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Sam Bush: Radio John: Songs Of John Hartford

Der Bluegrass-Mandolinen-Virtuose zollt seinem Vorbild, Mentor und Freund mit einem feinen Album Tribut.

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Sam Bush - Radio John: Songs Of John Hartford Sam Bush - Radio John: Songs Of John Hartford. Bildrechte: © Smithonian Folkways

Sam Bush ist mittlerweile eine legendäre Institution in der Bluegrass- und Countrymusik-Szene in den USA. Der viermal von der International Bluegrass Music Association als „Mandolin Player of the Year“ ausgezeichnete Musiker aus Bowling Green, Kentucky, erinnert sich auf seinem neuen Album Radio John: Songs Of John Hartford nun an eine andere Musiklegende, die ihm selber einst den Weg gewiesen hat. Der 2001 verstorbene John Hartford war erst Bushs Vorbild, dann sein Mentor und schließlich sein Freund.

Autor des Welthits: Gentle On My Mind

Der 1937 in New York City geborene Hartford wuchs in St. Louis auf und kam dort mit dem Bluegrass in Berührung und spielte in verschiedenen Bands, ehe er als Radio-DJ in Nashville arbeitete, Songs schrieb und 1966 schließlich einen Plattenvertag bei RCA bekam. Der damalige Vize-Chef des Labels, der legendäre Erfinder des Nashville Sounds, Chet Atkins fügte dem ursprünglichen Nachnamen des Künstlers, nämlich „Harford“, ein „t“ hinzu. Sein zweites Album „Earthwords And Music“ enthielt dann einen Song, der zum Welthit wurde. Gentle On My Mind wurde in der Version von Glen Campbell ein Chart-Topper. Diese Version und Cover u.a. von Dean Martin, Aretha Franklin und Elvis Presley führten dazu, dass Hartford ausgesorgt hatte. Dieser Song traf das Lebensgefühl einer ganzen Generation zwischen „Summer of Love“ 1967 und Woodstock 1969. Bis heute wird er immer wieder gecovert, von Alison Krauss bis The Band Perry, von Howard Carpendale bis Billy Bragg & Joe Henry.

Förderer und Bewahrer traditioneller Musik

Durch „Gentle On My Mind“ enthoben von finanziellen Sorgen und mit zwei Grammys ausgestattet, machte Hartford fortan nur noch das, was ihm gefiel: Er war ein Bewahrer und Förderer der traditionellen Bluegrass-, Country- und Folkmusik und entwickelte für seine Generation den Bluegrass weiter und war einer der Vorreiter des „progressive Bluegrass“. Er wird heute allgemein als Vater des Newgrass angesehen. 1972 erfüllte er sich einen Traum und wurde Steuermann auf einem Mississippi-Raddampfer. 1977 kam er dann ins Musikgeschäft zurück und erntete für sein Konzeptalbum mit dem beziehungsreichen Titel „Mark Twang“ seinen dritten Grammy. Kurz vor seinem Tod im Jahr 2001 führte er durch seine zentrale Rolle im Soundtrack zu „O Brother, Where Art Thou“ eine neue Generation an die Old Time Music heran.

In den Liner Notes zum Album erinnert sich Bush, dass er Hartford erstmals an einem Samstagnachmittag im Jahr 1967 in der Wilburn Brothers Show auf dem Dreiband-Banjo spielen hörte und sofort gefesselt war. Zwei Jahre später sah er ihn Bush zum ersten Mal bei einem Konzert seiner Heimatstadt Bowling Green: „Ich war in meinem letzten Schuljahr in der High School Marching Band. Wir spielten in der Halbzeitpause des Footballspiels im Regen und ich kam in meiner schlammigen Banduniform rechtzeitig zu seinem Auftritt in die E.A. Diddle Arena.“ Schon wenige Jahre später spielte Bushs Band New Grass Revival als Vorgruppe für Hartford und begleitete ihn oft auf der Bühne. Bis zu Hartfords Tod im Jahr 2001 trafen sich die beiden immer wieder zu Jamsessions.

Songwriter für eine neue Country-Generation

Bush stellt auf seinem Album nicht den Musiker und Bewahrer traditionellen Liedguts in den Mittelpunkt, sondern den Songwriter Hartford, der so wie Kris Kristofferson eine neue, progressive Songsprache ins konservative Nashville brachte und somit zur Überwindung der getrennten Lebenswelten von Country auf der einen und neuer Folk- und Rockmusik auf der anderen Seite beitrug. Dabei verzichtet Bush ganz bewusst auf die ixte Coverversion von „Gentle On My Mind“, sondern bringt feine Fassungen von „A Simple Thing As Love“ oder „Granny Wontcha Smoke Some Marijuana“ zu Gehör. Viele der Songs hatte Bush schon selbst mit Hartford eingespielt, und in den Liner Notes erzählt er von seinen Erinnerungen, wie er mit ihm das Mahavishnu Orchestra hörte („John McLaughlin“) und ihm bei der Neuaufnahme von Songs half, mit denen er als Kind auf einer Farm aufwuchs (In Tall Buildings).

So ist ein hörenswertes Album entstanden, dass aufzeigt wie wichtig Hartford für Bushs Generation von Musikern und deren Wiederentdeckung der traditionellen Musik war. Bush ist letztes Jahr Siebzig geworden und blickt nun auf Hartford damit auf seine eigenen Anfänge zurück.

Fazit: Ein feines Album und eine tolle Reminiszenz an den großen und unvergessenen John Hartford. Ein ganz wichtiges Werk!

Radio John: Songs Of John Hartford: Das 2023er Album

Radio John: Songs Of John Hartford

Titel: Radio John: Songs Of John Hartford
Künstler: Sam Bush
Veröffentlichungstermin: 13. Januar 2023
Label: Smithonian Folkways (Galileo)
Format: CD & Digital
Tracks: 10
Genre: Bluegrass, Folk

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Trackliste: (Radio John: Songs Of John Hartford)

01. California Earthquake
02. Down
03. In Tall Buildings
04. A Simple Thing As Love
05. John McLaughlin
06. Morning Bugle
07. No End Of Love
08. Granny Wontcha Smoke Some Marijuana
09. I’m Still Here
10. Radio John

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Über Thomas Waldherr (730 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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