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Kentucky Gambler: Dolly Parton

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Ein Song aus der ersten Hälfte der 1970er Jahre, geschrieben von Dolly Parton und zuerst auf deren Album „The Bargain Store“ (RCA) veröffentlicht. Die Autorin greift das Laster der Spielsucht auf und verarbeitet es auf ihre unnachahmliche Art. Hier wird nicht plakativ angeprangert oder gewettert sondern das Problem eher auf ein wenig humorvolle Art behandelt.

Beschrieben wird ein Mann aus Kentucky, der mehr vom Leben will als eine Frau und vier Kinder mit der Arbeit in den Bergwerken von Kentucky zu ernähren. Schnellen Reichtum verspricht er sich durch Glücksspiel, deshalb verlässt er die Familie bei Nacht und Nebel und taucht in den Casinos von Reno wieder auf.

Im Refrain wird gefragt, wer sich denn nun um die Familie in Kentucky kümmert, wer wird die Kinder erziehen und für das Wohlergehen von Frau und Kindern sorgen? Den Spieler kümmert es nicht, denn er hat eine Glückssträhne. Statt rechtzeitig aufzuhören, was kaum ein Spieler schafft, treibt die Gier nach noch mehr Mammon ihn unbarmherzig weiter. Es kommt wie es kommen muss, die Glücksgöttin zieht sich zurück und lächelt auch noch höhnisch während sie sich dem nächsten Opfer zuwendet. Unser Spieler kommt immer noch nicht zur Vernunft, er ist im Rausch und verspielt alles, was er zuvor gewonnen hat. Als er mit leeren Taschen dasteht, denkt er daran, nach Hause zurück zu kehren.

Der Refrain zum Schluss zieht ein Fazit und nennt die Moral von der Geschichte. In Kentucky wartet nämlich niemand mehr auf ihn. Seinen Platz hat unterdessen ein anderer eingenommen. So hat der Spieler viel mehr und viel Wichtigeres verloren als den schnöden Mammon. Dolly Parton hat es verstanden, diese Geschichte spannend zu erzählen, obwohl man ahnt, wie der Verlauf sein wird. Verpackt in eine attraktive Melodie ist das der Stoff, aus dem Hits gemacht werden. Jeder Hörer versteht die Geschichte und kann sie nachvollziehen.

Dolly Parton selbst beließ es bei der Veröffentlichung auf ihrem Album. Merle Haggard hingegen übernahm den Song, brachte ihn als Single auf den Markt und landete im Januar 1975 eine weitere Nr. 1 damit. Für Statistiker: es war seine 19. Single, die auf Platz 1 landete und seine 37., die in die Charts kam.

Zwei weit verbreitete Irrtümer im Zusammenhang mit „Kentucky Gambler“ sollen noch einmal ausgeräumt werden. Nicht Merle Haggard selbst hat den Song geschrieben sondern Dolly Parton, wie schon erwähnt. Und die hat das Lied auch nicht speziell für Merle Haggard geschrieben sondern für sich selbst. Angeregt worden dazu ist sie durch ihren Großvater väterlicherseits. Denn der habe einen zweifelhaften Ruf als notorischer Glücksspieler gehabt. In ihrer Kindheit habe man oft erzählt, Opa hätte sich immer wieder davongestohlen, wenn er ein wenig Knete gespart hatte. Heimgekehrt sei er dann immer ziemlich zerknirscht und mit leeren Taschen. Er sei deshalb sicher kein Vorbild gewesen sondern ein plastisches Beispiel dafür, dass Glücksspiel zur Sucht werden kann und der Spieler so gut wie nie dabei gewinnt.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass Merle Haggard „Kentucky Gambler“ auf seinem Album „Keep Movin‘ On“ veröffentlichte und der Song später auch noch auf „Songs He’ll Always Sing“ enthalten war. Wie es der Zufall will, hatte Dolly Parton auf ihrem Album „The Bargain Store“ mit „You’ll Always Be Special To Me“ einen von Merle Haggard geschriebenen Titel.

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