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Brenda Lee

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Am 11. Dezember wird sie „erst“ 67 Jahre alt – wie lange ist sie eigentlich schon dabei im großen Show Business? Nimmt man den ersten Plattenvertrag als Maßstab, dann sind es satte 55 Jahre, öffentlich aufgetreten war sie aber schon einige Jahre früher. „Little Miss Dynamite“ hat man sie sehr bald getauft, sie, die geboren wurde, um Musikgeschichte zu schreiben.

In Atlanta, Georgia, stand die Wiege bereit als Brenda Mae Tarpley dort am 11. Dezember 1944 das Licht dieser Welt erblickte. Mit zu der Zeit drei Kindern lebte die Familie Tarpley buchstäblich von der Hand in den Mund, man war ständig auf der Suche nach Arbeit und zog daher immer wieder um. Meist gab es in den Unterkünften nicht einmal fließendes Wasser, einziger Luxus war ein kleines Radio, an dem Brenda Tarpley viel Zeit verbrachte, um Musik zu hören.

Brenda LeeMit drei Jahren bereits sang sie vor Kunden in einem kleinen Laden. Mit 6 Jahren gewann sie einen Talentwettbewerb und war danach ein Jahr in der Radiosendung „Starmakers Revue“ zu hören. Sie erinnert sich: „Der Sponsor war eine Firma für Eiscreme, Geld wurde nicht gezahlt aber ich durfte so viel Eis essen wie ich wollte!“

Nachdem der Vater 1953 starb, sorgte Brenda Tarpley nahezu allein für den Familienunterhalt, denn sie sang bei lokalen Radio- und Fernsehsendungen gegen Entgelt. Die Mutterheiratete 1955 wieder, Jay Rainwater wurde Brenda’s Stiefvater, die Familie ging nach Cincinnati, wo ihr Stiefvater im Music Center von Jimmie Skinner arbeitete. So erhielt Brenda Tarpley die Gelegenheit, mit Skinner dort aufzutreten. Nach Rückkehr der Familie nach Georgia, trat sie bei einem Sender in Swainsboro auf. 1955 gastierte Red Foley mit seinem „Ozark Jubilee“ in Augusta. Ein DJ überredete ihn, sich dieses Kind anzuhören. Er kam aus dem Staunen nicht raus, baute sie in die Show ein und erlebte einen magischen Augenblick. Das Publikum brach in Begeisterungsstürme aus. Foley verpflichtete die Zehnjährige vom Fleck weg für seine Show.

Wenige Monate später, genau am 21. Mai 1956, nahm Paul Cohen sie für Decca unter Vertrag und produzierte mit ihr unter dem Namen Brenda Lee die erste Single „Jambalaya“/Bigelow 6-200“. Die zweite Single sollte eine Weihnachtsscheibe werden: „I’m Gonna Lasso Santa Claus“. Mit Christmas Songs würde Brenda Lee sehr erfolgreich sein. Hier und jetzt schummelte man, wie es in der Branche durchaus üblich war. Die Sängerin hatte das „reife Alter“ von 12 Jahren, wurde aber als 9-jährige „Little Brenda Lee“ verkauft. Noch blieben die Erfolge aus, das änderte sich mit der nächsten Single. „One Step At A Time“ rutschte in den Billboard Charts in die Top Fifty und im Country-Bereich auf Nr. 15. Danach folgte „Dynamite”, eine Single, die kein wirklicher Hit wurde, ihr aber den Beinamen „Little Miss Dynamite” einbrachte.

Interessant wird nun die Strategie ihres Managements. Man wollte Brenda Lee nicht als Countrysängerin verkaufen sondern sie in der Pop Music etablieren, obwohl ihre Aufnahmen weiter in Nashville entstanden und den damals üblichen Country Sound beibehielten. Zwar trat sie 1957 noch in der Grand Ole Opry auf (übrigens in einer Show mit Elvis Presley) und ab 1958 wurde Owen Bradley ihr Produzent, doch in den Country Charts blieb Lee 12 Jahre unberücksichtigt. Die Strategie ging auf. Nach und nach etablierte sich die kleine Sängerin als Pop Star. Mit Singles wie „Ring-A-My-Phone“ und vor allem „Sweet Nothin’s“. Diese Scheibe kletterte in den USA und England auf Platz 4 der Pop Charts und wurde auch in Deutschland ihr erster Hit.

1960 dann jener Song, der zu ihrem Markenzeichen werden sollte. Er verkaufte sich weit über 1 Million mal und entwickelte sich zu einem Welthit: „I’m Sorry“. Neben „Gold“ gab es dafür auch die erste Grammy-Nominierung. Brenda Lee gehörte nun endgültig zu den Weltstars. Ihr gelangen weitere Hits wie „I Want To Be Wanted“, „All Alone Am I“, „Emotions”, „Dum Dum”, „Break It To Me Gently” oder „Everybody Loves Me But You”. Ihre Konzerte waren ausverkauft, egal ob in U.S.A. und Kanada oder in England, Frankreich, Deutschland, Südafrika und Japan. Brenda Lee machte Aufnahmen in verschiedenen Sprachen, u.a. auch in Deutsch. „Ich will immer auf dich warten“ und „Wiederseh’n ist wunderschön“ seien hier nur erwähnt.

Der kommerziell erfolgreichste Song von Brenda Lee’s Karriere wurde ein Christmas-Song: „Rockin‘ Around The Christmas Tree“ wird bis in die Gegenwart in der Vorweihnachtsweit weltweit immer noch rauf und runter gespielt. Ursprünglich entstand die Aufnahme 1958 und wird neben dem Gesang geprägt von Hank Garland’s meisterhaft gespielter knackiger E-Gitarre. Die Erstveröffentlichung blieb weitgehend unbeachtet, doch die Wiederveröffentlichung 1959 lief viel besser. Bis dato dürfte sich „Rockin‘ Around The Christmas Tree“ weit über 5 Millionen mal verkauft haben. Erwähnenswert zumindest ist die Tatsache, dass im Vorprogramm einer ihrer Tourneen durch England in den frühen 1960er Jahren niemand anders als die Beatles spielten.

Anfang der 1970er Jahre war die große Zeit der Pop-Sängerin Brenda Lee vorbei, jüngere Sängerinnen liefen ihr den Rang ab. Aber da war ja noch ihre Country-Herkunft. Auch wenn das Management mehr als ein Jahrzehnt den „Country-Anstrich“ vermieden hatte, ihre Fans hielten Brenda Lee die Stange. Zudem hatte sich die Country Music mit dem Nashville Sound der Pop Music gegenüber geöffnet und war dabei, sich zu einem Multi-Million Dollar Business zu entwickeln. Mit dabei nun auch Brenda Lee. 1973 erschien sie erstmals in den Top Five der Country Charts mit Kristofferson’s „Nobody Wins“. Bis 1975 hielt sie sich dort mit Aufnahmen wie „Sunday Sunrise“, „Wrong Ideas“, „Big Four Poster Bed“, „Rock On Baby“ und „He’s My Rock“. Es folgten zwei schwächere Jahre, ehe sie 1979 und 1980 noch einmal die Top Ten schaffte mit „Tell Me What It’s Like“, „The Cowgirl And The Dandy“ sowie „Broken Trust“. Bis 1985 aber blieb sie noch ständig in den Charts vertreten. Danach konzentrierte sie sich zunehmend auf Konzerte und gelegentliche Plattenaufnahmen, die aber nicht mehr für die Charts gedacht waren.

1995 tauchte ihr „Rockin‘ Around The Christmas Tree“ sogar noch mal auf Platz 62 der Country Charts auf! Immer wieder holen sie Künstler ganz verschiedener Richtungen als Gast für ihre Aufnahmen. Brenda Lee ist bei besonderen Anlässen eine gern gesehene Mitwirkende, sei es bei Galas, bei Festlichkeiten, Wohltätigkeitsveranstaltungen u.s.w. – unter dem Titel „Little Miss Dynamite“ veröffentlichte Brenda Lee ihre Autobiografie.

Die private Brenda Lee kann auf ein durchweg glückliches Leben zurück schauen. Ihren Ehemann Ronnie Shacklett lernte sie bei einem Jackie Wilson Konzert im Fairgrounds Coliseum in Nashville kennen, seit dem 24. April 1963 sind sie verheiratet. Sie haben zwei Töchter (Julie und Jolie) und zwei Enkel. Die Enkel wurden kurioserweise am gleichen Tag geboren, am 12. November – eines 1988, das andere 1996!

Brenda Lee tritt zwar als Künstlerin inzwischen deutlich kürzer aber aufs Altenteil setzen will sie sich noch nicht. Immer wieder kann man sie in der Grand Ole Opry mal „erwischen“, wo sie sich einfach heimisch fühlt. Quirlig geblieben ist „Miss Dynamite“ und mit einem schelmischen Lächeln bekennt sie gern: „Es kribbelt immer noch in mir, ganz ohne die Bühne leben kann ich wohl doch (noch) nicht!“ Hoffentlich bleibt das auch noch eine Weile so.

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