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The King is gone

Wenige kennen seinen Namen, doch jeder hat ihn schon gehört. Nashville A-Team-Legende Bob Moore ist tot.

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Bob Moore Bob Moore. Bildrechte: Bob L. Moore

Was haben Patsy Clines Hits „Walkin’ After Midnight“, „Crazy“ oder „I Fall Into Pieces“ z.B. mit Bobby Helms Klassiker „Fraulein“, Simon & Garfunkels „The Boxer“ oder Roy Orbisons „Only The Lonely“ gemeinsam? Antwort: Auf allen spielte Nashville A-Team Member Bob Moore Bass!

Studiomusiker-Legende Bob Moore starb am 22. September 2021 im Alter von 88 Jahren in seiner Geburtsstadt Nashville. Dem gemeinen Musikfreund ist der Name Bob Moore nicht unbedingt geläufig. Moore ist aber mit großer Wahrscheinlichkeit der Musiker, den nicht nur Countryfreunde mehr als einmal in ihrem Leben gehört haben. Und Liebhaber von Honky Tonk und klassischer Countrymusik hören sein Spiel mit Sicherheit sogar mehrfach die Woche, wenn nicht sogar täglich.

Als Freund von 50s oder 60s Pop begegnet man ihm genauso gelegentlich, denn Bob Moore hat im Laufe seiner Karriere wohl sage und schreibe mehr als 17.000 Sessions gespielt und dabei pro Session an drei bis vier Songs mitgewirkt. Damit ist er womöglich der am meisten aufgenommene Musiker unseres Planeten. Unter Moores zahlreichen Aufnahmen sind nicht wenige Klassiker und Hits: Songs wie Porter Wagoners „Green, Green Grass of Home“, Simon & Garfunkels „Bridge Over Troubled Water“, Brenda Lees „I’m Sorry“, Loretta Lynns „Coal Miners Daugther“, Marty Robbins „Big Iron“, viele – George Jones, Tom T. Hall, Flatt & Scruggs und Roger Miller Songs und ebenso weltbekannte Aufnahmen von Elvis wie z.B. sein „Are You Lonesome Tonight?“ oder „His Latest Flame“. Elvis verlieh Moore übrigens lustigerweise seinen Spitznahmen King und übte mit ihm gemeinsam in Studiopausen Karate. So bekommt Roger Millers 1965er Hit K“ing of the Road“ einen ganz neuen Subtext. Denn auch hier glänzt unvergessen am Bass der King.

Auch für Dylan hat Bob Moore gespielt. Aber nicht wie man bisweilen liest gleich mehrere Platten. Einige Fehlinformationen scheinen von der Tributeseite von Moores Sohn zu kommen. So werden hier leider einige Hits genannt, auf denen Moore nachweislich nicht spielte. Fakt ist, dass Moore mit neun Jahren regelmäßig vor der Opry Soldaten die Schuhe putzte und so auch Zugang zu den damaligen Stars bekam. Vieles über das Bassspiel lernte er dann von Pete Drakes Bruder Jack, der seinerzeit für Ernest Tubb spielte.

1947 mit gerade einmal 15 Jahren fing er an, bereits professionell zu spielen, um dann mit 17 seine ersten Sessions für Little Jimmy Dickens zu absolvieren. Als er sich als Sessionplayer etabliert hatte, arbeitete er bei den Aufnahmen auch oftmals als Sessionleader, d.h. als das, was wir heute den Produzenten nennen. Er arrangierte also des Öfteren auch die Aufnahmen, auf denen er spielte.

Später, Anfang der 1960er Jahre stieg er außerdem beim Label Monument mit ein und machte dort eine Zeit lang erfolgreich Platten unter eigenem Namen mit dem Bob Moore Orchestra, einer Easy Listening-Formation, die Herb Alperts Tijuana-Sound vorwegnahm. Sein Song „Mexico“ war 1961 sogar ein großer Hit in Deutschland.

Abschließend noch eine schöne Geschichte, die Deke Dickerson anlässlich von Bob Moores Tod erzählte: Er sei einmal in Nashville gewesen und ging mit Moore und dessen Frau zu einem Konzert der Time Jumpers, der fantastischen All-Star-Band in der u.a. Vince Gill und Paul Franklin spielen. Der Band blieb natürlich nicht verborgen, dass Moore anwesend war, und sie holten ihn auf die Bühne. Was Deke dann so verblüffte, war der Ton des Basses, als Moore anfing zu spielen: Beim Kontrabassspiel sind leicht mal ein paar Töne etwas leiser als die anderen, was einfach in der Natur des Instrumentes liegt. Bei Moore war das anders. Nicht nur war der Ton auf einmal doppelt so laut, ohne dass auch nur das Geringste verstellt worden war, auch hatten alle Töne dieselbe Klangfarbe und waren ebenso voluminös. Dabei benutze Moore keine Gadgets, Pickups oder Pedale. Er benutze einfach nur seine Hände. Alles kam aus seinen Händen – einfach perfekt. Kein Wunder, dass man diesen Bassisten so gerne aufgenommen hatte. Moore war in jeder Hinsicht einzigartig.

R.I.P. King Bob Moore.

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Über Oliver Kanehl (9 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Traditionelle Countrymusik von vorgestern und heute (Indie Country, Hillbilly, Honky Tonk u.a.) Rezensionen, Specials.
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