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Jimmie Allen: Bettie James (EP)

"Bettie James" ist ein Kleinod moderner Country Music ohne jedoch die Wurzeln des Genre aus den Augen zu verlieren.

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Jimmie Allen - Bettie James Jimmie Allen - Bettie James. Bildrechte: Stoney Creek Records

Es lebe der Digitalismus-Musicantismus. Der machte sich zuerst in der Popmusik breit, nun erobert er auch die Country Music. Immer weniger Alben werden als CD auf den Markt gebracht, stattdessen kann man neue Musik nun streamen oder downloaden. So geschieht es auch bei Jimmie Allen, dessen neue EP Bettie James nur noch digital erhältlich ist. Das mag manch einer bedauerlich finden, andere kennen es nicht anders. Nichtsdestotrotz sind die sieben neuen Songs ein Ohrenschmaus, nicht zuletzt aufgrund der Kollaborationen mit einigen Größen der Szene: Brad Paisley, Charley Pride, Darius Rucker, Mickey Guyton, Nelly, Noah Cyrus, The Oak Ridge Boys, Rita Wilson, Tauren Wells & Tim McGraw.

Das EP-Projekt wurde von Jimmie Allen im September 2019 verstorbenem Vater James Allen und seiner im Februar 2014 verstorbenen Großmutter Bettie Snead inspiriert und nach beiden benannt. „Mein Vater und meine Großmutter waren zwei völlig verschiedene Menschen, aber beide spielten eine große Rolle in meinem Leben. Seit sie gestorben sind, möchte ich durch meine Musik Spuren ihres Erbes hinterlassen“, sagt Allen über seine Motivation für das Projekt, das er zusammen mit Ash Bowers co-produziert hat. Und er gesteht: „Ich bin ein Fan jedes Künstlers dieses Projekts, und es war mir eine große Ehre, dass jeder einzelne ein Teil davon war. Jeder hat durch seine Musik das Leben meines Vaters und meiner Grossmutter und auch mich berührt. Ich bin stolz auf diese Musik und dankbar für alle Autoren, die mir geholfen haben, ‚Bettie James‘ zu erschaffen.“

Jimmie Allen gilt als der Senkrechtstarter in Nashville! Gerade einmal vor gut zwei Jahren brachte er seine erste Single auf den Markt und legte dann einen Weg des Erfolges zurück, den er selbst wohl nicht so erwartete. Denn der Sänger hatte nicht immer so viel Glück wie jetzt. Als er 2007 nach Nashville kam, sah das Ganze noch etwas anders aus, da lernte er die Armut kennen und glaubt man der Legende, dann lebte er damals sogar einige Zeit auf der Straße und in seinem Auto. Vielleicht braucht es genau das, um solche Songs zu schreiben?

Wie viele andere Künstler unternahm auch Allen alles, um den Weg in Richtung Erfolg einzuschlagen, sich von der Masse der anderen abzuheben, und seine Bekanntheit aufzubauen. Er sang bei „Americas Got Talent“ und „American Idol“ und all den unzähligen Talent-Shows, aber als es interessant wurde, die große Bühne mit all den Scheinwerfern und Kameras dabei war und viele Fernsehzuschauer vor den Geräten, war er oft schon nicht mehr dabei. All das waren nur kleine, aber wichtige Schritte, die ihn noch nicht den Durchbruch bescherten. Erst ein Verlagsvertrag mit Wide Open Records leitete 2016 die Wende ein. Anfang 2018 folgte seine erste offizielle Single „Best Shot“, die sich in den Hot Country Songs, Country Airplay und Billboard Hot 100 Charts platzierte. Allen war damit der erste schwarze Künstler, der mit seiner Debüt-Single einen Nummer-1-Hit in den Billboard Country Airplay Charts landen konnte. Auch der Nachfolger „Make Me Want To“ setzte sich an die Spitze der Country Radio Charts. Das war schon was!

Und jetzt also „Bettie James“. Sieben neue Lieder, für die sich der 34-jährige Musiker aus Delaware, der Mitwirkung einer illustren Schar an Duett-Partnern versicherte. Mit Nelly kommt der Opener “ Good Times Roll“ als leicht rockiger Gute-Laune-Country-Pop daher, und geht schön leicht ins Ohr. „Drunk & I Miss You“ (mit Mickey Guyton) ist da schon ruhiger und „eckiger“, ein bischen Herz-Schmerz halt. Aber leider einer der schwächeren Titel der EP. „Made For These“ ist eine typische Country-Ballade, gesungen im Duett mit Tim Mc Graw. Wirklich gut, solange wie die Nummer läuft, aber irgendwie bleibt davon leider nichts im Gedächtnis haften. Das Folgende „Freedom Was A Highway“ (mit Brad Paisley) ist da schon druckvoller, die Melodie verwebt sich mit einem eingängigen Beat, dazu wilde Gitarren, das schielt eindeutig in Richtung Radio. Genau wie „Why Things Happen“. Das ist nicht nur einfach ein Lied, sondern ein Statement, denn mit Darius Rucker (Ex-Hootie & The Blowfish) und Charley Pride sind hier zwei der wichtigsten afroamerikanischen Country-Sänger als Gaststars dabei, die mit ihren kraftvollen Stimmen im Lied gleichermaßen Trost und Hoffnung spenden, und angesichts der Black-Lives-Matter-Bewegung für Menschlichkeit werben. Ein Hit, ebenfalls mit Ohrwurm-Potential ausgestattet, ist die Nr. 7 und damit der Letzte auf dem vorliegenden Mini-Album: „This Is Us“ (mit Noah Cyrus). Aber jetzt: Der Höhepunkt, zumindest für mich, ist als vorletzter Song zu hören. Es ist die starke Ballade „When This Is Over“, die mit den Stimmen von Allen gemeinsam mit Tauren Wells und Rita Wilson beginnt, aber dann heißt es: „Ladies & Gentlemen: The Oak Ridge Boys“ und ein einmalig schöner Satzgesang der Legenden bildet den krönenden Abschluß des Liedes. Da muss man einfach hinhören! Achtung: Ohrwurm!

Fazit: Zweifelsohne sind die Songs modern produziert, sind poppig und rockig, aber wiederum nicht so wild und ausgeflippt wie es manche Jungstars aus Nashville vormachen, um neues Publikum zu erobern. Jimmie Allens Musik enthält viel Traditionelles, lässt aber die aktuellen Hörgewohnheiten nicht außer Acht. Sozusagen Mainstream mit Tiefe. Und das ist wirklich nicht negativ gemeint. „Bettie James“ ist das wohl zur Zeit wichtigste Mini-Album aus der Musikstadt Nashville, mit einem Ausnahmekünstler, dem es gelang, zu jedem dieser Tracks die passenden Hit-Maker zu finden und so etwas Einzigartiges zu schaffen. Sehr hörenswert! Auch mehrmals!

Jimmie Allen – Bettie James: Das Album

Jimmie Allen - Bettie James

Titel: Bettie James
Künstler: Jimmie Allen
Veröffentlichungstermin: 10. Juli 2020
Label: Stoney Creek Records
Formate: Digital
Laufzeit: 23:06 Min.
Tracks: 7
Genre: Country

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Trackliste: (Bettie James)

01. Good Times Roll – mit Nelly
02. Drunk & I Miss You – mit Mickey Guyton
03. Made For These – mit Tim McGraw
04. Freedom Was A Highway – mit Brad Paisley
05. Why Things Happen – mit Darius Rucker & Charley Pride
06. When This Is Over – mit Tauren Wells, Rita Wilson & The Oak Ridge Boys
07. This Is Us – mit Noah Cyrus

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Über Andreas Weihs (68 Artikel)
Fotograf und Journalist. Fachgebiet: Country & Folk. Rezensionen und Konzertberichte.