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Johnny Bush

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Eigentlich war er bereits mehrere Male weg vom Fenster, schien seine Karriere beendet. Doch der am 17. Februar 1935 als John Bush Shinn III in Houston geborene Texaner ist ein Kämpfer. Das Wort aufgeben kennt er nicht. Doch der Reihe nach.

Aufgewachsen ist er mit der Musik der Ernest Tubb, Hank Thompson und vor allem des Bob Wills und dem Western Swing. Früh stand für ihn fest, er würde in die Musik gehen. 17 war Bush als er sich nach San Antonio aufmachte und die Welt der Honky Tonks, des Alkohols und der Frauen kennenlernte. Nicht nur wegen seiner ungewöhnlichen Stimme fiel er auf, er war zudem ein guter Drummer geworden. In verschiedenen Bands sammelte Johnny Bush jede Menge Erfahrung im Live Music Geschäft.

Johnny Bush1963 holte ihn Ray Price in seine Band, auch ein gewisser Willie Nelson war dabei. The Cherokee Cowboys galten viele Jahre lang als die beste Band in der Country Music. Sein weiterer Weg führte ihn nach Nashville, denn inzwischen schrieb Bush eigene Songs. Sein Kumpel Willie Nelson brauchte ihn für seine Band „The Record Men“ – die enge Freundschaft der Beiden hat bis heute Bestand.

Nelson produzierte Johnny Bush’s erstes Album „Sound Of A Heartache“ im Jahre 1967. Mit Nelson’s „You Ought To Hear Me Cry“ feierte er im gleichen Jahr Premiere in den Country Charts. Bush schnupperte wiederholt am großen Durchbruch, vor allem als er mit „You Gave Me A Mountain“ immerhin Platz 7 erreichte (es sollte seine höchste Notierung bleiben), doch der Knoten platzte nicht. Vor allem in Texas war er sehr populär, den großen Rest der Nation konnte er nicht überzeugen. Das, so hoffte Bush, sollte sich ab 1972 ändern, denn er hatte bei RCA unterschrieben.

Sein eigener Song „Whiskey River“ (wurde wenig später Nelson’s Theme Song) entwickelte sich prächtig, jede Menge Konzerte standen an als das Schicksal zuschlug. Bush: „Ich bekam richtig Angst, denn meine Stimme veränderte sich dramatisch, es war als ob meine Kehle zugeschnürt wurde, ich bekam nur noch schwer Töne heraus.“

Johnny Bush hatte man den Beinamen „Country Caruso“ gegeben wegen des enormen Umfangs seiner Stimme – mit einem Schlag war ein beträchtlicher Teil dieser Stimme weg. Bisweilen konnte er gar nicht mehr sprechen. Und Niemand kannte den Grund. Zwar versuchte es Bush weiter, doch 1974 war seine Zeit bei RCA beendet. Zeitweise wurde Bush von Valium abhängig, auch der Alkohol tat ihm nicht gut. Eine Odyssee zu Ärzten begann, es dauerte bis 1978, ehe man die Ursache feststellen konnte. Ein Mittel dagegen gab es nicht, Bush versuchte es mit Sprachtraining. Immerhin erleichtert, dass er nun wusste, woran er war, machte er sporadisch neue Platten bei verschiedenen Firmen und vor allem trat er weiter auf. Aber er wurde immer wieder von heftigem Lampenfieber geplagt, ob es gut gehen würde – ein Gefühl, das er vorher nie gekannt hatte.

Die Medizin entwickelte sich weiter und so gelang es 1985 mit Hilfe eines Therapeuten, Stimme und Sprache deutlich zu verbessern. Damit kehrte neuer Enthusiasmus bei Bush ein, er konnte einen neuen Abschnitt seiner Karriere einleiten. Mit dem 1994er Album „Time Changes Everything“, das er in Nelson’s Pedernales Studio aufnahm, leitete er eine überaus aktive Phase ein, denn bis 2002 entstanden eine Reihe weiterer Alben. 2002 trat das ein, womit er nicht mehr gerechnet hatte. Bush: „Es gab eine neue Medizin: Botox. Die Injektionen führten dazu, dass meine Stimme fast vollständig wiederhergestellt wurde. Das war für mich wie ein Wunder.“

Seitdem wird Johnny Bush vor allem von seinen texanischen Kollegen wie ein Mentor gefeiert. Er veröffentlicht regelmäßig eigene Alben und wird ständig von anderen Künstlern als Gast für deren Aufnahmen geholt. Den letzten Beweis, dass Johnny Bush wieder zu alter Stärke gefunden hat, lieferte er 2007 mit dem prächtigen Album „Kashmere Garden Mud: A Tribute To Houston’s Country Soul“. In Deutschland ist Bush übrigens wiederholt aufgetreten, nicht zuletzt dank der Bemühungen seines langjährigen engen Freundes Hermann Lammers Meyer. Auf dessen Alben ist Bush regelmäßig als Gast zu hören.

Johnny Bush’s aktuelles Album trägt den Titel „Who’ll Buy My Memories“ und wurde im August 2011 auf dem rührigen Indie-Label Heart of Texas Records veröffentlicht. Es enthält 16 Klassiker der Honky Tonk Music, darunter „Pop A Top“ mit Jim Ed Brown als Duett-Partner. Beim gleichen Label erschien unterdessen auch ein gemeinsames Album mit Johnny Rodriguez.

Trotz seiner 76 Jahre denkt Bush gar nicht ans Aufhören. Stattdessen schmunzelt er: „Wovon soll ich mich zurückziehen? Vom Atmen? Man gibt einen Job nur auf, wenn man ihn nicht mag. Auftritte sind kein Job, sie sind das, was ich liebe. Wenn ich mit Gottes Hilfe meine Stimme zurückbekommen habe, muss ich mit ihr das machen, wozu sie da ist: singen.“

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