deshalb habe er sich mit 12 getraut, vor Publikum auf einer Bühne aufzutreten. Er brachte sich bei Klavier, Percussion und Drums zu spielen und während der Zeit an der High School trat er bereits regelmäßig auf. Aber er schrieb auch erste Lieder, die er natürlich vor Publikum testete. Daneben war er damals ein recht erfolgreicher Leichtathlet.

1958 ging er nach Kalifornien, um am Westlake College of Music in Hollywood zu studieren. Seine Fächer: Orchestermusik und Jazz! Von seinen Songs konnte er noch nicht leben, deshalb arbeitete er als Produzent von Werbespots und spielte Piano in Bars. Vor allem befand er sich mitten in der Folk-Bewegung der Pete Seeger, Weavers und seiner Landsleute Ian & Sylvia (Tyson). In den zwei Jahren dort habe sich seine musikalische Karriere entschieden, erklärte er, da habe er für sich die Richtung gefunden, in die er dann gegangen sei. Zunächst aber kehrte er 1960 zurück nach Kanada und hat seither auch nie mehr länger im Ausland gewohnt. Rasch war er ein beliebter Künstler in der Music-Szene von Toronto, 1962 entstanden erste Plattenaufnahmen, die sich allerdings nur in seiner direkten Heimat einigermaßen verkauften. Er arbeitete zeitweise mit Ian & Sylvia zusammen. Ian Tyson erinnerte sich gut daran: „Na ja, ich war am Beginn von Gordon’s Karriere beteiligt. Ich brachte ihm bei, die Gitarre anders als auf die herkömmliche Art zu spielen. Wir arbeiteten viel zusammen, meist in Cafe’s und Folk Clubs. Gordon ist ein sehr einfühlsamer Mensch und seine Gefühle überträgt er direkt in seine Songs.“ Das Gitarrenspiel hat Gordon Lightfoot in der Tat gelernt, bei all seinen Plattenaufnahmen und natürlich auf der Bühne spielt er dieses Instrument selbst.

Seine Karriere nahm in den Jahren 1963/64 richtig Fahrt auf. Etwa ein Jahr lang war er Gastgeber der TV Show „The Country & Western Show“ der BBC. Als Songschreiber machte er mehr von sich reden denn als Sänger. Ian & Sylvia sangen seine zu Klassikern gewordenen Songs „Early Morning Rain“ (siehe auch die Kategorie „Story zum Song“) und „For Lovin‘ Me“ und machten den Namen Lightfoot in Insider-Kreisen publik. Wie viele andere seiner Songs sind gerade diese beiden immer wieder von anderen Künstlern aufgenommen worden incl. Elvis Presley. Auch „Remember Me“ ist längst ein Klassiker geworden.

Was Lightfoot noch brauchte, war ein eigener Hit als Sänger. Noch aber suchte er seinen Stil, unsicher, welche Richtung sein Weg nehmen sollte. Er war sich ziemlich sicher, dass es mit seiner eigenen Stimme und seinen Vorstellungen schwer werden würde (siehe sein Zitat zu Beginn). Deshalb hoffte er, dass es dem Sänger Gordon Lightfoot leichter fallen werde wenn der Songschreiber Gordon Lightfoot sich einen Namen gemacht hätte. Nicht von ungefähr stammen etliche seiner besten Songs gerade aus dieser Phase, denn er konzentrierte sich fast ganz aufs Schreiben. Und sein Gefühl sollte ihn nicht trügen. Bis nach Nashville war es von Toronto aus nicht so weit, es sprach sich rasch bis dort herum, welch grandiose Songs der Kanadier anzubieten hatte. Dankbar griffen sie zu. Einige Beispiele: „Ribbon Of Darkness“ wurde ein Hit für Marty Robbins und Connie Smith, „Early Morning Rain“ u.a. mit George Hamilton IV, Kingston Trio, Mac Wiseman, Stars wie Johnny Cash, Wylon Jennings, the Carter Family, Leroy van Dyke, Judy Collins, Richie Havens usw. wurden Lightfoot’s Kunden.

Dabei machte er auch beim Schreiben keine Kompromisse. Seine Songs waren nicht leicht zu verstehen und galten deshalb als nicht kommerziell genug. Er war sich darüber klar, dass er sich durchbeißen musste und darauf vertrauen, dass sich die Qualität seiner Songs durchsetzen würde. Außerhalb Kanada’s erkannte George Hamilton IV als einer der Ersten das Potenzial Lightfoot‘. Kein anderer Country-Star hat im Laufe seiner Karriere so viele Lightfoot Songs aufgenommen wie Hamilton, der immer schon eine besondere Beziehung zu den nördlichen Nachbarn hat. Wir haben uns oft darüber unterhalten und so sagte er mir schon Anfang der 70er Jahre u.a. „Gordon in Kanada und John D. Loudermilk bei uns haben einen Weg gefunden, Folk Tradition und Country Music in idealer Weise miteinander zu verbinden. Ich glaube, hier liegt ein Teil der Zukunft für unsere Musik.“ Und Ian Tyson meinte über „Early Morning Rain“: „Das Lied handelt von Montage-Arbeitern im Norden Kanadas. Dort kann man in kurzer Zeit viel Geld verdienen, allerdings fehlen die Annehmlichkeiten der Stadt. Mit jedem Flugzeug, das von der Rollbahn abhebt, wächst die Sehnsucht zurück in die Stadt. In dieser Gemütsverfassung beginnt man oft mit dem Glücksspiel und verliert sein ganzes Geld. Davon handelt dieses Lied. Gordon hat das Geschehen sehr genau beobachtet und gibt es ebenso zutreffend wie lebensnah wieder.“

1965 ging es für den Sänger Gordon Lightfoot einen Schritt voran als er einen Vertrag bei United Artists bekam. Zwar stellten sich noch keine Hits ein aber dank eigener Versionen von Songs wie „I’m Not Sayin'“ holte man ihn zunehmend zu Live Gigs wie beim Newport Folk Festival, in die Town Hall von New York oder TV-Shows wie The Tonight Show. Die Wiederveröffentlichung seines kanadischen Albums „Lightfoot“ brachte ihm gesteigerte internationale Aufmerksamkeit auch ohne einen Hit in den Charts.

Gordon Lightfoot war nun nicht mehr aufzuhalten. Mehrmals kam er in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren nach Europa auf Tournee. Und das fast allein aufgrund der Klasse seiner Songs und der speziellen Art wie er diese mit seiner warmen, unaufgeregten Stimme vortrug. Einige Songs müssen in diesem Zusammenhang erwähnt werden: „Canadian Railroad Trilogy“ (eine der wenigen Auftrags-Arbeiten, die Lightfoot gemacht hat), „Cotton Jenny“, „Did She Mention My Name“, „Redwood Hill“, „Ten Degrees And Gettin‘ Colder“, „Carefree Highway“, „Alberta Bound“.

Und dann ist da noch „If You Could Read My Mind“. Dafür gab es allein in den U.S.A. eine Goldene. 1972 wurde dieses Lied in Deutschland der Sommerhit schlechthin, nachdem es in der bärenstarken Instrumental-Version der schwedischen Gruppe The Spotnicks während der Olympischen Spiele in München bis zum tragischen Attentat als Untermalung für ein TV Feature gedient hatte. Lightfoot’s eigene Aufnahme hingegen blieb hier leider weitgehend unbeachtet.

Die 1970er Jahre über erschienen mehr als ein halbes Dutzend hochkarätiger Lightfoot Alben, eines ungewöhnlicher als das andere und keines davon wie das andere. Noch dazu überwiegend mit eigenen Songs. „Summer Side Of Life“, „Don Quixote“, „Old Dan’s Records“, „Sundown“, „Cold On The Shoulder“, „Gord’s Gold Vol. 1“, „Summertime Dream” und „Endless Wire” legen Zeugnis ab für die überragende Klasse eines Songschreibers und Sängers. In diese Zeit fällt aber auch ein erster herber gesundheitlicher Rückschlag. Eine Erkrankung an „Bell’s Pulsy“ führte dazu, dass eine Gesichtshälfte längere Zeit gelähmt blieb. Bereits geplante Konzerte mussten abgesagt werden, derweil sich seine Platten dessen ungeachtet zu Hits entwickelten. Heraus ragt dabei vor allem „Sundown“, das 1974 in den USA bis auf Nr. 13 in den Country-Charts kletterte, Platz 1 der Pop-Charts erreichte und auch in Deutschland ein echter Hit wurde. „Carefree Highway“ vom gleichen Album entwickelte sich ebenfalls zum Hit, wenn auch nicht vom Kaliber eines „Sundown“.

Besonderes Geschick bewies Lightfoot für ebenso ausgefallende wie ausgefeilte Balladen über reale Ereignisse. Beispiele hierfür sind „Ballad Of The Yarmouth Castle“ und „The Wreck Of The Edmund Fitzgerald“. Gordon Lightfoot als vielseitig interessierter Mensch meinte dazu: „Viele meiner Lieder haben ihren Ursprung in dem, was ich selbst erlebt oder beobachtet habe. Nicht immer kommen die Ideen dabei spontan, manchmal fallen mir Jahre später Dinge ein, die ich erlebt habe und erst dann wird ein Song daraus. Ich will ja nicht davon reden, wie viele Entwürfe im Papierkorb landen. Und dann kommen mir Ideen auch beim Lesen, entweder eines Zeitungsartikels oder eines Buches. Das kannst du nicht planen. Wichtig ist es, zum richtigen Zeitpunkt zu erkennen, woraus man einen Song basteln kann.“

In den 80ern und 90ern setzte Lightfoot seine Serie großartiger Alben fort, die immer noch zu denen gehören, die ich mit schöner Regelmäßigkeit abspiele: „Dream Street Rose“, „Shadows“, „Salute“, „East Of Midnight“, „Gord’s Gold Vol. 2“, „Waiting For You“, „A Painter Passing Through“.

Im Laufe dieser Jahre sind durchaus Veränderungen festzustellen. Zeitweise wich Lightfoot von seinem akustischen Konzept ab hin zu einem angepassten, kommerzielleren Sound, ehe er mit „Waiting For You“ deutlich zu seinen Wurzeln zurückkehrte und bis heute dort blieb. Nennenswerte Single Hits gab es für ihn nicht mehr – es dürfte nicht verkehrt sein zu behaupten, darauf hat er es auch nicht mehr angelegt. Ein Künstler seiner Klasse muss Niemandem mehr etwas beweisen. Das Alter, das er zu Beginn des neuen Jahrtausends erreichte hatte, sollte es ihm ermöglichen, ohne Zwänge und ohne Druck aber mit allen künstlerischen Freiheiten Musik zu machen.

Ein neues Album war für 2002 in der Planung, Lightfoot hatte auch bereits reichlich Songs dafür geschrieben, selbst im Studio waren schon alle Vorbereitungen getroffen – da schlug das Schicksal erneut zu. Diesmal warf ihn eine schwere Magen- und Darmerkrankung völlig aus der Bahn. Sechs Wochen im Koma. Insgesamt 5 Operationen musste Lightfoot überstehen. Fast das ganze Jahr 2003 diente der Rekonvaleszenz. Zu Jahresende unterschrieb er einen Vertrag bei Linus Records und begann damit, seine weitere Karriere zu planen. Jetzt erwies es sich als vorteilhaft, dass bereits vor seiner Erkrankung Vieles erledigt worden war. Im Mai 2004 erschien dann mit „Harmony“ nach mehreren Jahren ein neues Lightfoot-Album.

Nach einigen wenigen Tests konnte er im November 2004 das erste komplette Konzert geben, Schauplatz war Hamilton in Ontario. Beide Benefiz-Konzerte ausverkauft. Das Jahr 2005 sah ihn wieder sehr viel aktiver, ohne dass er allerdings sein früheres Show-Pensum wieder aufnehmen wollte und konnte. Sein Körper, auf den er zu hören gelernt hat, signalisierte ihm deutlich die Grenzen. Im Spätsommer 2006 erlitt er einen milden Schlaganfall, der dazu führte, dass er zwei Finger der rechten Hand zeitweise nicht mehr bewegen konnte. Gott sei Dank heilte diese Behinderung innerhalb eines halben Jahres voll aus. Das erlaubt es ihm, bis in die Gegenwart hinein weiter in wohl dosierter Anzahl Konzerte zu geben. Der begnadete und von der gesamten Musikindustrie sowie seinen zahlreichen Fans weltweit bewunderte Künstler ist also weiter aktiv, auch als Songschreiber.

Abschließend soll Gordon Lightfoot noch einmal zu Wort kommen mit interessanten Informationen zu einem seiner bekanntesten Songs: „If You Could Read My Mind“. Vorab sei gesagt, dass er zwei Mal verheiratet war. Das Scheitern führt er zu einem großen Teil auf seinen Beruf zurück, denn wenn man dauernd von der Ehefrau getrennt sei und dann ständig mit anderen Frauen konfrontiert wird, ergebe sich ein schwacher Moment automatisch. Lightfoot zu dem genannten Song: „Das ist schon eine Anspielung auf die gescheiterte Ehe. Darin geht es auch um Selbstzweifel, um das Nicht-Verstehen des Partners, wenn es trotz aller Bemühungen beider Seiten nicht mehr klappt. Meine Tochter Ingrid ist für eine leichte Änderung gegenüber dem Original verantwortlich. Der Satz (in deutscher Übersetzung) „Ich versuche nur zu verstehen, welche Gefühle dir fehlen“ wurde geändert in „Ich versuche nur zu verstehen, welche Gefühle uns fehlen“. Das trifft die Sache sehr viel besser. Ich bin meiner Tochter sehr dankbar für diese Anregung. Wenn man Lieder schreibt, die persönliches Erleben und persönliche Gefühle betreffen, fehlt es bisweilen am nötigen Abstand. Man muss versuchen, die Sache auch aus einem anderen Winkel zu betrachten.“

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