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Miley Cyrus: Plastic Hearts

Miley Cyrus flüchtet - musikalisch gesehen, mit einigen Gastsängern zurück in die 1980er Jahre des Pop & Rock.

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Miley Cyrus - Plastic Hearts Miley Cyrus - Plastic Hearts. Bildrechte: RCA Records, Sony Music

Die Schere der Kritik könnte nicht weiter auseinander klaffen. Von „Totaler Flop“ bis zu „Es ist ein Fest“ teilen die professionellen Musikhörer ihre Meinung über das neue Album von Miley Cyrus in ihren Rezensionen mit. Doch was ist es denn nun wirklich, das siebte Studioalbum Plastic Hearts der amerikanischen Sängerin, die als Kind ihren Weg im Disney-Universum begann, später mal der Country Music und mal dem Pop nachhing, nackt auf einer Abrissbirne schwebte, und seither von einem am Reißbrett kalkuliertem Image zum anderen hüpfte? Wohlwollend könnte man sagen, die junge Sängerin probiert sich aus. Weniger wohlwollend klingt, sie möchte Tabus brechen und jeden, auch wirklich jeden Musik-Konsumenten dieser Welt durch irgendeine gezielte Provokation erreichen. Auf dass er ihre Musik kaufen möge. Mit Hilfe der (un-)sozialen Medien sammelt sie auf diesem Weg natürlich auch die neue (unbezahlbare) Währung: Klicks.

Schon sehr auffallend ist die Optik, das Cover. Nicht nur dass die Künstlerin mit 80er-Vokuhila-Frisur in tiefem Pink coloriert ist, mit Ketten behangen und Lederhandschuhe tragend, auf dem Album prangt ebenso gut sichtbar ein Sticker „Parental Advisory Explizit Content“. Und das nicht ohne Grund! Denn schon im Opener geht es los mit den derben Worten, da verwendet sie immer wieder das verpönte „F-Wort“, kürzt den Songtitel sogar mit „WTF Do I Know“ ab. Vielleicht auch ein Kalkül, um Aufmerksamkeit zu erhaschen. Die Musik: Aggressiv. Das folgende Titellied „Plastic Hearts“ ist, wenn man das so sagen darf, ein Countrysong mit Rock-Instrumentarium. Die Melodie ist gefällig, das musikalische Backing rau und hart. Eine interessante Mischung, die sich übrigens noch durch einige andere Songs des Albums zieht. Die Lieder von „Plastic Hearts“ sind musikalisch tief verwurzelt in den 1980er Jahren. Die Gesangsgäste Billy Idol, Joan Jett und Stevie Nicks machen diese Verbindung noch viel deutlicher. Eine Ausnahme in dieser Reihe ist lediglich die britische Sängerin Dua Lipa, die mit ihren 25 Lebensjahren noch nicht einmal geboren war, als die drei anderen Künstler ihre erfolgreichsten Zeiten hatten, und die mit Miley den Hit „Prisoner“ singt.

Auch mit „Plastic Hearts“ entfernt sich Miley Cyrus wieder ein Stück von ihren Country-Wurzeln, die nicht zuletzt durch Vater Billy Ray und Patentante Dolly Parton familiäre Bindung haben. In den vergangenen Jahren deutete sich schon vieles an, was zu einer „Abnabelung“ führen sollte, Miley probierte sich in jede Richtung aus, spielte die Schockerin und das brave Mädel von Nebenan. „Angels Like You“, „Golden G String“, „Never Be Me“ und „High“ erinnern musikalisch noch am ehesten an ihre Country-Vergangenheit. In „Night Crawling“ holt die 28-jährige Sängerin gemeinsam mit ihrem (aus der Zeit stammenden) Duett-Partner Billy Idol die 1980er Jahre zurück. Ein Lied, dass durchaus vor 35 Jahren jedes Stadionrund zum Kochen gebracht hätte. Aber heute? Auch „Midnight Sky“ fügt sich da nahtlos ein. Die Rückbesinnung wird noch deutlicher im Remix des Titels, den sie gemeinsam mit der 80er-Ikone Stevie Nicks (Fleetwood Mac) interpretiert. Auch „Bad Karma“, gesungen mit der Glamrock-Röhre Joan Jett, macht da keine Ausnahme.

Ist das Nostalgie? Ist es ein Mangel an Ideen? Beabsichtigt oder Nicht? Ist das Album vielleicht nur marketingseitige Unterstützung für den justament zur Veröffentlichung freigeschalteten Verkauf von T-Shirts und anderen Artikeln, die mit dem Namen der Künstlerin verknüpft sind? Im Falle Miley Cyrus glaube ich nicht an Zufälle. Zu sehr scheint die Sängerin an Image und stimmigen Corporate Design zu feilen. Zu sehr poliert sie an ihrem Schein und Sein, als dass das alles nicht gewollt ist oder sich zufällig ergeben hat. Es ist ja im Grunde auch nicht verwerflich. Wenn sie damit keinen Erfolg haben würde, machte sie es bestimmt anders. Aber: Das Konzept scheint aufzugehen und ihre Folgschaft ist bei jedem neuen Schritt entzückt.

Fazit: Mit „Plastic Hearts“ bleibt Miley Cyrus in der Vergangenheit haften. Sie springt zurück in eine Zeit, die sie selbst nur aus Erzählungen kennt. Ihre Songs lassen sich musikalisch inspirieren von den 1980er und 1990er Jahren. Doch die Transformation in die Gegenwart gelingt nur bedingt. Auch ihre in die Jahre gekommenen Gastsänger helfen dabei nicht. Die zwölf Songs verweisen zwar immer wieder auch auf ihre Countrywurzeln, sind letzten Endes sauber produzierte, aber eben auch glatt polierte Pop-Songs mit Tendenz zum Retro-Rock. Sie sind schön anzuhören, aber einen wirklichen Hit wird man kaum entdecken.

Miley Cyrus – Plastic Hearts: Das Album

Miley Cyrus - Plastic Hearts

Titel: Plastic Hearts
Künstler: Miley Cyrus
Veröffentlichungstermin: 27. November 2020
Label & Vertrieb: RCA Records, Ariola (Sony Music)
Format: CD & Digital
Tracks: 12
Genre: Rock, Pop, Country

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Trackliste: (Plastic Hearts)

01. WTF Do I Know
02. Plastic Hearts
03. Angels Like You
04. Prisoner – mit Dua Lipa
05. Gimme What I Want
06. Night Crawling – mit Billy Idol
07. Midnight Sky – mit Stevie Nicks
08. High
09. Hate Me
10. Bad Karma – mit Joan Jett
11. Never Be Me
12. Golden G String

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Über Andreas Weihs (81 Artikel)
Fotograf und Journalist. Fachgebiet: Country & Folk. Rezensionen und Konzertberichte.