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Paul Craft

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Er gehört zu den eher Stillen im Lande, viele Country-Fans haben von ihm keine Notiz genommen, obwohl er schon seit beinahe 50 Jahren mitmischt in der Musik. Zeitweise sogar kräftig. Seine Versuche, es als Sänger zu packen, verliefen allesamt mehr oder weniger erfolglos. Dafür hat er die Musik aber mit einer ganzen Reihe exzellenter Songs versorgt – Paul Craft.

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Mir fiel dieser Name erstmals als Songschreiber auf als ich die von Linda Ronstadt wunderschön gesungene Version von „Keep Me From Blowing Away“ auf einem Live-Album zum 15. Jubiläum der Gruppe Seldom Scene hörte, auf dem u.a. auch Ricky Skaggs und die Whites mitwirkten. Auch ein gewisser Paul Craft ist mit von der Partie. Danach tauchte der Name Paul Craft immer wieder auf bei Songs wie „Dropkick Me Jesus“ (Bobby Bare), „Hank Williams You Wrote My Life“ (Moe Bandy), „Midnight Flyer“ (u.a. auf dem Eagles Album „On The Border“ und von den Osborne Brothers) oder „Brother Jukebox“ (u.a. Don Everly, Mark Chesnutt, Keith Whitley), Paul Craft schreibt eine ganz besondere Art von Songs – darüber später mehr.

Am 12. August 1938 wurde er in der Nähe von Proctor, Arkansas, unweit von Memphis, Tennessee geboren. Die Eltern bauten auf ihrer kleinen Farm Baumwolle, Bohnen und Reis an. Für die musikalischen Interessen, die ihr Sohn schon früh entwickelte, zeigten sie wenig Interesse – allenfalls als Freizeitbeschäftigung nach getaner „richtiger“ Arbeit wollten sie sie gelten lassen.

Sein Vater starb als der Sohn 10 Jahre alt war. Paul Craft hingegen war in jungen Jahren schon gewillt, das Farmerdasein nicht zu seinem Lebensinhalt zu machen. Deshalb studierte er Englisch, besuchte eine Jura-Schule und arbeitete zeitweise in der Druckerei seines Stiefvaters. Dann wählte er die Musik, um damit den Unterhalt zu verdienen. 1961, inzwischen in Virginia lebend, gab er das Studium auf und schloss sich den Sunny Mountain Boys von Jimmy Martin an. So nimmt es nicht Wunder, dass Craft von der traditionellen Musik Virginias beeinflusst wurde und die Bluegrass Music eine wichtige Rolle in seinem Leben spielen würde.

Livemusik blieb zunächst eine kurzzeitige Affäre. Er heiratete (die Ehe hielt nicht lange) und öffnete ein Musikgeschäft in Memphis. Das brachte ihn alles nicht weiter, sein Leben war früh an einem Tiefpunkt angekommen, depressive Phasen drohten ihn zu zerstören. Diese wichtige Lebenssituation sollte für seine Zukunft enorm wichtig werden, denn nun begann Craft damit, seine Gefühle in Songs zu verarbeiten. Er entwickelte sich zu einem Songschreiber, der mit ungemeinem Feingefühl und Geschick Worte so aneinander zu fügen und mit Musik zu versehen versteht wie es nur Wenige schaffen. Craft entwickelte sein Schreiben zu einer Kunst, die beim Hörer nicht nur ankommt, die dieser versteht, sondern die ihn bis ins Mark trifft. Bis dahin war es aber noch ein für Craft schwieriger und auch schmerzlicher Weg.

„Mit dem Schreiben habe ich nur deshalb angefangen, weil es für mich eine Art Ventil bedeutete. Ich schrieb mir einfach den Frust von der Seele, die Langeweile und Einsamkeit. Ich fühlte mich dann einfach ein wenig besser. Erst meine Kumpels Dickey Lee und Allen Reynolds machten mir klar, dass damit mehr möglich sein könnte. Die Beiden standen ebenfalls noch am Beginn ihrer Karriere und besuchten mich oft in meinem Laden in Memphis. Dann spielten wir uns gegenseitig unsere Songs vor. Als sie dann ihren Musikverlag starteten, übernahmen sie auch Songs von mir“, erinnert sich Craft.

Wie so oft war Geduld gefragt, für Craft deutete Nichts darauf hin, dass seine Lieder irgendetwas für ihn bewirken konnten. Skeeter Davis war es, die den Silberstreif an den Horizont malte als sie Craft’s „Somewhere With Me Sometime“ für ihr Album „Why So Lonely“ aufnahm. Kein Urknall aber ein Beginn und ein Hoffnungsschimmer, Craft hatte den berühmten Fuß in der Tür. Ganz allmählich sprach es sich herum, dass er etwas zu bieten hatte. Nat Stuckey, Tompall & The Glaser Brothers, Jack Greene, Jerry Lee Lewis, die Osborne Brothers und sogar die Popband Sam The Sham & The Pharaos griffen zu. Vor allem auch im Bluegrass fand Craft nun Abnehmer. Bill Clifton (u.a. „San Juan Hill“), Seldom Scene (u.a. „Raised By The Railroad Line“) und vor allem die Osborne Brothers (u.a. „Midnight Flyer“, „Blue Heartache“, „Teardrops Will Kiss The Morning Dew“, „Heartache Looking For A Home“, „The Fastest Grass Alive“) machten den Namen Paul Craft weiter bekannt.

Paul Craft

Auf solche Weise ermutigt wollte Paul Craft es auch als Sänger wissen. Das 1974 erschienene „It’s Me Again, Margret“ war ein erster Versuch auf einem kleinen Label. Immerhin erreichte er damit Platz 55 bei Billboard. Aber der Sänger Paul Craft landete erst mal in einer Sackgasse. Dafür ging es mit dem Songschreiber weiter bergauf. Craft zog um nach Nashville, gründete seinen Musikverlag Black Sheep Music. Zwar boten sich für ihn nun vielschichtige Möglichkeiten aber er erkannte auch die Gefahren des Musikbusiness. Man kann sich schnell verzetteln und das Wesentliche aus dem Blick verlieren.

Paul Craft bekam einen Vertrag als Sänger bei RCA, er wurde Produzent für andere Künstler und arbeitete mit anderen, neuen Autoren zusammen wie etwa mit Don Schlitz. Auch bei RCA gelang ihm der Durchbruch als Sänger nicht. „We Know Better“, „Teardrops In My Tequila“ und „Lean On Jesus (Before He Leans On You)“ schoben ihn kurzzeitig in die hinteren Bereiche der Singles Charts. Im Laufe der Jahre entstanden weitere Alben, die jedoch immer wieder verdeutlichen, dass er zwar ein durchaus passabler Sänger ist, seine Stärken aber eindeutig im Schreiben von Songs begründet ist. Auch auf der Bühne macht Paul Craft eine richtig gute Figur, nicht nur mit seinen eigenen Songs. Mit seinem Schicksal hat sich Craft längst abgefunden. „Man muss das so akzeptieren. Natürlich habe ich geglaubt, auch als Sänger Erfolg haben zu können. Tief drinnen ist man doch der Meinung, seine Songs am besten singen zu können. Man kann aber nichts erzwingen. Es erfüllt mich mit Stolz, wenn andere Künstler mit meinen Liedern Hits haben. Dann muss ich neidlos eingestehen, dass sie die besseren Interpreten sind. Und was gibt es Schöneres als Lieder zu schreiben, die von Millionen von Menschen gehört und gemocht werden. Auch wenn man selbst nicht der Hitsänger ist. Nebenbei bemerkt, es fördert durchaus das Selbstwertgefühl, wenn viele Sänger einen Song aufnehmen selbst wenn Keiner dann einen Top-Hit damit hat. Und leben kann man auch noch davon.“

Kommen wir auf den einen oder anderen Song zu sprechen. Zu Crafts eigenen Favoriten zählt er „Come As You Were“ (ein Hit für T. Graham Brown). Hier liegt ein Ereignis zugrunde, das noch in Memphis statt fand. Man traf sich mit Freunden zu einer Party und ließ die alten Sun Records Zeiten revue passieren. Und man kleidete sich entsprechend nach dem Motto: Komm so wie es damals üblich war. Crafts Lieblingslied heißt „Walking Home In The Rain“. Er begründet es so: „Darin spiegeln sich viele Phasen meines Lebens wider. Wenn wieder etwas schief gelaufen war, habe ich mir gesagt, das hatten wir doch schon mal, das kenne ich, ich bin an Nackenschläge gewöhnt und mal wieder im Regen zu stehen. Aber das ist nicht das Ende, es geht weiter. Viele meiner Songs sind ähnlich angelegt, weil ich immer wieder auf mein eigenes Leben zurückgreife. Da geht es mir ähnlich wie Hank Williams, mit dem ich mich weiß Gott nicht auf eine Stufe stellen möchte. Aber aus einer Situation, in der mal wieder eine Beziehung kaputt gegangen war, entstand auch „Hank Williams You Wrote My Life“. Die Fähigkeit, Rückschläge wegstecken zu können und immer wieder aufzustehen, glaubt er von seiner 1986 verstorbenen Mutter geerbt zu haben. Die soll auch ein „Stehaufmännchen“ gewesen sein.

Im Privatleben hatte Craft das Glück nie gepachtet. Bei der Wahl seiner Lebensgefährtinnen trifft dies ganz sicher zu, wenigstens zwei gescheiterte Ehen und etliche nur kurzzeitige Beziehungen beweisen dies. Schmunzelnd meint er: „Gegensätze ziehen sich nach landläufiger Meinung zwar an, sie bleiben aber nicht lange beisammen. Eigentlich immer ein gutes Thema für einen Song.“

Die Bedeutung des Paul Craft mag man daran erkennen, dass er einer von nur vier Songschreibern ist, die im gleichen Jahr mit gleich zwei allein geschriebenen Liedern in der Kategorie „Bester Country Song“ für einen Grammy nominiert wurden. Das war 1977 und die Songs heißen „Dropkick Me Jesus (Through The Goal Posts Of Life)“ und „Hank Williams You Wrote My Life“. Paul Craft – ein Musterbeispiel für jene Jungs, die bescheiden im Hintergrund bleiben, den gefeierten Gesangsstars aber das Rohmaterial liefern, ohne das man diese kaum kennen würde, gute Songs.

Paul Craft hat ein neues Album angekündigt, das in Kürze lieferbar sein wird. Das Album „Warnings“ soll in Kürze mit zusätzlichen Songs (einige davon live) als Re-issue neu veröffentlicht werden. Wer sich für die Alben Crafts interessiert, kann auf seiner Homepage www.paulccraft.com weitere Informationen finden.

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