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Dolly Shine: Ein Pferd, ein Tattoo, eine Band!

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Dolly Shine

Wer verbirgt sich hinter Dolly Shine? Als der Name Mitte 2013 in den Texas Radiocharts auftauchte, war der Gedanke an ein wasserstoffblondes, weibliches Country-Gesangstalent zumindest unterschwellig vorhanden. Doch die hoffnungsvolle Erwartung einer texanischen Version der jungen Dolly Parton wurde nicht erfüllt. Als des Rätsels Lösung verbirgt sich hinter dem skurillen Namen eine fünf-köpfige Band, die ihre Homebase im zentraltexanischen Stephenville aufgeschlagen hat.

Mit „Spinning My Wheels“ gelang ihnen der Sprung in die Top 50 der regionalen Radiocharts und verkörpert so ziemlich das Gegenteil von dem, was der feminine Bandname verspricht. Wir hören eine männlich-kernige, tief im Red-Dirt verwurzelte Stimme, eine Fiddle, die einem förmlich die Schuhe auszieht und als Gegenpol eine Gitarre, die den Ausgleich zwischen regionalen Countryeinflüssen und erdigem Southern-Rock auf originelle Weise herstellt. Kurzum: Eine eigene Marke, die die Texas-Musikszene in den nächsten Jahren bereichern dürfte.

Zu dem abgefahreren Bandnamen präsentiert Leadsänger und Hauptsongschreiber Zack McGinn folgende Story: „Ein guter Freund hatte ein Rodeopferd names „Dolly Shine“. Da er der Meinung war, wir sollten unsere Band so nennen, bot er uns einen Deal an. Wenn wir mit diesem Bandnamen einen Plattenvertrag bekommen, versprach mein Kumpel, sich den Namen „Dolly Shine“ auf den Hintern tätowieren zu lassen“, erinnert sich McGinn an die Entstehungsphase. „Das war Motivation genug. Ein Jahr danach war unser erstes Album unter Dach und Fach.“

Nachdem sie 2011 auf ihrer selbstbetitelten Debütscheibe dem in der Region populären Reckless-Kelly-Sound nacheiferten, ist ihnen mit „Room To Breathe“ im vergangenen Jahr der musikalische und stilistische Befreiungsschlag gelungen. Auf diesem grandiosen 14-Teiler wird dem Hörer eine hochoriginelle und traditionsbewusste Spielart des Texas Country präsentiert. „Wir machen energiegeladenen Country-Rock, mit heissen Fiddle-Breaks und feinen Gitarrenlicks. Dies alles eingebettet in ein originelles und aufrichtiges Songwriting“, beschreibt Bassist Dillon Sampson die Ausrichtung der Band.

In der Tat bietet „Room To Breathe“ eine durchgängig hohe Qualität, so dass es kaum angemessen erscheint, einzelne Tracks hervorzuheben. Nach dem bereits erwähnten charismatischen Opener „Spinning My Wheels“ erreichten Dolly Shine mit ihrer zweiten Single, der tiefgründigen Ballade „Should’ve Known“, erstmals die Texas-Top-20 und zugleich die Herzen der wachsenden Anhängerschaft. Auf Songs wie „Sacramento Blues“, „Dancing In Circles“ oder „Room To Breathe“ dominiert ein positiv-luftiger Americana-Einfluss während „Heart Like Mine“, „Pretty Flowers“ oder „Time Machine“ die Texas-Roots in den Mittelpunkt stellen. Das Album erhält in Gänze durch Wesley Halls leidenschaftlich-grandioses Fiddleplay eine charakteristische Note, die es von anderen Szeneacts spürbar abgrenzt. Ohne sich sehr weit aus dem Fenster zu lehnen, darf man „Room To Breathe“ zu den ausdrucksstärksten Texas-Countryreleases der letzten zwei Jahre zählen.

Im Sommer diesen Jahres folgte dann der nächsten Entwicklungsschritt. Mit ihrer neuen Leadsingle „Her Name Was Trouble“ gelang wiederholt der Sprung in Richtung Chartoberhaus. Wir hören dynamisch treibenden und zugleich emotionsgeladenen Countryrock als stilistischen Vorboten ihrer neu erschienenen EP mit dem Titel „All In“. Darin zeigen sich die „Dollys“ straighter, mit wesentlich mehr Grip, und haben das Fiddleplay den kernigen Rockriffs stärker untergeordnet. Durch dieses Mehr ans Power dürften sie ihren Zuhörerkreis auch auf Anhänger des gepflegten Southern Rock weiter ausgedehnen können.

„All In“ enthält vier weitere Songs, von denen zwei Tracks besonders hervorzuheben sind. „Bourbon Flood“ ist eine wunderbar poetische Americana-Hymne während der Closing-Track „Cold Black Stare“ als urwüchsiger im Rhythm n’ Blues verhafteter Energy-Track daherkommt. Darin mutiert der ansonsten melodisch gestimmte Fiddle-Player Wesley Hall zum Teufelsgeiger, an dem Old Charlie Daniels als Duellpartner seine Freude haben dürfte.

Ob Dolly Shine mit ihrem markanten Stil in die erste Reihe der Texas-Country-Acts aufsteigen werden, ist aktuell schwer zu sagen. Klar ist jedoch schon jetzt, dass hier besonderes Talent und Wiedererkennungswert gebündelt zusammengefunden haben. Und sollte Dolly Shine in den nächsten Jahren an die Erfolge regionaler Vorbilder wie Reckless Kelly oder der Randy Rogers Band anknüpfen können, wird die „Geschichte mit dem Pferd und dem Tattoo“ immer wieder aufs Neue erzählt werden.

Dolly Shine - All In

Künstler / Albumtitel: Dolly Shine – All In
Format / Label / Veröffentlicht: Digital (Zack McGinn 2014)

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Trackliste:

01. Dangerous Love
02. Her Name Was Trouble
03. Bourbon Flood
04. Down In The Alley
05. Cold Black Stare

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Über Bernd Wenserski (587 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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