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Red Sovine

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Er gilt als der Vater und Großmeister der so genannten „Recitations“. Darunter ist Sprechgesang zu verstehen. Es handelt sich um Lieder, die nahezu ausschließlich vom Text und dem Vortrag leben, dabei dezent mit Musik unterlegt werden, Der Grat, den der Künstler dabei geht, ist ein sehr schmaler zwischen Kunst und Kitsch.

Es gehört ausgesprochenes Talent dazu, Recitations überzeugend vorzutragen. Und damit war Red Sovine reichlich gesegnet. Es ist auch mehr als drei Jahrzehnte später noch ein Gänsehaut-Feeling sich daran zu erinnern, wie Red Sovine in den eigentlich lauten NCO Clubs Stücke vortrug wie „Phantom 309“, „Giddyup Go“, „Little Rosa“ oder „Teddy Bear“. Richtig, das ist jenes Lied, das Jonny Hill in deutscher Sprache als „Ruf Teddybär eins-vier“ seinen größten Hit einbrachte. Er versteht sich auf dieses Metier ebenso gut wie ein Hermann Lammers Meyer.

Red SovineDer als Woodrow Wilson Sovine am 17. Juli 1918 in Charleston, West Virginia geborene Red Sovine verstand sich auch auf „normalen“ Gesang blendend. Früh an Musik interessiert tat er sich mit Schulfreund Johnnie Bailes zusammen, gemeinsam traten sie als The Singing Sailors“ u.a. in Wheeling im Radio auf. Bailes ging mit seinem Bruder eigene Wege, sie wurden als The Bailes Brothers erfolgreich.

Red Sovine, der unterdessen verheiratet war, blieb als Solist beim Radio, arbeitete tagsüber in einer Strumpffabrik und startete mit The Echo Valley Boys eine eigene Band. Dann folgte er den Bailes Brothers zum Louisiana Hayride nach Shreveport, wo er Hank Williams kennenlernte. Der wiederum verhalf ihm 1949 zu einem Vertrag mit MGM Records. Beim Hayride zwar ein Publikumsliebling, blieben seine Platten unbeachtet. Als Webb Pierce zum Hayride stieß und Sovine in seine Band holte, lotste er ihn zu Decca Records.

Erster kleinerer Hit wurde 1955 „Are You Mine“ im Duett mit Goldie Hill. Im gleichen Jahr sprang Sovine im Duett mit Pierce und „Why Baby Why“ ganz nach oben. Ein weiteres Duett „Little Rosa“ ebenfalls mit Pierce landete auf Nr. 5.

Doch so recht hatte man Red Sovine als Solisten noch nicht wahrgenommen, auch wenn er Mitglied der Grand Ole Opry geworden war. Das änderte sich langsam als er 1959 bei Starday unterschrieb und als Solist vor allem durch die Club-Szene tourte. Dabei lernte er einen völlig unbekannten Charley Pride kennen, den er überredete, nach Nashville zu kommen, wo ihn dank u.a. Sovine’s Fürsprache Chet Atkins unter Vertrag nahm.

Für Sovine selbst dauerte es bis 1965 als er das von ihm und Tommy Hill verfasste „Phantom 309“ aufnahm und damit unfassbare 6 Wochen Platz 1 blockierte. Die Story passte haargenau in die Kategorie der populär gewordenen Trucker Songs. In dieser Sparte feierte Sovine fortan seine Erfolge. Und tatsächlich, 1976 gelang ihm eine weitere Nr. 1 mit dem bereits erwähnten „Teddy Bear“ (Jonny Hills Version ist eine nahezu identische Übersetzung ins Deutsche).

Danach folgten noch etliche kleinere Hits wie „Little Joe“, eine weitere Recitation. Red Sovine blieb weiterhin unermüdlich on Tour und fand sein Publikum auch in Europa.

Am 4. April 1980 erlitt er in Nashville im Auto einen Herzinfarkt. An den Folgen sowohl des Infarktes als auch des Unfalls starb Red Sovine noch am gleichen Tag. Kein anderer Sänger hat es danach geschafft, mit Recitations so erfolgreich zu sein, wie der unnachahmliche Red Sovine.

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