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Kitty Wells im Alter von 92 Jahren gestorben

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Die Nachricht kam doch unerwartet, am 16. Juli starb Kitty Wells in ihrem Heim in Madison bei Nashville, Tennessee, an den Folgen eines Schlaganfalles, den sie kurz zuvor erlitten hatte. Die Country Music-Welt trauert um eine der letzten weiblichen Ikonen und eine Sympathieträgerin.

Die „Queen of Country Music“, wie sie seit Jahrzehnten liebevoll genannt wurde, hatte mit ihrem Erfolg und ihrer Persönlichkeit den Weg bereitet für all die Generationen der ihr folgenden Sängerinnen. Ihr war es gelungen, im Verlauf einer glanzvollen Karriere ohne jeglichen Skandal auszukommen.

Kitty WellsAm 30. August 1919 als Muriel Ellen Deason in Nashville geboren, hatte sie früh mit dem Gesang begonnen. 1936 erlebte sie im Duett mit ihrer Cousine Bessie Choate als The Deason Sisters ihr Debüt im Radio beim neuen Senders WSIX in Nashville, das damals noch nicht das Country-Mekka war, zu dem es bald auch dank Kitty Wells werden würde.

1938 heiratete sie ihren Tennessee-Landsmann und Kollegen Johnny Wright (gestorben am 27.9.2011), in dessen Show sie bis zur Geburt des ersten Kindes auftrat. Später kehrte sie auf die Bühne zurück und war mit dem Duo Johnny & Jack (Johnny Wright und Jack Anglin) unterwegs. Auch in der Grand Ole Opry, wo sie zu den gefeierten Stars gehörten, Muriel Deason (wie sie damals noch hieß) hielt sich dabei meist im Hintergrund. 1949 entstanden ihre ersten Solo-Plattenaufnahmen für RCA, die man getrost als Flops bezeichnen kann. Ihre große Stunde schlug 1952. Hank Thompson feierte mit „Wild Side Of Life“ einen Riesen-Hit. Eine Antwort aus Sicht der Frau hatte Songschreiber J.D. Miller verfasst mit dem Titel „It Wasn’t God Who Made Honky Tonk Angels“.

Den nahm sie auf und über Nacht wurde aus Kitty Wells, wie sie sich inzwischen nannte, ein Liebling der Nation. Dazu sagte sie: „Ich hatte an eine Gesangskarriere nicht mehr geglaubt, vielmehr wollte ich mich ganz zurückziehen und um die Familie kümmern. Mein Mann war ja solo und im Duett mit Jack Anglin sehr erfolgreich. Für mich war das nur ein weiterer Song, nichts Besonderes und schon gar nicht wollte ich zum Sprachrohr der Frauenbewegung werden. Ich habe das Lied aufgenommen, weil es dafür den gewerkschaftlich festgesetzten Lohn von 125 Dollar gab.“

Sechs Wochen setzte sich „Honky Tonk Angels“ auf Platz 1 fest. Die bescheidene, eher bieder wirkende Sängerin, die auch in ihrem Erscheinungsbild das Gegenteil eines „Honky Tonk Angels“ war, baute auf diesem Hit eine bemerkenswerte Karriere auf. An die 100 Singles brachte sie in die Billboard Charts, davon erreichten deutlich mehr als 30 die Top Ten. Ihr Stellenwert lässt sich aber nicht in erster Linie an Verkaufszahlen und Chart-Platzierungen ablesen sondern an der wahnsinnigen Beliebtheit bei den Menschen. Über Jahrzehnte hinweg blieb sie mit einer einzigartigen „Family Show“ unterwegs, weltweit brachte man ihr liebevoll Verehrung entgegen. Sie hat sich nie verändert. Als ich sie 1968 zum ersten Mal in einem NCO Club in der Eifel zum Interview traf, war ich von ihrer Natürlichkeit und Bescheidenheit ebenso beeindruckt wie es bei weiteren Begegnungen im Laufe der Jahre der Fall blieb.

Auch in der sonst nicht zimperlichen Musikindustrie von Nashville genoss Kitty Wells zeitlebens großen Respekt und alle Anerkennung. Immer wieder hoben prominente Kolleginnen von Loretta Lynn über Dolly Parton bis zu Shania Twain hervor, dass Kitty Wells Entscheidendes für Sängerinnen geleistet und den Weg für ihre Nachfolgerinnen geebnet hatte. Man muss sich in Erinnerung rufen, dass seinerzeit ein Radio-Imperium wie NBC Honky Tonk Angels zunächst boykottiert und nicht gespielt hatte. Auch die Grand Ole Opry tutete in das gleiche Horn, weil der Inhalt des Liedes zu eindeutig und unmoralisch sei. Erst als der Song gleichwohl immer beliebter wurde, gaben sowohl NBC als auch die Opry klein bei.

Kitty Wells hat um ihre Person nie viel Aufhebens gemacht, sie genoss die Zuneigung der Menschen auf die ihr eigene, stille, in sich gekehrte Art und konnte sich sicher sein, nicht viel in ihrem Leben, das sie privat wie beruflich mehr als 70 Jahre mit Johnny Wright geteilt hat, falsch gemacht zu haben.

Die Trauerfeierlichkeiten für Kitty Wells finden am 20. Juli um 13.00 Uhr in der Church of Christ in Hendersonville statt. Anschließend wird sie auf dem Spring Hill Friedhof ihre letzte Ruhestätte finden.

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