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Phil Hamilton: Brazos Wind

Brazos Wind - Phil Hamilton erzählt berührende Geschichten über Liebe, Leid und Leben. Ein Album-Juwel mit Suchtfaktor.

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Phil Hamilton (Brazos Wind)

Es weht ein leiser Wind durch die texanische Musikszene, so leise, dass er bislang von kaum einem Countryliebhaber wahrgenommen wurde. Brazos Wind heißt die Soundbrise, deren Qualität – so viel darf jetzt schon gesagt werden – einen stilechten Kandidaten für das Album des Jahres 2016 stellt. Wer den charismatischen Interpreten Phil Hamilton für sich entdecken möchte, erhält bewegende Einblicke in ein meisterhaft inszeniertes, musikalisches Persönlichkeitsprofil.

Geschlagene vier Jahre hat sich der Rauschebartträger aus Fort Worth Zeit gelassen, um seinem regionalen Erfolgsalbum „Renegade Rock’n’Roll“ die erwartete Fortsetzung folgen zu lassen. Mit den Nr.1-Hits „Bad“, „Running“ und „Back Of A 73“ war Hamilton schlagartig in die erste Reihe der Texas-Country-Szene aufgestiegen, bevor eine musikalische Kehrtwende eintrat: „Für dieses Album musste ich wieder einen Schritt zurück gehen. „Brazos Wind“ ist Ausdruck meiner ganz persönlichen Reise, die mich genau dorthin geführt hat, wo ich heute bin“, hält der Lone-Star-Rasputin seine Gedanken fest. Neben düsteren Lebenserfahrungen sind es private Ereignisse wie die Heirat mit Country-Kollegin Erica Perry und Geburt von Tochter June, die dem Erzählstoff ein großes Gefühl von Ehrlichkeit vermitteln. Doch was macht dieses Album aus Hörersicht letztlich so interessant?

Vielleicht ist es diese in sich ruhende Abgeklärtheit, mit der Hamilton frei von Schnörkeln und Tüfteleien Gefühle transportiert. Es ist ein Countryalbum im wahrhaftigen Sinne, dessen Interpret den erdigen True-Texas-Style eines Robert Earl Keen mit lyrischen Singer-Songwriter-Elementen verbindet. Doch genug der Vorrede: Gönnen wir uns einen Einblick in die Faszination dieses 10-Teilers.

Während die meisten New-Country-Acts mit einem stimmungsvoll krachenden Opener starten, geht Phil Hamilton einen anderen Weg und eröffnet mit zwei charaktervollen dreiviertel Taktern. „Same Ol‘ Me“ ist das Bekenntnis eines Mannes der, egal wo er sich befindet, von den schicksalhaften Geistern der Vergangenheit eingeholt wird. Wir hören schaurig-schöne Outlaw-Riffs, die Hamilton mit einem durchdringenden Timbre begleitet, das in der Kopfstimme an Texas-Kollege Wade Bowen erinnert. Eine grandiose Eröffnung! Auf „Difference In Opinions“ wird das Outlawflair durch eine stärkere Prise Soul ersetzt und bereitet den Boden für den ersten kleinen Stimmungsaufheller. „Big News Small Town“ hat einen optimistischen Groove und könnte als mögliche Leadsingle die vorläufig unterbrochene Radiohitkarriere Hamiltons fortsetzen.

Im weiteren Verlauf des Albums geben sich die Highlights förmlich die Klinke in die Hand. „Handle On You“ ist ein aus der Tiefe der verwundeten Seele emporgeholter Gänsehauttrack, der sich in Sachen Ausdruck mit den Galaperformances eines Chris Stapleton messen lassen kann. Auch der Humor kommt auf „Brazos Wind“ nicht zu kurz. Auf „Big Hole In Nashville“ präsentiert „Philthy“ einen krachenden Blues, der den Glaubenskrieg zwischen Music-City und der Lone-Star-Musikszene aufs Korn nimmt. „I may not be Strait or Jones, but I walk the line on my own“ lautet die Erkenntnis, die den geläuterten Interpreten zu seinen texanischen Wurzeln zurückführt.

Der melodische Leckerbissen „Forever With You“ ist ein Country-Love-Song allererster Güte, der förmlich nach Radiohit schreit und sich schnell zu einem Live-Favoriten entwickeln dürfte. Das mit Blues-Rock-Elementen versehene „You Think You Know Me“ liefert wiederum einen stimmigen Gegenpol und macht für ein weiteres Songhighlight Platz. Auf „The Room“ brilliert Phil Hamilton in einem wunderbaren Duett mit Ehefrau Erica Perry und lässt hartgesottene Countryfans in den Erinnerungen an George Jones und Tammy Wynette schwelgen. Auch der mit einem prägnanten Drumset unterlegte Titelsong kann dieses Maximalniveau in Sachen Intensität halten und mündet in ein Finale der besonderen Art. Nach dem Vorbild großer Szenekollegen wie Eric Church (Three Year OId) oder Zane Williams (While I Was Away) bringt Phil Hamilton sein Gefühl von Liebe und Verantwortung gegenüber Tochter June auf zauberhafte Weise zum Ausdruck. Ein perfekter Abbinder eines Albums, das man in der Gesamtsicht als aufrichtig, intensiv und in sich vollkommen bezeichnen darf.

Fazit: Wer auch immer für das Countryalbum des Jahres 2016 in Frage kommt, wird sich an dem jüngsten Longplayer des Texaners Phil Hamilton messen lassen müssen. „Brazos Wind“ beweist, dass das Erzählen berührender Geschichten über Liebe, Leid und Leben niemals „out of time“ ist und im Country sein festes Zuhause hat. Ein Juwel mit Suchtfaktor, dem man einen größeren Zuhörerkreis wünschen darf.

Phil Hamilton - Brazos Wind

Titel: Brazos Wind
Künstlerin: Phil Hamilton
Veröffentlichungstermin: 26. Februar 2016
Label: Winding Road Music
Laufzeit: 39:48 Min.
Format: CD, Digital
Genre: Traditionell Country
Bewertung: 5 von 5 möglichen Punkten!

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Trackliste:

01. Same Ol‘ Me
02. Difference In Opinions
03. Big News Small Town
04. Handle On You
05. Big Hole In Nashville
06. Forever With You
07. You Think You Know Me
08. The Room
09. Brazos Wind
10. June

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Über Bernd Wenserski (585 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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