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Jimmy C. Newman

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Zu diesem Künstler, dem nie eine Nr. 1 gelungen ist, habe ich eine ganz besondere Beziehung. Er war der erste Country-Sänger, mit dem ich ein Interview machen durfte. Man schrieb das Jahr 1969, Ort des Geschehens war der NCO Club in Spangdahlem in der Eifel. Mit meinen damals noch sehr lückenhaften Englisch-Kenntnissen hatte ich richtig Probleme, ihn zu verstehen. Nicht nur die Sprache habe ich dank Country Music sehr schnell beherrschen gelernt, wir haben uns vor allem nie aus den Augen verloren und sind uns noch oft begegnet. Jimmy C. Newman ist bis heute einer der nettesten und liebenswertesten Künstler der Country Music geblieben.

Jimmy Yves Newman wurde am 27. August 1927 in High Point bei Big Mamou im Bundesstaat Louisiana geboren und damit im Herzen des Cajun-Landes. Ein echter „Cajun“ ist er zeitlebens geblieben, natürlich steht das „C“ in seinem Namen für Cajun.

Jimmy C. NewmanZur Musik muss man bei den Cajuns nicht finden, die hat man von Geburt an im Blut. Doch stand bei Newman zu Beginn Gene Autry hoch im Kurs, weniger Cajun Music. Dennoch schloss er sich einer Cajun Band an, Chuck Gillory´s Rhythm Boys. Bald machte er bei einem Sender in Lake Charles eine eigene Live Show und nahm erste Platten als Solist auf, die aber zu nichts führten.

Beim Louisiana Hayride war man von seinem Talent überzeugt und verpflichtete ihn. Songschreiber J.D. Miller und der DJ Peter Hunter legten bei Acuff Rose einige gute Worte für Landsmann Newman ein, der dort einen Autoren-Vertrag erhielt und auf diese Weise nach Nashville kam, wo ihn Dot Records 1953 als Sänger verpflichtete. Aber kaum jemand glaubte, dass er es als Country-Sänger schaffen würde, denn zu ausgeprägt war sein typischer „Cajun Slang“. Man hatte sich getäuscht, denn Newman erzielte seine größten Hits mit Country Songs, die für damalige Verhältnisse ausgesprochen modern klangen.

1954 bescherte ihm seinen ersten und gleichzeitig einen seiner dauerhaftesten Hits mit „Cry Cry Darling“, das sich bis zur Nr. 4 hocharbeitete. Er bestätigte diesen Erfolg mit „Daydreamin'“, „Blue Darling“, „God Was So Good“ und „Seasons Of My Heart“, die sich alle in den Top Ten tummelten. Nach zwei Jahren beim Louisiana Hayride wurde Jimmy C. Newman 1956 Mitglied der Grand Ole Opry und ist das auch im Jahre 2012 noch. 1957 erreichte er einen vorläufigen Höhepunkt als sich „A Fallen Star“ zur Nr. 2 mauserte.

Damit hatte sich Newman als Country-Star endgültig etabliert. „Artificial Rose“, „Blue Lonely Winter“, „Three“, „The Devil Was Laughing At Me“, „D.J. For A Day“ (der erste Hit als Songschreiber für den damals noch unbekannten Tom T. Hall), „Born To Love You“, „Grin And Bear It“ und „Backpocket Money“ hielten ihn bis Ende der 60er Jahre im Geschäft. Aber auch typische „Cajun-eingefärbte“ Songs wie „Alligator Man“, „Bayou Talk“, „Summer Skies And Golden Sands“ oder „Boo Dan“.

Mit welch harten Bandagen es im Music Business auch damals schon zuging, musste Newman schnell lernen. Zusammen mit seiner Version von „A Fallen Star“ erschien auch eine von Ferlin Husky. Mehr noch, Newman erinnert sich: „Was mir viel mehr zusetzte war, dass meine eigene Firma Dot auch noch eine Cover Version mit der Pop Gruppe The Hillsiders rausbrachte. Das hat mich richtig geärgert. Ich wusste, da hatte ich einen Hit und alle möglichen anderen setzten auf´s gleiche Pferd.“

Ihm kam zugute, dass er zeitlebens Realist geblieben ist, er überschätzte weder seine Möglichkeiten noch seinen Erfolg. „Ich war zwar nie ganz oben, andererseits aber von ganz unter ganz schön weit weg“, schmunzelte er. Auf Pferde setzte er immer schon gern. Rund 50 Meilen südlich von Nashville lebt er auf einer wunderschön gelegenen, ziemlich versteckten Ranch, auf der er u.a. Appaloosas züchtet. Wäre da nicht die Musik gewesen, er könne in dieser Tätigkeit auf der Ranch ganz aufgehen, meinte seine Ehefrau Mae, die in seinem Leben die Hauptrolle spielt. Als ich Ende der 1970er Jahre dort zu Gast sein durfte, beeindruckte mich die einfache Lebensweise der Newmans, die den direkten Kontakt zu den „basics“ nie verloren haben. Manche Cajun-Eigenheiten ließ sich Newman auch im fernen Tennessee nicht nehmen. Vom oft oberflächlichen und zur Schau gestellten Trubel in Nashville hat er nie etwas gehalten. Viel lieber lebt er mit Seinesgleichen. „Wir Cajuns sind wie ein Clan, auf meiner Ranch ist immer Platz und Lebensraum genug für die Musiker meiner Cajun-Country-Band“, meinte er.

Als seine Zeit in den Charts zu Ende gegangen war, konzentrierte sich Newman wieder auf die bodenständige, authentische Live Music, zurück zu den Wurzeln war die Devise. Was natürlich Cajun Music bedeutete. Er stellte eine für diese Musik typische Band zusammen und war jahrelang damit weltweit unterwegs. Auch in Deutschland konnte man sich von der so stimmungsvollen Musik aus den Sümpfen Louisianas überzeugen. In Jimmy C. Newman hatte sie den idealen Botschafter, der es verstand, die traditionellen Elemente dieser Musik auf eine zeitgemäße Weise zu interpretieren und beim Publikum blendend damit ankam. Zu den beliebtesten Stücken seines Repertoires gehört dabei der „Kartoffel Song“ Lache pas la patate, für den es 1976 in Kanada sogar eine Goldene gab. (Truck Stop nahm eine deutsche Version mit dem Titel „Lass mal gut sein“ auf). Er hat dieses Lied wie viele andere typische Cajun-Melodien in unterschiedlichen Versionen immer wieder einmal aufgenommen und veröffentlicht.

Warum er immer dieser zu dieser Musik zurückkehrte, begründete er so: „Irgendwann erreichst du einen Punkt, an dem man etwas anderes machen möchte, auch wenn du bis dahin schon erfolgreich warst. Dann gibt es etwas, das dir vielleicht noch besser gefällt. Für mich ist das die Musik, mit der ich aufgewachsen bin. Ich glaubte einfach in den 1980er Jahren, dass die Zeit dafür gekommen war. Also setzte ich ganz auf Cajun Music, denn davon gab es nicht viel für ein breites Publikum.“ Wohl wissend, dass er damit bei den Puristen keine Gnade finden würde. Der traditionelle Cajun-Sound aber ist so speziell, dass sich „Nicht-Cajuns“ erst mal daran gewöhnen müssen. Newman dazu: „Viele Puristen akzeptieren die moderne Form der Cajun Music nicht. Meine Band und ich können die traditionelle Cajun Music auch stundenlang machen, die lieben wir. Doch wenn die Leute die Sprache nicht verstehen, werden sie uns nicht lange zuhören. Um zu unterhalten muss man Abwechslung bringen. Es gibt dann durchaus auch Gelegenheiten, auf die Tradition dieser Musik einzugehen.“

Bis heute blieb Jimmy C. Newman der Cajun Music treu. Dass er nicht viel damit falsch gemacht haben kann, beweisen die zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen, die man ihm in den letzten Jahren hat angedeihen lassen. Seit 2006 gehört er zum erlauchten Club der Künstler, die 50 Jahre Mitglied der Grand OIe Opry waren bzw. sind. Auf Tourneen geht Jimmy C. Newman verständlicherweise heute nicht mehr aber in der Opry kann man ihn immer noch nahezu jede Woche auf der Bühne bestaunen.

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