Ray Johnston Band: No Bad Days
Auf 11 Titeln nimmt der von Erik Herbst (Eli Young Band, Josh Abbott) produzierte Longplayer Bezug auf die landestypischen Gepflogenheiten und lässt glattgebügelte Chartambitionen fast gänzlich außer acht. Wir hören eine wohltuend reduzierte stilechte Instrumentierung zu der sich die lässige Interpretation Johnstons passend gesellt. Einzig der Opener „More Crown Than Coke“ bricht aus dieser Linie ein wenig aus. Man könnte diesen aktuellen Radiohit durchaus als Texas-Country-Funk bezeichnen, der trotz seines trinkfreudigen Bro-Textes melodisch und rhythmisch überdurchschnittlich gut rüberkommt. Einen echten Knaller präsentiert Ray Johnston mit „Amie“. Dieser Klassiker von Pure Prairie League aus dem Jahr 1972 wird beinahe unverfälscht mit dem ursprünglichen Spirit und wunderbarem Backgroundsupport zelebriert. Einfach klasse!
Es folgt mit „This One’s For Me“ ein echter Line-Dance-Feger, der an den jungen Billy Ray Cyrus erinnert und Tanzwillige auch außerhalb der Lone-Star-Honkytonks begeistern dürfte. Ansonsten ist die Zielgruppe klar. Es ist der Blue-Collar-Redneck, der in den Kleinstädten zwischen Amarillo und Corpus Christi seinem beschaulichen Dasein nachgeht. „Southwest Texas Afternoon“ ist so ein entspannter Country-Road-Song und handelt von der Sehnsucht nach den heimatlichen Gefilden, die einen in fremden Hoitelbetten schon mal gerne überkommt. Das heimelige „Small Town Square“ geht als liebevolle Kleinstadthymne in die gleiche Richtung.
„Life Out Here“ versetzt den Hörer in die 50er Jahre und präsentiert sich als Upbeat-Hillybilly vom Feinsten mit Fiddle, Steel, Banjo und allem was ein klassisches Westernsaloon-Ditty so ausmacht. „Keep On Rolling“, dessen Intro Luke Bryans „Drunk On You“ ähnelt, ist mal wieder ein Highlight. Mit einer großartigen, modern interpretierten Melodie könnte hier ein Megacharthit für unseren Künstler lauern. Musik ab, Fenster runter und einfach rollen lassen!
Im Vergleich zählt „No Bad Days“ zu den Alben, deren Originalität auch im hinteren Drittel nicht nachlässt. Da ist zum einen das bereits als Leadsingle erfolgreiche „Crush“ und der wunderbare Titelsong, der einem vor Augen führt, dass es keine schlechten Tage gibt, solange man etwas hat, and das man glaubt, das Herz schlägt und Luft zum Atmen da ist. Das Album endet mit dem vielleicht charmantesten Song, der Tex-Mex-Ballade „She’s Like Mexico“, auf der Ray Johnston wiederholt beweist, dass er zur ersten Garde der lokalen Allround-Singer-Songwriter gehört.
Fazit: Ray Johnston liefert mit „No Bad Days“ ein wunderbar authentisches Real-Country-Album ab, das auf seinen Lebensweg perfekt zugeschnitten scheint. Freunde des modernen Texas-Country werden „More Crown Than Coke“ und vor allem „Keep On Rolling“ gerne auf Repeat stellen. Für die Traditionsbewussten sind „Amie“, „Life Out Here“ und „Small Town Square“ erste Wahl, während der Fan der Countryballade bei „She’s Like Mexico“ emotional abgeholt wird. Insgesamt Daumen hoch für ein durchweg gelungenes Werk eines bemerkenswerten Künstlers!
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| Künstler / Albumtitel: Ray Johnston Band – No Bad Days Format / Label / Veröffentlicht: Digital (Lil Dude Records 2014) Bewertung: 4,5 von 5 möglichen Punkten |
| Trackliste:
01. More Crown Than Coke |



