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Gram Parsons

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Ingram Cecil Connor III darf man getrost als ein Phänomen bezeichnen. Seine Bedeutung für die Unterhaltungsmusik, speziell für die Country Music, ist heute unbestritten. Sein Einfluss überall noch spürbar. Und das, obwohl er nur 26 Jahre alt wurde und als Sänger nie einen wirklichen Hit erzielen konnte. Fast schon paradox, dass man einen so jungen Mann gern als den Vater des Country Rock bezeichnet.

Gleichzeitig ist der Künstler, der als Gram Parsons für Furore sorgte, eine bemitleidenswerte Figur. Sein gesamtes, kurzes Leben blieb von tragischen Ereignissen überschattet. Geboren wurde Gram Parsons am 5. November 1946 in Winter Haven, Florida, weil seine Mutter Avis Connor sich vom Wohnort Waycross, Georgia in ihren Heimatort begeben hatte, um ihr Kind dort zur Welt zu bringen.

Gram ParsonsDie Familie gehörte zu den begüterten im Lande, sie besaß reichlich Zitrusfrüchte-Ländereien in Florida und Georgia. Sein Vater war ein im 2. Weltkrieg hoch dekorierter Pilot, der den Angriff der Japaner auf Pearl Harbor 1941 überlebt hatte. Die Mutter, Tochter des Zitrusfrüchte-Magnaten John A. Snively, litt unter Depressionen, beide Elternteile waren Alkoholiker. Das alles andere als harmonische Umfeld färbte nachhaltig auf den jungen Gram Parsons ab, der dann den Selbstmord seines Vaters kurz vor Weihnachten 1958 auch noch verkraften musste.

Er suchte und fand zunächst Zuflucht in der Musik, erst Recht, nachdem er 1956 Elvis Presley live erlebte. Seine Mutter hatte inzwischen wieder geheiratet, Stiefvater Robert Parsons besaß einige Clubs in Florida, u.a. dort konnte sich Gram Parsons, wie er sich nun nannte, in verschiedenen Rock’n’Roll-Bands austoben. Zeitweise gehörte auch ein gewisser Kent Lavoie dazu, der später als „Lobo“ bekannt wurde. Dann fand Parsons zur Folk Music und gründete mit „The Shilohs“ seine erste professionelle Band. Mit dieser Gruppe nahm er seine ersten beiden Singles auf.

1965 wurde ein schicksalsschweres, entscheidendes Jahr. Als seine Mutter im Sommer des Jahres an Leberzirrhose infolge der Alkoholabhängigkeit starb, brach die Familie ganz auseinander. Parsons begann ein Studium an der Elite-Universität in Harvard, das er aber nicht länger als ein Semester aushielt. Immerhin aber fand er ausgerechnet in Massachusetts zur Country Music, er experimentierte nun mit Rock und Country Music. 1966 gründete er mit Gleichgesinnten die „International Submarine Band“, mit der er nach Los Angeles zog. Bei LHI, dem Label von Lee Hazlewood, entstand das Album „Safe At Home“ – veröffentlicht wurde es erst 1968, nachdem sich die Band bereits wieder aufgelöst hatte.

Gram Parsons hatte unterdessen Chris Hillman kennengelernt, der Mitglied der Byrds war. 1968 stieg Parsons als Bassist bei den Byrds ein, dann übernahm er dort die Gitarre und den Gesang. Richtig wohl fühlte er sich dort aber wohl nicht. Parsons hatte bestimmte Vorstellungen von der Musik die er machen wollte und war offenbar kein „Team-Player“. Er soll sich einmal so geäußert haben: „Ich war bei den Byrds nicht akzeptiert, kam dort nicht zurecht. Ich hatte einfach zu wenig Einfluss.“ Dennoch, mit Parsons bewegten sich die Byrds deutlich mehr zur Country Music. Knackpunkt wurde das inzwischen legendäre Album „Sweetheart Of The Rodeo“. Nach den Vorstellungen von Roger McGuinn sollte es eine musikalische Zeitreise werden vom Bluegrass über Jazz und R&B bis zum Rock, doch unter dem Einfluss von Parsons entwickelte es sich immer mehr zu einem Country-Projekt, das neben Parsons-Songs auch solche von Bob Dylan bis Merle Haggard beinhaltete. Produziert nur teilweise in L.A., überwiegend in Nashville.

Von der Kritik gefeiert kam das Album beim Publikum kaum an. Das Schicksal der Byrds war aufgrund ständiger Querelen ohnehin besiegelt. Parsons stieg schon 1968 während einer England-Tournee wieder aus, Hillman wenig später. Gemeinsam starteten sie die neue Gruppe „The Flying Burrito Brothers“.

Gram Parsons wurde immer eigenbrötlerischer, ging musikalisch seine eigenen Wege und bastelte an einer Symbiose von Country und Rock Music. Zu seinen besten Freunden gehörte unterdessen Keith Richards von den Rolling Stones. Mit den Flying Burrito Brothers, zu denen Pete Kleinow und Chris Ethridge gehörten, nahmen Parsons und Hillman das Album „The Gilded Palace Of Sin“ auf. Es enthielt u.a. eigene Songs, die Hillman und Parsons gemeinsam schrieben. Auch dieses Album wurde überschwänglich gelobt, blieb aber in den Regalen stehen.

Elterlich vorbelastet hatte Gram Parsons schon immer Alkohol und Drogen konsumiert. Durch die enge Freundschaft zu Keith Richards und den Rolling Stones nahm die Sucht deutlich zu und dramatische Ausmaße an. Zwar traten die Flying Burrito Brothers 1970 im Vorprogramm der Rolling Stones auf aber ansonsten blieb der Zuspruch auch bei Live Gigs hinter den Erwartungen zurück. Das gilt auch für das Album „Burrito Deluxe“. Country-Sender spielten die Platten nicht, weil sie zu rockig seien, Rock-Stationen lehnten sie als zu country ab. Gram Parsons stieg aus – oder wurde gefeuert – darüber gibt es ganz unterschiedliche Angaben.

Schon 1970 hatte Parsons bei A & M Records einen Vertrag als Solist unterschrieben, doch kam er mit der Solo-Karriere nicht voran. Er drohte vielmehr im Drogen- und Alkoholsumpf zu ertrinken. Nach einer Tournee mit den Stones durch England kehrte er 1971 in die USA zurück, heiratete die Schauspielerin Gretchen Burrell – eine Ehe, die von Beginn an auf sehr wackligen Beinen stand. Immerhin begann er, neue Songs für sein erstes Solo-Album zu schreiben. In dieser Situation lernte er die noch unbekannte Emmylou Harris kennen, die er für eine Zusammenarbeit an dem geplanten Album gewann. 1973 erschien „GP“, an dem auch Gitarrist James Burton sowie Glen D. Hardin und Barry Tashian mitwirkten und Emmylou Harris als seine Duett-Partnerin fungierte. Auch auf Tournee und anderen Live Gigs war sie dabei. Erneut erhielt das Album allerbeste Kritiken, verkaufte sich aber nicht.

Nicht viel besser erging es dem nächsten Album mit dem Titel „Grievous Angel“, wieder mit Harris und Burton. Das Album enthielt Versionen von „Love Hurts“, „Brass Buttons“, „Oh Las Vegas“, „In My Hour Of Darkness“ und „The Return Of The Grievous Angel“. Es wurde erst nach Parsons‘ Tod veröffentlicht, verkaufte sich aber dennoch nicht.

Dann läutete das Schicksal das letzte Kapitel eines verkorksten, jungen Lebens ein. Gram Parsons‘ Haus im Topanga Canyon bei Santa Monica brannte 1973 nieder, Brandursache war eine vergessene Zigarette. Besonders gern hielt er sich im Joshua Tree Nationalpark in Kalifornien auf. Hier konnte er weitgehend unbeobachtet aber auch ungehemmt Alkohol und Drogen konsumieren. Am 19. September 1973 war die Dosis an Morphium und Schnaps auch für seinen von Exzessen geschwächten Körper zu viel, im Krankenhaus konnte nur noch sein Tod festgestellt werden.

Um die Beisetzung des Gram Parsons spielte sich danach eine makabre Posse ab. Dem Willen seines Stiefvaters zufolge sollte er in New Orleans beigesetzt werden. Parsons‘ enge Freunde behaupteten, sein letzter Wille sei es gewesen, seine Asche solle im Joshua Tree Park verstreut werden. Auf dem L.A. International Airport verschwand dann sein Sarg, zwei von Parsons‘ Freunden hatten ihn gestohlen und in den Park gebracht. Der Versuch einer Einäscherung misslang, der Sarg samt Inhalt verbrannte nur teilweise. Die beiden „Täter“ wurden einige Tage später verhaftet. Da es offenbar keine gesetzliche Bestimmung gab, die den Diebstahl eines Leichnams untersagt, wurden sie zu einer Geldstrafe wegen Diebstahls eines Sarges verurteilt. In dem Film „Grand Theft Parsons“ von 2003 wurde das makabre Geschehen nachgestellt, 2006 erschien die Dokumentation „Gram Parsons: Fallen Angel“.

Erst nach Gram Parsons‘ Tod wurde sein Einfluss allmählich offenkundig. Seine musikalischen Ideen griffen andere auf und setzten sie konsequent um. Ihm kommt der Verdienst zu, Country und Rock Music zu einer stimmigen Symbiose vereint zu haben und zwar auf so ideale wie simple Weise, dass man sie nicht mehr voneinander unterscheiden kann. Dazu hatte er vor allem auch die passenden Songs parat, Lieder wie „Luxury Liner“, „Wheels“, „Hickory Wind“, „Sin City“, „Oh Las Vegas“, „In My Hour Of Darkness“, „She“, „Brass Buttons“, „Drug Store Truck Drivin'“ darf man getrost als Kunstwerke bezeichnen. Gram Parsons hat die Country Music ebenso wie die Rock Music verändert. Es bleibt Spekulation, welche Entwicklung er bzw. auch die Musik genommen hätte, wäre ihm ein anderes Schicksal bestimmt gewesen, das ihm mehr Zeit eingeräumt hätte.

Das renommierte Fach-Magazin „Rolling Stone“ führt ihn immerhin in der Liste der 100 größten Künstler aller Zeiten, das ist bemerkenswert für einen Sänger, dem kein einziger wirklicher Hit vergönnt war.

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