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George Harrison: All Thing Must Pass – 50th Anniversary Deluxe

Die neuabgemischte Neuauflage des großartigen Albums aus den 1970er Jahren.

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George Harrison - All Thing Must Pass: 50th Anniversary Deluxe George Harrison - All Thing Must Pass: 50th Anniversary Deluxe. Bildrechte: Universal Music

Kaum zu glauben, dass es schon ein halbes Jahrhundert zurück liegt, das diese Aufnahmen erstmals veröffentlicht wurden. All Things Must Pass erblickte nur wenige Wochen nach der Trennung der Beatles 1970 das Licht der Welt. Es ist das dritte Solo-Album von George Harrison und wird heute allgemein als das Beste des Ex-Beatles und als Meilenstein der Musikgeschichte gelobt. Die 23 Songs des Originalalbums bewegen sich auf der Harrison-eigenen Linie zwischen Folk und Rock, mischen Country und traditionelle indische Elemente darunter, aber auch Gospel und R&B. Harrison hatte keine Furcht, das alles zusammenzubringen in seiner Musik. Produzent Phil Spector sorgte für seinen speziellen Soundabdruck, indem er Hallfahnen installierte, die die Songs aufblähten. Als Spector aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr im Studio war, machte es Harrison Spaß, dem ganzen Bombast noch einen draufzusetzen. Doch später fand er das wohl nicht mehr so toll. „Ich liebe die Songs auf diesem Album noch immer, und ich glaube, sie werden trotz des Klangbilds der Originalaufnahmen weiterleben. Allerdings war es schwierig, der Verlockung zu widerstehen, jeden einzelnen Song neu abzumischen. Ich würde nämlich nach all den Jahren gerne einige dieser Stücke von der gewaltigen Produktion befreien, die sich damals so passend und richtig angefühlt hat“, sagte er in einem Interview im Jahr 2001.

Mehr als 20 Jahre nach seinem Ableben wurde sein Wunsch nach „Entschlackung“ und neuen Mixen Wirklichkeit. Spector’s „Wall of Sound“ wurde eingerissen von Toningenieur Paul Hicks, der unter den wachsamen Augen von Executive Producer Dhani Harrison und dem Produzenten David Zonshine alle Songs des Albums komplett von den Originalbändern neu abmischte. Anlässlich des 50. Jubiläums ist nun „All Things Must Pass“ als erweiterte Edition in diversen Deluxe-Konfigurationen erhältlich.

Für die Aufnahmen des Original-Albums versicherte sich Harrison der Mitarbeit zahlreicher Musiker, die all die unterschiedlichen musikalischen Einflüsse, die er hier zusammenbringen wollte, verarbeiten konnten. Mit dabei waren u.a. Ringo Starr, Billy Preston und Klaus Voormann. Aber auch Procol-Harum-Keyboarder Gary Brooker und der Pedal-Steelplayer Peter Drake, der extra aus Nashville einflog. Ungenannt blieb seinerzeit (aus rechtlichen Gründen) die Mitwirkung der Gitarristen Peter Frampton und Eric Clapton, sowie des damals noch unbekannten Phil Collins, der bei „Art Of Dying“ auf den Congas trommelte.

Der aus Atlanta stammende und in Nashville lebende Steeler Peter Drake, der schon in den 1950er Jahren seine erste eigene Band hatte, in der auch die später erfolgreichen Countrysänger Roger Miller und Jerry Reed spielten, veröffentlichte in den 1960er Jahren zahlreiche Platten, war darüberhinaus an Alben von Bob Dylan und Elvis Presley beteiligt, und arbeitete mit Charlie Pride und Bobby Bare. 1970 wurde er in den Walkway of Stars der Country Music Hall of Fame aufgenommen. Im gleichen Jahr traf er auf George Harrison und arbeitete mit ihm an „All Things Must Pass“. Seine musikalischen Spuren hinterließ Drake besonders deutlich im Song „Behind That Locked Door“, für das er mit seiner Pedal Steel Guitar ein besonders stark country-gefärbtes Gewand webte. Aber auch „Ballad Of Sir Frankie Crisp (Let It Roll)“ ist überraschend countryorientiert durch Drake’s Gitarrenspiel. Und das ist lange noch nicht alles!

Bei seiner Hauskapelle, den Beatles, war der Songschreiber Harrison stets unterrepräsentiert. So sammelten sich über die Jahre eine Reihe von Songs an, die von den Hauptsongschreibern der Beatles – Lennon & McCartney – verschmäht wurden und es nicht auf ein reguläres Bandalbum schafften. Nach der Band-Trennung brannte Harrison darauf, diese Songs der Welt zu schenken. Darunter auch: Der Country-Blues „Woman Don’t You Cry for Me“, geschrieben schon im Dezember 1969. Es ist – so sagt es die Legende – Harrisons erste Slide-Gitarren-Komposition. Dieses Session Outtake liefert noch einmal einen ganz besonderen Farb-Tupfer in der Bonus-Abteilung der vorliegenden Edition. Aber auch Im Rahmen der Sessions für das „All Things Must Pass“-Album wurden Songs aufgenommen, die nicht den Weg auf die Original-Scheiben des Triple-Albums fanden. Untergegangen war seinerzeit auch der Countrysong „I Live For You“ (allerdings ebenfalls nicht enthalten auf der 3CD-Edition). Auch hier prägt Pete Drake’s Steelgitarre eine starke Harrison-Ballade. Und obwohl die Aufnahme in seiner Rauheit mit akustischem Demo-Charakter einen „unfertigen“ Eindruck macht, hinterläßt sie doch einen sehr harmonischen Höreindruck. Den Abschluss des Original-Albums und der zweiten CD der neuen Deluxe Ausgabe ist betitelt mit „Apple Jam“, einer Ansammlung von fünf Jam Sessions. Für Chronisten ein feines Gimmick, „Normal-Hörer“ können durchaus darauf verzichten. Neben vier Instrumental Jams ist hier auch das gesungene „It’s Johnny’s Birthday“ enthalten, basierend auf dem von Cliff Richard 1968 bekannt gemachten Gassenhauer „Congratulations“, mit dem Harrison seinem ehemaligen Bandkollegen John Lennon zum 30. Geburtstag gratuliert. Nebenbei: Zunächst brachte Harrison hier seinen eigenen Songcredit an, mußte später allerdings die (wirklichen) Original-Autoren Bill Martin & Phil Coulter nennen.

Fazit: Fünfzig Jahre nach der Erstveröffenlichung von „All Things Must Pass“ erstrahlen die 23 Songs im neuen Mix und Klang, so wie es sich George Harrison schon zu Lebzeiten gewünscht hatte. Die Lieder des Original-Albums sind auf zwei CDs gepresst, der neuen 3-CD Deluxe Ausgabe liegt noch ein weiterer Silberling mit Session Outtakes & Jams bei, aufgenommen zwischen 28. Mai und 7. Oktober 1970. Die 17 (historischen) Stücke bieten einen musikalischen Blick hinter die Kulissen des Albums – u.a mit einer lockeren Version von „Get Back“, sowie „I’d Have You Anytime (Take 5)“ aus der Songwriting-Kollaboration mit Kumpel Bob Dylan. „All Things Must Pass“ könnte das beste Soloalbum eines Ex-Beatles sein! Ein Meilenstein zwischen Folk, Country und Rock – auch heute noch absolut hörenswert!

George Harrison – All Thing Must Pass: 50th Anniversary Deluxe

George Harrison - All Thing Must Pass: 50th Anniversary Deluxe

Titel: All Thing Must Pass: 50th Anniversary Deluxe
Künstlerin: George Harrison
Veröffentlichungstermin: 6. August 2021
Label: Universal Music
Formate: CD, Vinyl & Digital
Tracks: 30
Genre: Country, Rock, Pop, R&B

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Trackliste: CD 1 (Main Album)

01. I’d Have You Anytime
02. My Sweet Lord
03. Wah-Wah
04. Isn’t It A Pity (Version One)
05. What Is Life
06. If Not For You
07. Behind That Locked Door
08. Let It Down
09. Run Of The Mill

Trackliste: CD 2 (Main Album)

01. Beware Of Darkness
02. Apple Scruffs
03. Ballad Of Sir Frankie Crisp (Let It Roll)
04. Awaiting On You All
05. All Things Must Pass
06. I Dig Love
07. Art Of Dying
08. Isn’t It A Pity (Version Two)
09. Hear Me Lord
10. Out Of The Blue
11. It’s Johnny’s Birthday
12. Plug Me In
13. I Remember Jeep
14. Thanks For The Pepperoni

Trackliste: CD 3 (Session Outtakes and Jams)

01. Isn’t It A Pity (Take 14)
02. Wah-Wah (Take 1)
03. I’d Have You Anytime (Take 5)
04. Art Of Dying (Take 1)
05. Isn’t It A Pity (Take 27)
06. If Not For You (Take 2)
07. Wedding Bells (Are Breaking Up That Old Gang Of Mine) (Take 1)
08. What Is Life (Take 1)
09. Beware Of Darkness (Take 8)
10. Hear Me Lord (Take 5)
11. Let It Down (Take 1)
12. Run Of The Mill (Take 36)
13. Down To the River (Rocking Chair Jam) (Take 1)
14. Get Back (Take 1)
15. Almost 12 Bar Honky Tonk (Take 1)
16. It’s Johnny’s Birthday (Take 1)
17. Woman Don’t You Cry For Me (Take 5)

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Über Andreas Weihs (111 Artikel)
Fotograf und Journalist. Fachgebiet: Country & Folk. Rezensionen und Konzertberichte.