Meldungen

Francis Rossi & Hannah Rickard: We Talk Too Much

Großartiges Countrymusik-Debüt-Album des Status Quo-Sängers feat. Hannah Rickard.

Country.de - Online Magazin bei Facebook

Truck Stop 2019
Francis Rossi & Hannah Rickard - We Talk Too Much Francis Rossi & Hannah Rickard - We Talk Too Much. Bildrechte: EarMUSIC, Edel

Er hat’s getan! Endlich! Schon vor vielen Jahren hat mir Francis Rossi ausgiebig von seiner Liebe zur Country Music erzählt. Der Status Quo-Frontmann, der mit drei Akkorden und stampfenden Boogie-Rhythmen mit seiner Band überaus erfolgreich seit fünf Dekaden um die Welt zieht, ist von dieser Musik restlos begeistert. „Ich höre zu Hause sehr oft amerikanische Country Music, von Big & Rich bis zu Willie Nelson. Aber auch viele von den neuen, jungen Leuten. Die sind so fu**ing good!“

Francis hört nicht nur die Musik, er kennt sich auch aus. Da verwundert es mich kaum, als in einem Gespräch über seine Hausband Status Quo vor einigen Jahren plötzlich seine Gedanken abschweifen und sein voyeuristisches Interesse hervortritt. „Sag mal, stimmt das? Garth Brooks hat die Trisha Yearwood geheiratet? Oh Jesus! Die hatte diesen tollen Song (und er singt) ‚… she’s in love with the boy …‘ Der gefällt mir.“ Und dann sprudelt es aus ihm heraus: „Gern würde ich mal ein ganzes Countryalbum aufnehmen, aber ich weiß, das will keiner kaufen.“ Aber nun, 2019, ist die Idee endlich soweit gereift, dass er – nunmehr im Duett mit Hannah Rickard, ein ganzes Album mit eigenen, countryorientierten Songs veröffentlicht. We Talk Too Much enthält 12 neue Lieder und ist ab sofort im Handel.

Schon der Opener lässt den Zuhörer beschwingt ins Album hinein gleiten. „I’ll Take You Home“ verfügt über eine eingängige Melodie mit vielen Countryelementen, ohne das Rossi sich dabei musikalisch verbiegen muss, denn der Sound erinnert ebenso an seine Hausband. Guter Einstieg in das Album, um sich langsam dem folgenden ungewöhnlichen (weil vom Zuhörer unerwarteten) Musik-Mix zu nähern. Denn obwohl auch Quo immer wieder Countryelemente in ihren Songs verwenden, sind die zwölf vorliegenden Lieder die Rossi und Rickard interpretieren, noch einmal ein Stück näher und kompromißloser an der amerikanischen Musik zwischen Country, Folk und Rock dran.

Will man „I’ve Tried Letting It Go“ mit anderen Künstlern vergleichen, wird man an Tom Petty & Co. nicht vorbeikommen. Hier dominiert der Gesang von Hannah Rickard, die über eine außergewöhnliche Stimme verfügt, die man wohl immer wiedererkennt. „Oughta Know By Now“ ist noch am ehesten am Sound von Status Quo, den Rossi natürlich weder ablegen kann, noch will. Das macht aber auch das einzigartige dieser Lieder aus. Die Symbiose von Country mit dezentem Boogie-Rock. Da reiht sich auch „But I Just Said Goodbye“ ein, eine flotte, fröhliche und mitreißende Nummer, die man immer wieder hören kann. Und „Rearrange“. „Sinking In Blue“ hat das Zeug zum Ohrwurm, auch hier lassen die Herren Dylan, Petty, Harrison, Orbison und Lynne grüßen. Das melancholische „Good Times, Bad Times“ hingegen entspannt die Ohren, mit einer hinreißenden, ruhigen und schlicht schönen Melodie. Mit „Maybe Tomorrow“ steht zum Abschluß ein „Rausschmeißer“, der noch einmal alle Register zieht. Schnell, hart, kompromißlos.

Mein Anspiel-Tipp: „Waiting For Jesus“ – eine swingende, pure Countryballade, deren Gesang sich Francis und Hannah einvernehmlich teilen. Es ist erstaunlich, wie weit sich Rossi hier aus seiner Komfortzone heraus wagt und wie solide der Song aufgebaut ist. Es ist übrigens einer von zwei Songs auf dem Album, an dem er allerdings nicht als Autor beteiligt ist.

Fazit: „We Talk Too Much“ ist für Francis Rossi eine Herzensangelegenheit. Mit der Londoner Musikerin Hannah Rickard hat er eine Duett-Partnerin gefunden, die ihm ebenbürtig ist und die die Songs zu etwas Einzigartigem macht. Die beiden Stimmen ergänzen sich wunderbar. Neben dem herkömmlichen Rockinstrumentarium sind auf „We Talk To Much“ auch akustische Gitarren, Fiddle und Pedal Steel zu hören, die in der Gesamtheit zu diesem eigenwilligen und neuartigen Sound zwischen Country Music und Status-Quo-Rock führen. Eine Mischung, die sicher nichts für Puristen ist, weder für pure Countryfans noch für die harte Quo-Fraktion. Vielleicht kann ich hier noch einmal einen Vergleich ansetzen? Wer die Traveling Wilburys mag, wird auch dieses Album mögen. Lasst euch überraschen. Einfach Reinhören.

Das letzte Wort gehört Francis Rossi: „Manchmal ist es Zeit, die Musik einfach für sich sprechen zu lassen. Letztendlich „Wir reden zu viel“.

Francis Rossi & Hannah Rickard – We Talk Too Much: Das Album

Francis Rossi & Hannah Rickard - We Talk Too Much

Titel: We Talk Too Much
Künstler: Francis Rossi & Hannah Rickard
Veröffentlichungstermin: 15. März 2019
Label: earMUSIC
Vertrieb: Edel
Format: CD & Digital
Laufzeit: 40:34 Min.
Genre: Country, Rock

Zum Bestellen bitte auf die Buttons klicken! Francis Rossi & Hannah Rickard - We Talk Too Much: Bei Amazon bestellen Francis Rossi & Hannah Rickard - We Talk Too Much: Bei JPC bestellen

Trackliste: (We Talk Too Much)

01. I’ll Take You Home
02. I’ve Tried Letting It Go
03. Oughta Know By Now
04. But I Just Said Goodbye
05. Waiting For Jesus
06. I’m Only Happy
07. Rearrange
08. I Talk Too Much
09. Heartbreaker
10. Good Times Bad Times
11. Sinking In Blue
12. Maybe Tomorrow

Truck Stop 2019
Über Andreas Weihs (40 Artikel)
Fotograf und Journalist. Fachgebiet: Country & Folk. Rezensionen und Konzertberichte.