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Phil Hamilton: Real Country mit Bart und Charisma!

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Gerade in der Weihnachtszeit sind Bartträger als potenzielle Wohltäter besonders willkommen. Im musikverrückten Lonestar-State Texas pflegen sie auch außerhalb der Saison eine tiefe Tradition. Neben den hierzulande populären ZZ-Top Frontmen Dusty Hill und Billy Gibbons hat vor allem die Countryszene einige markante Exemplare hervorgebracht.

Waylon Jennings, Willie Nelson, Kris Kristofferson, Ray Wylie Hubbard und Robert Earl Keen zählen zu den „Texas-Based-Heroes“, die ihre knorrig-charismatische Ausstrahlung nicht zuletzt auch ihrem Gesichtsschmuck zu verdanken haben. Das Exemplar mit dem wohl dichtesten Bewuchs lebt südwestlich von Fort Worth und hört auf den Namen Phil Hamilton.

Losgelöst von der markanten Optik zählt dieser zu den derzeit prägendsten Vertretern seiner Zunft. Wie so viele Selfmade-Künstler stand auch Phil Hamilton zu Karrierebeginn vor der Entscheidung, Establishment und sicheres Einkommen gegen die Unwägbarkeiten der Musikbranche einzutauschen. Als sich Philthy, wie ihn seine Fans heute nennen, letztlich dafür entschied, Haus und Hof zu verkaufen und den Job als Bauunternehmer für ein Vagabundenleben „on the road“ aufzugeben, war er von dem Singer-Songwriterprofi mit bis zu 200 Auftritten pro Jahr noch weit entfernt. „Zu Beginn meiner Karriere“, erinnert sich Phlithy, „war mein Songwriting echt grausam. Doch irgendwann hatte ich die nötigen Erlebnisse in Sachen Liebe, Verlust und dem ganzen Kram hinter mir, aus denen großartige Songs entstehen konnten. Als ich mich entschied, das Schreiben zu intensivieren und ernster zu nehmen, fing es auf einmal an, zu laufen. Die logische Folge war dann mein erster Plattenvertrag mit Winding Road Records.“

Stilistisch beeinflusst von Chris LeDoux, Alabama und Tom Petty ist es ihm mit der Veröffentlichung seines Debütalbums „Nothing To Lose“ im Jahr 2009 gelungen, in der lokalen Red-Dirt-Szene Fuß zu fassen. Durch die zunehmende Radiopräsenz der beiden Hitsingles „Nine Mile“ und „Nothing To Lose“ war der Mann, der auf der High School mit Pop-Superstar und American-Idol-Gewinnerin Kelly Clarkson die Bühne teilte, auch als Touring-Act mehr und mehr gefragt.

Phil Hamilton

Nach diesem Achtungserfolg gelang Hamilton im Jahr 2012 dann der endgültige Durchbruch zum regionalen Country-Star. Gemeinsam mit seinem Kumpel Beau Bedford schrieb und co-produzierte er das Album Renegade Rock’n’Roll, das ihm drei Nr. 1-Platzierungen in Folge in den Texas-Radiocharts einbrachte. Das Album ist durchweg countrybased und verkörpert zusätzlich verschiedene Stileinflüsse von Rockabilly (Willie’s Bus), Mainstream (Love Comes And Goes), Blues (Back To Mobile) bis hin zu erdigem Southern Rock (Working Man’s Son), die dem „Rasputin aus Granbury“ allesamt authentisch von der Hand gehen. Nachdem die Leadsingle „You Can Have Me“ als geschmeidiger Radiosong immerhin Rang 8 der Charts erreichen konnte, kam mit „Bad“, einer im Tom-Petty-Style angelegten Mörderballade, der erste regionale Charttopper. Diese Hommage an die „bösen Mädchen“, die „Bud Light aus Kaffeetassen trinken und keine Party vor 4 Uhr morgens verlassen“, findet sein Finish in einem herzzerreisend-folkigen Mundharmonikasolo. Der zweiten Nr. 1, dem beziehungsgeladenen „Running“, folgte im Sommer diesen Jahres „Back Of A 73“ als origineller Flashback der ersten Lebens- und Liebeserfahrungen.

Auf der Grundlage des Erfolges und der charismatischen Bühnenpräsenz war die Veröffentlichung eines Live-Albums im August diesen Jahres als Verdichtung der beiden Longplayer naheliegend. Live At The Whiskey Girl Saloon, aufgenommen in der gleichnamigen Szenelocation bei den historischen Fort-Worth-Stockyards, zieht den geneigten Hörer hinter Rauchschwaden und biergeschwängerter Atemluft in eine einzigartig-ungeschminkte Club-Szenerie hinein. „Ich war einfach froh, zu zeigen, was wir live drauf haben“, gestand Phil. „Die einzige Regel war, dass es echt, authentisch und 100 Prozent live klingen musste. Daher verzichteten wir auf die übliche Soundnachbearbeitung. Es war eine phänomenale Erfahrung, die Musik genauso einzufangen wie wir sie erlebten.“ Zusätzlich zu den 10 Live-Tracks bietet das Album mit „Hold On Tight“ und „Tragedy“ zwei Bonus-Studiosongs, von denen ersterer als aktuelle Single wie gewohnt die Radiocharts nach oben klettert.

Im Verbund mit Szenebuddys wie Cody Johnson, Josh Ward oder Zane Williams ist es einem Phil Hamilton letztlich mit zu verdanken, dass Real Country im regionalen Radio eine gesetzte Größe ist. Seine Präsenz stellt unter Beweis, dass der Anspruch, Country Music zu ihren Wurzeln zurückzuführen von einer ständig wachsenden Fangemeinde honoriert wird.

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Über Bernd Wenserski (585 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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