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Bobby Helms

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Als ich ihn das letzte Mal live erlebte, kam er mir vor wie ein unverwüstlicher Oldtimer. Mit der schwarzen Augenklappe, die eine Art Markenzeichen geworden war, trat er in Branson, Missouri auf. Im gleichen Programm mit Dick Curless, der ebenfalls eine Augenklappte tragen musste. Bobby Helms, von dem hier die Rede ist, lebte damals in den frühen 1990er Jahren schon nur noch von den Hits vergangener Tage, die aber hielten ihn weiter im Geschäft.

Robert Lee Helms stammte aus Bloomington, Indiana, wo er am 15. August 1933 auf die Welt kam. Musik stand hoch im Kurs bei der Familie Helms, so wuchs auch Bobby Helms ganz natürlich dort hinein. In seinem Bruder Freddie fand er einen frühen Verbündeten, im Duo lernte man das „Handwerk“ leichter.

Bobby HelmsEin lokaler Radiosender bot dem damals 13Jährigen den Einstieg als Solist, noch als Teenager bekam er die Gelegenheit, in der Grand Ole Opry ein wenig den „Duft der großen, weiten Country-Welt“ zu schnuppern. Helms arbeitete weiter an sich und erhielt 1956 einen Plattenvertrag bei Decca Records.

Schon im Jahr danach schlug seine große Stunde. Mit der ersten Single knackte Bobby Helms nicht nur die Country Charts sondern eroberte gleich die Nr. 1. Im Pop-Bereich langte es auch noch zur Nr. 36. Der Titel natürlich „Fraulein“. Geschrieben von Lawton Williams, zu dem Lied durch seine ehemalige Verlobte animiert. Die nämlich war eine Texanerin, deren Eltern in Deutschland ihre Heimat hatten.

Noch im gleichen Jahr 1957 landete Bobby Helms mit „My Special Angel“ den zweiten Millionseller. Ebenso wie „Fraulein“ hielt der Song sich vier Wochen an der Spitze und kletterte in den Pop-Charts bis auf Platz 7. Da aller guten Dinge drei sind, folgte auf dem Fuß mit „Jingle Bell Rock“ einer der unverwüstlichen Christmas-Songs. Dass ein solcher Saison-Song sich bis auf die Nr. 13 schiebt ist schon ungewöhnlich, in den Pop-Hitlisten entwickelte sich „Jingle Bell Rock“ sogar zu Helm’s bestem Hit – eine Nummer 6.

Damit sollte die große Zeit des Bobby Helms aber auch schon vorbei sein. 1958 gelangen ihm mit „Just A Little Lonesome“ und „Jacqueline“ zwar zwei weitere Top Ten Hits und 1960 schnupperte er mit dem ähnlich gelagerten „Lonely River Rhine“ (Nr. 16) noch einmal am Erfolg von „Fraulein“, konnte aber eine etliche Jahre dauernde „Sendepause“ nicht verhindern. Seine Plattenkarriere flackerte zwischen 1967 und 1970 noch einmal kurz auf, die Singles bei Little Darling und Certron blieben aber jenseits der Top 50 hängen.

Das freilich beendete nicht seine Karriere als Sänger. Bis zu seinem Tod blieb Bobby Helms unterwegs. Gelegentlich nahm er neue Platten auf, vor allem aber lebte er vom Live-Geschäft. Bei Package Shows, Rockabilly-Revivals oder in Theatern wie denen in Branson, Missouri holte man ihn weiterhin ans Mikrofon. 1996 tauchte er mit „Jingle Bell Rock“, dem unverwüstlichen Christmas Klassiker, noch einmal auf Platz 96 in den Country-Charts auf.

Anders als die meisten seiner Kollegen lebte Bobby Helms nicht im Einzugsgebiet von Nashville sondern blieb in seiner Heimat Indiana. Am 19. Juni 1997 starb Bobby Helms dort an den Folgen eines Emphysems und Asthma.

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