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Becky Schlegel hat das gewisse Etwas

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Viele Leser werden diesen Namen bisher noch nie gehört haben. Dabei ist sie schon einige Jährchen dabei, überzeugt Musik-Enthusiasten immer wieder und wird mit Komplimenten überschüttet. In den immer so gern zitierten und den kommerziellen Erfolg dokumentierenden Charts freilich sucht man sie vergebens. Woran liegt es, dass Becky Schlegel auch in ihrer amerikanischen Heimat ein gut gehütetes Geheimnis ist?

Die Antwort ist relativ schnell gefunden, die Sängerin passt nicht in das Anforderungsprofil für medienwirksame Vermarktung. Besser gesagt, ihre Musik tut es nicht und der Lebenswandel der attraktiven Mittdreißigerin auch nicht. Zudem passt auch ihr Werdegang nicht in das für Country-Sängerinnen gängige Klischee. Becky Schlegel ist einzigartig, mit keiner anderen Sängerin vergleichbar, sie hat das gewisse Etwas, mit dem sie die Menschen sowohl live als auch auf ihren Alben in ihren Bann zieht.

Becky SchlegelDas renommierte Fach-Magazin Bluegrass Unlimited beschreibt es so: „Becky Schlegel besitzt die Gabe, Lebenserfahrung in Lieder umzuwandeln, die leidenschaftlich und einzigartig sind. Ihre Musik ist eine hynotische Fusion aus Folk, Bluegrass und Country. Schlegel singt engelsgleich mit einer Lockerheit und einem nachdenklichen Sopran. Ihre Stimme kann sowohl sandig klingen aber an der richtigen Stelle auch brüchig, himmelhoch jauchzend oder in zärtliches Flüstern übergehen.“

Das ist nicht übertrieben, die glockenhelle Stimme bleibt sofort im Ohr haften, ihre Wandlungsfähigkeit verblüfft und erzeugt Gänsehaut. Soll man ihr glauben, wenn sie behauptet, ihren ersten Song habe sie erst an ihrem 27. Geburtstag geschrieben? Sie sagt: „Dieser Tag war wie ein Wunder für mich. Denn eigene Songs zu schreiben bedeutete, dass ich die Richtung der Musik bestimmen konnte – das hat meiner Stimme neue Möglichkeiten eröffnet. Ich erkannte bald, wie ich damit einen etwas feineren Sound erzielen konnte. Ich bin sicher, diese Erkenntnis hat mich als Künstlerin verändert. Und die Reaktion des Publikums war verblüffend. Jetzt wollte man nicht mehr nur Rhythmus, jetzt lehnten sich die Leute ein wenig zurück und hörten zu. Ich war da, wohin ich kommen wollte.“

Natürlich wurde die musikalische Entwicklung begleitet von einem Reifeprozess als Ehefrau und Mutter. Auf die Bühne zaubert sie eine lebendige Show, sie vermittelt Lebensfreude und Spaß. Sie ist willensstark und hat gelernt, ihre Karriere und ihr Leben selbst zu steuern. Sie weiß genau, was sie will und vor allem, was sie nicht will.

Becky Schlegel stammt aus dem 700-Seelen-Dorf Kimball in South Dakota – nicht unbedingt eine Gegend, aus der Musik-Größen gekommen sind. Mit 5 Jahren bekam sie Klavierunterricht, dann spielte sie bei den Country Benders Klavier, das war die Band ihrer Mutter. Einige Jahre später wandte sie sich der traditionellen Country Music zu und gehörte in den Sommerferien der Mountain Music Show in den Black Hills an. Bei den Auftritten verkaufte sie einige selbst produzierte Aufnahmen. Sie wusste, Musik würde ihre Zukunft sein, nicht die elterliche Ranch. Schlegel: „Rancharbeit war nicht mein Ding – aber die Musik. Die vielen Shows mit den Country Benders haben mir was gebracht. Wenn du ein Publikum lesen kannst, ist das für den Entertainer enorm wichtig.“

1993 ging Becky Schlegel nach Minnesota, jetzt spielte sie vor allem auch Gitarre. Schlegel: „In Minneapolis gab und gibt es immer noch eine blühende Musik-Szene. Ich habe mich dort auf Anhieb richtig wohl gefühlt.“ So wohl, dass sie mit True Blue 1997 ihre eigene Bluegrass Band gründete. Mit „This Lonesome Song“ entstand eine erste CD, die Band wurde immer populärer und über Minnesota hinaus bekannt. 2002 tat Becky Schlegel den nächsten Schritt und startete ihre Solo-Karriere mit dem Album „Red Leaf“. Es enthielt 11 ausschliesslich eigene Songs und ging einen Schritt weg vom reinen Bluegrass in Richtung Country. Jetzt nahm ihr Leben richtig Fahrt auf. Als Künstlerin wurde sie mit fast allen Auszeichnungen der Gegend bedacht. Sie heiratete Heath Loy, der in ihrer Band Banjo spielte und bekam drei Söhne. „Mutter zu sein ist noch schöner als ich gedacht hatte. Es ist aufregend, die Dinge wieder mit den Augen eines Kindes zu betrachten“, strahlt sie.

Soweit es möglich war, setzte sie ihre künstlerische Arbeit fort. Vor allem das Songschreiben gewann zunehmend an Gehalt und Qualität, sie gewann an Sicherheit, Selbstbewußtsein und nutzte die künstlerische Freiheit. Album Nummer 3 aus 2005 hieß „Drifter Like Me“, bei dem Brian Fesler mitwirkte, von dem sie enorm profitierte. Es folgten die Alben „This Lonesome Song“, „Country Ballads“ und „For All The World To See“. Damit setzte sie sich selbst einen hohen Standard. Den hält sie auch mit ihrem aktuellen Album „Dandelion“ (dt.: Löwenzahn) aus dem Jahre 2010. Es ist das für ihre Verhältnisse kommerziellste Album, wobei sie ihre musikalische Bluegrass-Herkunft beibehält. Man hat das Gefühl, die samt und sonders eigenen Songs dürfen sich frei entfalten, die Musiker schieben ihnen den Teppich unter, den sie gerade brauchen und Becky Schlegel schwimmt auf ihnen, die Zügel fest in der Hand. Sie vermittelt Gefühle wie es die Klaviatur eines Pianos vermag. Die Sängerin fühlt sich spürbar geborgen inmitten ihres eingespielten Teams aus Musikern wie u.a. Josh Williams, Kenny Wilson, Brian Fesler, Gordon Johnson oder Marc Anderson.

Auch beim Projekt „Daughters Of Bluegrass“ von Tom T. Hall & Dixie Dean war sie natürlich vertreten.
Becky Schlegel, die übrigens immer noch in Minnesota lebt, liefert keine Konfektions- oder Massenware, sie bietet Maßanfertigung. Getreu dem Motto „Wo Schlegel drauf steht, ist auch Schlegel drin“. Sie läßt sich Zeit mit neuen Produktionen – und das ist gut so. Vielleicht haben sich in den drei Jahren seit Veröffentlichung von „Dandelion“ genug Material und Ideen für ein neues Album angesammelt. Warten wir es einfach ab.

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