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Wunderkind, Tausendsassa, Bluegrass-Genie!

Vom Jazz Studio bis zur Folk und Country-Radioshow: Chris Thile schlägt einen weiten Bogen und veröffentlicht dieser Tage eine Folk-Jazz-Platte.

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Chris Thile & Brad Mehldau Chris Thile & Brad Mehldau - Bildrechte: Nonesuch, Warner

Er ist in der Tat einer der interessantesten Americana-Künstler derzeit. Chris Thile, Gründer der progressive Folk- und Bluegrass-Kapellen „Nickel Creek“ und „The Punch Brothers“ und Gastgeber des Radio-Show-KIassikers „A Prairie Home Companion“ hat nun zusammen mit dem Jazz-Pianisten Brad Mehldau eine Platte herausgebracht, die in seltener Manier Folk und Jazz zusammenbringt.

Zwischen „Nickel Creek“, „Punch Brothers“ und „Bluegrass goes Classic“

Als Fünfjähriger beginnt der kleine Chris, der in eine Musikerfamilie in Kalifornien hineingeboren wurde, das Mandolinenspiel zu erlernen. Er reist mit seiner Familie im Wohnmobil von Festival zu Festival, jammt mal hier mal dort und mit diesem und jenem aus der Musikerszene, so dass er so schnell lernt, dass er bereits mit acht Jahren zusammen mit seinem Vater Scott sowie Sean und Sara Watkins „Nickel Creek“ gründet. Die Band spielt ebenfalls auf den Festivals und 1993, Chris ist gerademal 12 Jahre alt, veröffentlichen sie ihr erstes Album, später gewinnen sie einen Grammy und eine Reihe von IBMA-Awards. 1996 tritt Thile erstmals bei Garrisons Keillors Radio-Show „A Prairie Home Companion“ auf. Ein Format, das ihn fasziniert und später noch eine besondere Bedeutung für ihn bekommen sollte.

Längst ist Thile ein Spiritus Rector des pogressive Bluegrass geworden, der diesen Musikstil mit Klassik und Jazz fusioniert, als er 2006 mit „The Punch Brothers“ eine neue Band gründet und im Folgejahr „Nickel Creek“ auf Eis legt. Mit Chris Eldridge (Guitar), Paul Kowert (Bass), Noam Pikelny (Banjo), and Gabe Witcher (Fiddle) legt er mit „Phosphorescent Blues“ ein Album vor, das es in die Grammy-Nominierungen schaffte. Gleichzeitig eilt der Band der Ruf eines großartigen Live-Acts voraus. In den letzten Jahren blühte Chris Thiel in vielen Nebenprojekten auf, als er Jazz, Klassik und Bluegrass zusammenbrachte, indem er mit einem Symphonie-Orchester spielte oder Musik von Bach aufnahm. Und wäre das nicht genug, kam es auch zu einer Reunion von Nickle Creek.

Gastgeber von „A Prairie Home Companion“

Im Herbst 2016 übernahm Chris die Gastgeberrolle bei „A Prairie Home Companion“ von Garrison Keillor, ein Langzeit-Erfolg im Radio seit 1974. Keillor sagte dazu: “Er ist, so denke ich, der große Bluegrass-Künstler unserer Zeit und er ist wunderbarer Jazzmusiker. Da gibt es nichts, was er nicht tun könnte und er ist absolut begeistert vom Live-Radio.“ Und Chris antwortete: „Ich bin groß geworden mit dieser Show, und ergreife die Möglichkeit dieses Jobs mit großer Ernsthaftigkeit und Ehrfurcht.“

Chris Thile & Brad Mehldau – das Album

Nun also die Platte mit dem Jazz-Pianisten Brad Mehldau. Eine ungewöhnliche Konstellation, Folk und Jazz. Man erinnert sich an die Szene aus dem großartigen Coen-Brüder-Film „Inside Llewyn Davis“, als der alte Jazzer sich auf einer gemeinsamen Überlandfahrt geringschätzig über die Folkmusiker auslässt. Die Zeiten haben sich gewandelt und Progressive Bluegrass und Jazz passen bestens zusammen, auch weil Thile und Mehldau wissen, dass bei allem artifiziellen ihrer Musik, sie doch die gemeinsamen Wurzeln in der Folk- und Bluesmusik haben.

Und so haben sie sich auf Ihrer gemeinsamen Platte zu zwölf Dongs zusammengetan. Fünf Songs stammen aus ihrer Feder, sieben sind Cover von so illustren Singer-Songwritern wie Bob Dylan (Don’t Think Twice, It’s Allright), David Rawlings und Gillian Welch („Scarlet Town“, nicht zu verwechseln mit dem Bob Dylan-Song gleichen Namens), Elliott Smith (Independence Day) oder Joni Mitchell (Marcie).

Die Musik des Albums, das in nur zwei Tagen aufgenommen wurde, ist künstlerisch und instrumental hochwertig und nahe an der Perfektion. Und dennoch strahlen die Stücke auch eine urwüchsige Lebendigkeit aus. Der Jazzer, der sich dem Folk und dem Singer-Songwriting öffnet und der Bluegrass-Musiker, der den Jazz adaptiert, schaffen zusammen unglaubliches. Bestens gelaunte Singer-Songwriting-Jazz-Folk-Bluegrass-Fusion-Musik. Eine Platte, die so viel Leichtigkeit ausstrahlt, wie sie eben nur zwei perfekten Musikern gelingen kann und daher vollends überzeugt.

Fazit: Ein Hörgenuss. Perfektes musikalisches Jazz-Folk-Kammerkonzert.

Prädikat: Musik für lange Winterabende!

Chris Thile & Brad Mehldau

Titel: Chris Thile & Brad Mehldau
Künstler: Chris Thile & Brad Mehldau
Veröffentlichungstermin: 27. Januar 2017
Label: Nonesuch, Warner
Laufzeit: CD 1 – 33:41 Min. / CD 2 – 29:51 Min.
Format: Doppel-CD, Vinyl & Digital
Tracks: 11
Genre: Americana, Jazz-Folk

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Trackliste: (CD 1)

01. The Old Shade Tree (Brad Mehldau, Chris Thile)
02. Tallahassee Junction (Mehldau)
03. Scarlet Town (David Rawlings, Gillian Welch)
04. I Cover The Waterfront (Johnny Green, Edward Heyman)
05. Independence Day (Elliott Smith)
06. Noise Machine (Thile)

Trackliste: (CD 2)

01. The Watcher (Mehldau)
02. Daughter Of Eve (Thile)
03. Marcie (Joni Mitchell)
04. Don’t Think Twice, It’s All Right (Bob Dylan)
05. Tabhair dom do Lámh (Ruaidri Dáll Ó Catháin)

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Über Thomas Waldherr (597 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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