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Doug Seegers: A Story I Got To Tell

Doug Seegers erzählt mit "A Story I Got To Tell" autobiografisch aus seinem Leben.

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Doug Seegers - A Story I Got To Tell Doug Seegers - A Story I Got To Tell. Bildrechte: BMG Rights Management

Nach „Reckless & Me“ von Kiefer Sutherland kommt nun schon das zweite Country-Album in diesem Jahr, das mich persönlich total überraschte: A Story I Got To Tell von Doug Seegers. Überrascht, weil ich es so nicht erwartet hatte, denn den Künstler hatte ich vorher nie wirklich wahrgenommen, so dass dieses Album die erste konkrete Berührung mit ihm und seiner Musik für mich ist. Das Album ist so eigenständig, traditionell verwurzelt, aber dennoch modern klingend, mit tollen Songs ausgestattet, dass ich beim ersten Hören – man kann schon sagen, verblüfft war. Und natürlich positiv überrascht.

Um diese Musik zu machen, braucht es wohl solch eine Lebensgeschichte, wie sie Doug Seegers aufzuweisen hat. Er war noch im Kindesalter, da verließ der Vater die Familie, später schlug er sich in verschiedenen Berufen durch, wurde drogen- und alkoholabhängig, landete schließlich auf der Straße. Obdachlos – und wie es die Legende will: mittellos, nur mit seiner Gitarre in der Hand. Und immer jagte er seinen Musikerträumen hinterher, schrieb Songs auf viele Blätter Papier, einige nahm er sogar auf. Doch der wirkliche Erfolg blieb aus. Gezeichnet vom Leben auf der Straße, zerfressen von verblichenen Hoffnungen, fand er in einer Suppenküche in Nashville den Ort, wo er nicht nur seinen Magen füllen konnte, sondern auch seine Seele. Und genau dort fand er auch seine Erlösung. An einem denkwürdigen Tag im Jahr 2013, als er Drogen und Alkohol hinter sich ließ und sich Gott zuwandte. Die schwedische Country-Ikone Jill Johnson entdeckte ihn dort und machte ihn zum Teil ihrer TV-Dokumentation über die unglückseligen Musiker, die bei den Musiknächten in Downeys Suppenküche auftraten. Als Seegers, der Hank Williams, Gram Parsons und die Beatles zu seinen wichtigsten Einflüssen zählt, den Song „Going Down To The River“, Anfang 2014 in einer großen schwedischen TV-Show performte, machte ihn das über Nacht zum Star – und zum Spitzenreiter der iTunes-Charts.

Mit „A Story I Got To Tell“ legt Seegers nun sein erstes internationales Album mit überwiegend eigenen Songs vor. Lediglich zwei Coverversionen haben es auf den Silberling geschafft. Aufgenommen hat er die 11 neuen Songs bereits im vergangenen Frühjahr in Los Angeles unter der Regie von Grammy-Preisträger Joe Henry, der zuvor schon Bonnie Raitt und Elvis Costello produzierte.

Das Album beginnt mit der ersten der zwei Coverversionen: „White Lines“. Das von William Patrick Bennett, einem bereits verstorbenen kanadischen Folkmusiker, schon vor vielen Jahren geschriebene Lied, ist ein verhaltener, aber sehr intensiver Einstieg in den Longplayer, der sich durch ein feinsinniges Arrangement auszeichnet und den Zuhörer fesselt. Das eindringliche „Give It Away“ handelt von seiner „schweren, spirituellen Reise von seinem Tiefpunkt als Junkie über seine Wiedergeburt und seinen Entzug bis hin zu seiner Erlösung.“ (Pressetext) „Demon Speed“ flotte Folk-Nummer an der Grenze zum Pop, sehr eingängig, angereichert mit dem „zweitschönsten Schluchzen“ dieser Welt (nach Dwight Yoakam) sprengt das Lied mit mehr als fünf Minuten Spielzeit das Korsett vieler Radioformate. Einer der Songs mit Ohrwurmcharakter. „Six Feet Under“ schließlich klingt sehr melancholisch und reflektiert die Zeit, in der er als gefeierter Star in Europa wieder nach Hause zurückkehrt, und feststellt, dass er ganz allein und ohne Freunde ist. Nur sein ehemaliger Drogendealer, der allerdings kein Geschäft mehr mit ihm machen kann, ist noch an seiner Seite. Das lockere „Angel Of A Broken Home“ ist eine eingängige Uptempo-Nummer, die den Zuhörer mitreißt. Die geht sofort ins Ohr und verbleibt auch dort. Gleiches gilt, wenn auch musikalisch ganz anders angelegt, ebenso für „Out On The Streets”, eine einfühlsame, melodiöse Country-Ballade mit schöner Steel, sehr traditionell verwurzelt. „My Little Falling Star“ bluesige Töne, man spürt förmlich das Leiden, das in der Stimme liegt und das der Sänger offensichtlich in diesem Moment durchlebt. Musikalisch erweitert Seegers für sich den Countrymusik-Begriff um viele Facetten, scheut sich nicht, auch mal einen tiefen Blick rückwärts zu riskieren, um dem Sound im nächsten Moment seinen eigenen neuzeitlichen Stempel aufzudrücken. In der zweiten Cover-Version des Albums, „Poor Side Of Town”, geschrieben von Johnny Rivers und Lou Adler, hört man sogar Soul- und Popeinflüsse. Dass Seegers durchaus auch mal richtig losrocken kann, zeigt der „Rockabilly Bug“. Für dieses Mal allerdings der einzige „Ausreißer“.

Doug Seegers gelingen Songs mit hoher Intensität und Tiefe, emotional und spirituell. Musikalisch scheut er sich nicht, Genre-Grenzen auszuloten. Der Countrysound ist allgegenwärtig, aber in jedem Song des Albums setzt Seegers seine eigene Note hinzu, macht die Lieder so zu etwas eigenständigem, etwas was nur zu ihm gehört. Das schafft er nicht nur bei seinen selbstgeschriebenen Werken, sondern sogar bei den Coverversionen, die er sich zu eigen macht und die wie für ihn geschrieben scheinen.

Lassen wir den Künstler noch einmal zu Wort kommen: „Dieses Album ist meine wahrscheinlich persönlichste Songwriting-Erfahrung und zeigt mir jeden Tag aufs Neue, warum ich mich für meinen Entzug, meine Erlösung und meinen Glauben entschieden habe. Ich weiß, dass ich meine Botschaft durch meine Musik zu den Menschen bringen und ihnen damit helfen kann. Deswegen bin ich hier. Das ist die Geschichte, die ich erzählen muss.“ Eben – The Story I Got To Tell! Das Album: Eine unbedingte Empfehlung!

Doug Seegers: A Story I Got To Tell: Das Album

Doug Seegers - A Story I Got To Tell

Titel: A Story I Got To Tell
Künstler: Doug Seegers
Veröffentlichungstermin: 31. Mai 2019
Label: BMG Rights Management
Formate: CD, Vinyl & Digital
Laufzeit: 45:51 Min.
Tracks: 11
Genre: Traditional Country

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Trackliste: (A Story I Got To Tell)

01. White Line
02. Give It Away
03. Demon Seed
04. Six Feet Under
05. Angel From A Broken Home
06. Out On The Street
07. My Little Falling Star
08. Poor Side Of Town
09. Rockabilly Bug
10. Can’t Keep Running (Back To You)
11. Life Is A Mystery

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Über Andreas Weihs (46 Artikel)
Fotograf und Journalist. Fachgebiet: Country & Folk. Rezensionen und Konzertberichte.