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Gordon Lightfoot: Solo

Auf seinem neuen Album - betitelt "Solo", gibt es Gordon Lightfoot pur und ohne Schnörkel - großartig!

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Gordon Lightfoot - Solo Gordon Lightfoot - Solo. Bildrechte: Warner Music

Es kann durchaus sein, dass nicht mehr allzu viele Musikfreunde mit dem Namen Gordon Lightfoot etwas anzufangen wissen. Doch der heute 81-jährige zählt zu Kanadas erfolgreichsten Songwritern, gilt als internationale Folk-Legende. Er schrieb Lieder für viele Sängerkollegen, die sie rund um den Globus erfolgreich machten. Neben vielen anderen gehören Johnny Cash, Elvis Presley, Neil Young, Bob Dylan, Barbra Streisand, Glen Campbell, Olivia Newton-John und Eric Clapton zu diesem Kreis. Lightfoot wurde fünf Mal für den Grammy nominiert, wurde aufgenommen in die „Canadian Music Hall Of Fame“ und die „Canadian Country Music Hall Of Fame“, ebenso in die „Songwriters Hall Of Fame“ (New York), er erhielt 16 Juno Awards, sein Gesicht ziert eine Briefmarke der Canadian Post. Das ist nur ein kleiner Auszug der Ehrungen, die er für seine Musik und sein Songwriting erhielt.

Vor allem in den 1960er und 1970er Jahren nahm er außerdem zahlreiche Alben unter eigenem Namen auf, von denen einige sehr erfolgreich in den Billboard 200 notiert wurden, „Sundown“ von 1974 erreichte sogar die Nummer-1-Position. Gesundheitliche Probleme zwangen ihn 2002 kürzer zu treten, veröffentlichte mit „Harmony“ aber 2004 wieder ein viel gelobtes neues Album. Dennoch glaubte kaum jemand daran, dass der Sänger danach noch einmal ein neues Album aufnehmen würde. Doch nun ist es soweit: „Gordon Lightfoot Solo“ (Warner) ist da, mit zehn Songs, die genau das präsentieren, was der Albumtitel verspricht: Gesang und Gitarre.

Auf „Solo“ spielt der Sänger wieder einmal alle seine Trümpfe aus: einfühlsame, schöne Melodien und vor allem seine eigenwillige, einschmeichelnde Gesangsstimme. Schon der Opener „Oh So Sweet“, als erste Single ausgekoppelt, erinnert an die glorreichen Zeiten der Folkmusik und zeigt eindrucksvoll, dass Lightfoot auch ein halbes Jahrhundert später die gleiche Intensität zu vermitteln vermag, deren Anziehungskraft man sich als Zuhörer auch heute kaum entziehen kann. Die Lieder sind so herrlich entschleunigt, von unnötigem Ballast und produktionstechnischem Schnickschnack befreit, dass man sich nicht losreißen kann.

Die Songs sind immer noch ausnehmend gut, doch manchmal hat es den Anschein, sie zerbrechen an dem von ihm selbst gesteckten hohen Standard. Seine Stimme immer noch überzeugend, voller Intensität, doch sie hat mit dem Alter – und sicher auch aufgrund seiner schweren Krankheit, als er dem Tod nur knapp „von der Schippe“ sprang – an Kraft, auch an Klarheit, an Reinheit, verloren. Streckenweise erinnert sein Gesang heute an den nuschelnden Vokalisen, die Bob Dylan schon immer von sich gibt. Dylan ist zwar nach eigener Bekundung ein Fan von Lightfoot, doch im Gegensatz zu dem hatte er kein Aortenaneurysma, das oft auch tödlich enden kann, zu überstehen. Dennoch wohnt den Songs etwas Magisches inne, das den Zuhörer schnell übermannt und sich beim mehrmaligen Hören noch verstärkt.

Neun der zehn Aufnahmen von „Solo“ sind Songs, die Lightfoot bereits vor seiner Krankheit Anfang der 2000er Jahre schrieb und später offensichtlich „vergessen“ hatte. Glaubt man der Legende, hat er die Bänder beim Reinigen seines Büros wiederentdeckt. Er stand vor der Wahl, sie wie üblich mit Band-Arrangements zu ergänzen oder sie entschlackt und ursprünglich zu veröffentlichen. Schließlich entschloß er sich, nur Gesang und Gitarre zu behalten und die anderen Instrumente zu entfernen. Alles sollte so sein, wie zu der Zeit, als die Stücke entstanden. Und so hören wir hier lediglich die „verwitterte“ Stimme Lightfoots und verschiedene Akustikgitarren. Neben den neun „historischen“ Aufnahmen steht mit „Easy Flo“ ein erst kürzlich geschriebener und aufgenommener Song harmonisch inmitten der anderen Lieder.

Über „Solo“ sagt Gordon Lightfoot: „Ich dachte, meine Fans wären daran interessiert zu hören, wie Songs klingen, wenn sie zum ersten Mal geschrieben werden.“ In der Tat klingen die Songs rau und ungeschliffen. Das kann man mögen oder aber auch nicht. Reine Geschmackssache. Ich finde allerdings, neben all der anscheinenden „Unvollkommenheit“ (besonders im Vergleich mit oft überladenen Produktionen der heutigen Zeit) fühlen sich die Zuhörer-Ohren ausnehmend gut angesichts der Reduktion auf das Wesentliche in den Songs, auf den Gesang und die simple Melodie. Hier gewinnen andere Zutaten an Wert, Feinheiten in Arrangements werden nicht „zugemüllt“ mit überflüssigen, alles überstrahlenden Keyboard-Teppichen, wie man sie oft hört. Die Lieder haben dennoch alles, was es braucht, um zu unterhalten.

Ein Kollege schrieb treffend: „Wenn wir uns diese Tracks anhören, haben wir das Gefühl, den Künstler im Schöpfungsakt überrascht zu haben. Die Songs haben alle eine unbestreitbare Frische und Unmittelbarkeit sowie eine Offenheit, die zweifellos eine Stärke ist.“ Genauso ist es!

Gordon Lightfoot – Solo: Das Album

Gordon Lightfoot - Solo

Titel: Solo
Künstler: Gordon Lightfoot
Veröffentlichungstermin: 20. März 2020
Label: Early Morning Productions
Vertrieb: Warner Music
Formate: CD, Vinyl & Digital
Laufzeit: 33:49 Min.
Tracks: 10
Genre: Folk, Americana

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Trackliste: (Solo)

01. Oh So Sweet
02. E-Motion
03. Better Off
04. Return Into Dust
05. Do You Walk, Do You Talk
06. Just a Little Bit
07. Easy Flo
08. Dreamdrift
09. The Laughter We Seek
10. Why Not Give It a Try

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Über Andreas Weihs (59 Artikel)
Fotograf und Journalist. Fachgebiet: Country & Folk. Rezensionen und Konzertberichte.