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Boxcar Willie

Die Biografie des legendären Stars der Countrymusik.

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Boxcar Willie Boxcar Willie. Bildrechte: RCA Records

Boxcar Willie, an ihm wird mir besonders deutlich, wie schnell die Zeit vergeht. Seit nunmehr bereits 15 Jahren weilt der Künstler schon nicht mehr unter uns, dennoch sind mir viele Erlebnisse mit ihm in lebhafter Erinnerung. Er gehört zu den wenigen Countrymusikern, die erst über den Umweg Europa auch in ihrer Heimat erfolgreich wurden und die ihnen gebührende Anerkennung fanden.

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Mit bürgerlichem Namen hieß er Lecil Travis Martin, als der wurde er am 1. September 1931 im texanischen Sterratt geboren. Seine Vorliebe für traditionelle Countrymusik und alles, was mit der Eisenbahn zu tun hatte, bekam er von seinem Vater mit auf den Lebensweg. Der arbeitete nicht nur bei der Bahn sondern spielte zudem eine richtig gute Fiddle. So wuchs er mit der Musik der Jimmie Rodgers, Hank Williams, Ernest Tubb, Roy Acuff und Lefty Frizzell auf. Schon als Kind gab er sein Gesangsdebüt im Radio. Wenige Jahre später tingelte er durch die Honky Tonks und Clubs im Großraum Dallas, Fort Worth. Er schaffte es sogar bis zum berühmten „Big D Jamboree“.

Zwar verdiente er als Sänger gar nicht mal so schlecht, doch für den Lebensunterhalt reichte es nicht. 1949 schon hatte er sich der US Air Force angeschlossen. Er wurde Pilot und flog während des Korea-Krieges einen B-29 Bomber. Auch nach dem Kriegseinsatz blieb er bei der Air Force, er wurde als Bordmechaniker bei der Texas Air National Guard eingesetzt, u.a. an Bord einer Boeing KC-97 Strato, mit der andere Flugzeuge in der Luft betankt wurden. Bis 1976 gehörte er der Air Force an.

Aber es blieb ihm genug Zeit, als Sänger und Songschreiber tätig zu sein. Zeitweise nannte er sich Marty Martin, ehe er bei dem Künstlernamen „Boxcar Willie“ blieb. Darüber, wie er zu diesem Namen kam, gibt es unterschiedliche Versionen. Mir sagte er dazu einmal: „Ich glaube es war irgendwo im menschenleeren Nebraska. Ich musste an einem Bahnübergang warten und den Güterzug vorbei lassen. Da saß plötzlich auf einem Wagon (Boxcar) ein Eisenbahn-Tramp (Hobo), der so aussah wie Willie Wilson, ein Kollege von mir im Tankflugzeug. Er winkte mir sogar zu und da machte Klick bei mir. Boxcar Willie war geboren. Ich schlüpfte auf der Bühne immer mehr in diese Figur, kleidete mich wie ein Hobo und sang entsprechend dazu passende Lieder. Einer meiner damaligen Songs bekam sogar den Titel Boxcar Willie. Aber es dauerte noch eine ganze Weile, bis sich der Erfolg einstellte.“

Boxcar Willie versuchte sich als Discjockey, mit einer Bowlingbahn und als Musikalienverkäufer den Unterhalt zu sichern. Inzwischen war er mit Lloene, die er in Idaho kennenlernte, verheiratet und hatte Kinder, eine Verantwortung, der er sich durchaus bewusst war.

Nach dem Abschied aus der Air Force ging Boxcar Willie nach Nashville. Dort nahm er zwar ein Album für ein kleines Label auf, ansonsten tat sich aber nichts. Bis er auf Drew Taylor traf. Der Musikmanager aus Schottland hatte das richtige Näschen, er verpflichtete den kauzigen Entertainer für eine Tournee auf der britischen Insel. Und damit nahm die Erfolgsstory ihren Lauf.

Auf Anhieb mauserte sich Boxcar Willie zum Publikumsliebling. Mit seiner gradlinigen, unbekümmerten, offenen, lebenslustigen Art kam er beim Publikum blendend an. Beim legendären Wembley Festival 1979 war er die Sensation und lief manch bekannterem Star den Rang ab. Auch im Jahr danach blieb das nicht anders. Mit Alben wie „Daddy Was A Railroad Man“ und „King Of The Road“ ließ er aufhorchen. Auch in den USA nahm man nun Notiz von ihm – selbst die Grand Ole Opry wollte nicht mehr auf ihn verzichten, 1981 wurde er ihr 60. Mitglied.

Die Schallplattenindustrie dort aber ignorierte ihn weiterhin. Boxcar Willie fand eine andere Lösung, er bot seine Alben über TV-Werbung an und hatte das richtige Rezept gefunden. Insgesamt sollen weltweit rund 100 Millionen seiner Tonträger verkauft worden sein. Da konnte es ihm relativ egal sein, dass er in den Country Charts nie eine adäquate Rolle spielte. Zwar schafften es 10 Singles in die Billboard Charts aber nur zwei davon, nämlich „Bad News“ (Nr. 36) und „The Man I Used To Be“ (Nr. 44) erreichten die Top 50. Auch in Deutschland war Boxcar Willie mehrfach unterwegs und in der einen oder anderen TV-Show (u.a. gemeinsam mit Gunter Gabriel) zu sehen.

1985 tat er einen weiteren wichtigen Schritt, der ihn erneut zum Vorreiter machte. Er eröffnete in Branson, Missouri, sein eigenes Theater mit Museum. Boxcar Willie gehörte zu den ersten Entertainern, die sich dort ansiedelten. Er trat regelmäßig in seinem Theater auf, ließ sich immer wieder interessante Vermarktungsideen einfallen und lockte andere Entertainer dorthin. Als ich ihn dort zum ersten Mal besuchte, stand Branson noch am Anfang einer rasanten Entwicklung. Nur wenige Jahre später kannte ich den Ort kaum wieder. Da waren dutzende weiterer Theater aus dem Boden gestampft worden, zu denen sich natürlich zunehmend Freizeitattraktionen gesellten und Jahr für Jahr die Touristen in Scharen anlockten. Irgendwann hatte Boxcar Willie neben dem Theater auch zwei Hotels erworben und war richtig gut im Geschäft.

Zwar war Boxcar Willie immer seinen eigenen Weg gegangen, hatte sein Ziel stets im Auge behalten aber er blieb auch jetzt der immer gut gelaunte, liebenswerte Künstler als den ich ihn Jahre zuvor kennengelernt hatte. So sagte er mir in Branson: „Ich bin einfach glücklich. Ich habe Erfolg, die Leute mögen das, was ich mache. Warum soll ich weiter ständig durch die Weltgeschichte reisen, wenn ich hier alles habe. Da muss ich viel weniger Strapazen in Kauf nehmen, das kommt meinem Auftritt und damit dem Publikum zugute. Nicht zuletzt auch der Familie. Und wenn die Leute hierhin kommen, haben sie Gelegenheit, nicht nur mich zu erleben sondern viele andere Künstler aller Art und können in reizvoller Umgebung ein paar angenehme Tage in schöner Landschaft verbringen.“

So wurde Boxcar Willie zum Wegbereiter eines Booms, der Branson zu einem Mekka für Livemusik machte. Nur noch gelegentlich trat er außerhalb der Saison an anderen Orten, u.a. in Europa auf, ansonsten blieb er in Branson. Boxcar Willie erkrankte 1996 an Leukämie, er verlor den Kampf gegen diese Krankheit am 12. April 1999.

Boxcar Willie – Best Loved Favorites: Das 1998er Album

Boxcar Willie - Best Loved Favorites

Titel: Best Loved Favorites
Künstler: Boxcar Willie
Veröffentlichungstermin: 1998
Label: RCA Records (BMG)
Formate: CD & Vinyl
Tracks: 11
Genre: Traditional Country

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Trackliste: (Best Loved Favorites)

01. Blue Moon Of Kentucky
02. Crazy Arms
03. In The Jailhouse Now
04. I Won’t Get Over You
05. Six Days On The Road
06. Wings Of A Dove
07. Pistol Packin‘ Mama
08. Half As Much
09. Whistle Ain’t Made Of Gold
10. Almost Persuaded
11. Lousiana Saturday Night

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