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Red Rector

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Truck Stop 2019

In den 1970er und 1980er Jahren gehörte dieser Bluegrass-Musiker zu denjenigen, die ich am häufigsten live gesehen habe. Immer noch sehe ich ihn vor mir als er bei meiner ersten USA-Reise als Mitglied einer Gruppe Gleichgesinnter auf dem Weg nach Nashville an unserem Hotel in Knoxville auf uns wartete. Natürlich spielte Red Rector dann auch etwas für die rund 40 Touristen und verkaufte aus dem Kofferraum hinaus sein aktuelles Album.

Rector gehörte mit seiner Mandoline einfach dazu, wenn in Europa sich irgendetwas im Bereich Bluegrass tat. Wann immer er auf der Bühne stand, merkte man ihm an, mit welcher Leidenschaft er seinem Instrument verfallen war. Und immer wieder versuchte er, besser zu werden und dem Instrument Neues zu entlocken.

Red RectorWilliam Eugene „Red“ Rector, geboren am 15. Dezember 1929 in Marshall, North Carolina, wuchs er als Kind schon kontinuierlich in die Bluegrass Music. Sein großes Vorbild hieß Bill Monroe, so wie er wollte er die Mandoline klingen lassen.

Mit 15 spielte er bei den Blue Ridge Hillbillies, zu denen auch Red Smiley und Jimmy Lunsford gehörten. 1946 war er mit Johnny & Jack auf Tournee. Die guten Ratschläge gestandener Musiker, er solle seinen eigenen Stil finden, schlug der junge Red Rector in den Wind. Stattdessen eiferte er Bill Monroe nach. Das änderte sich schlagartig als er Paul Buskirk die Mondoline spielen hörte. Plötzlich wurde ihm klar, dass es immer Möglichkeiten gibt, ein Instrument anders zu spielen und einen eigenen Stil zu entwickeln. Paul Buskirk hatte ihm die Ohren geöffnet, mit denen er nun auch anderen Mandolinenspielern lauschte.

Es dauerte nicht mehr lange, dann verarbeitete Red Rector das, was er hörte und fand immer mehr zu seinem eigenen Stil. Jetzt wurde offenkundig, welch großes Talent er besaß. Bald gehörte er zu denjenigen, die die Mandoline am schnellsten und präzisesten spielten, egal ob Bluegrass, Country oder sogar Jazz. Das machten sich in den 50er Jahren Hylo Brown, Don Reno & Red Smiley und andere Gruppen zunutze, mit denen Rector arbeitete. Auch ins Plattenstudio holte man ihn oft, wenn eine Mandoline benötigt wurde. Neben dem einen oder anderen Solo-Album spielte er z.B. bei John Hartford, Jethro Bruns, Norman Blake, Fred Smith und deren Produktionen mit.

Zentrum seiner Arbeit aber blieb eigentlich immer die Gegend um Knoxville, auch wenn er durchaus auf ausgedehnte Tourneen ging. Besonders gern tat er dies in den 70er und 80er Jahren mit Bill Clifton, der zeitweise in Europa lebte.

Im Vordergrund stehen, das lag Red Rector nie, er hielt sich lieber im Hintergrund und ließ die Mandoline für ihn sprechen. Dass er deshalb nie die Aufmerksamkeit und Anerkennung fand, die ihm zugestanden hätte, nahm er gern in Kauf. Am 31. Mai 1990 starb der bescheidene, lebensfrohe Musiker an den Folgen einer Herzschwäche.

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