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Birthright. Ein Kompendium zur afroamerikanischen Roots Music

40 Tracks zeigen die gesamte Vielfalt der schwarzen Roots Music auf und weisen auf ihre Bedeutung für die US-Populärmusik hin.

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Birthright. A Black Roots Music Compendium Birthright. A Black Roots Music Compendium. Bildrechte: Craft, Concord Records

Die auf Birthright. A Black Roots Music Compendium vertretenen Künstler reichen von Newcomern wie Ranky Tanky bis hin zu legendären Gruppen und Musikern wie den Staple Singers und Mississippi John Hurt. Auch einige weniger bekannte schwarze Künstler kommen auf der 40-Track-Doppel-CD-Sammlung zu ihrem Recht, die vom Autor, Professor und Grammy-nominierten Musikhistoriker Dr. Ted Olson zusammen mit dem Musiker und Autor Scott Billington produziert wurde.

Dom Flemons und Corey Harris

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Liner Notes zu diesem Projekt haben die Americanamusiker Dom Flemons und Corey Harris beigesteuert. Dem Musikmagazin „The Bluegrass Situation“ sagte Dom Flemons: „Als ich zum ersten Mal angesprochen wurde, Teil des Birth Right-Albums zu sein, wusste ich, dass ich wollte, dass mein Essay die seltsame und verdrehte Reise und Geschichte der Black American Roots Music aufdeckt. Es ist eine erstaunliche Menge an Musik zurückgeblieben, die von den legitimen, europäisch-klassisch arrangierten Jubilee-Gruppen des späten 19. Jahrhunderts bis zu den Field Recordings der Blueser und Songster des mittleren und späten 20. Jahrhunderts reicht.“

Und in den Liner Notes schreibt Corey Harris: „Wenn wir den Künstlern an diesem Set zuhören, hören wir die Stimme eines Volkes, das entschlossen ist, sich auszudrücken und über dem leeren, metallischen Lärm des Fortschritts, über dem zuckersüßen Pop und dem seelenlosen Glam gehört zu werden der Branche. Wenn der Strom ausfällt und das Internet ausfällt, werden einige von uns immer noch Musik spielen und unsere Freuden und Schmerzen in Liedern miteinander teilen. Black Roots-Musik ist ein Beweis dafür, dass wir die Kraft und den Geist haben, uns wieder zu erheben, wenn die moderne Zivilisation zusammenbrechen sollte. Wir müssen nur an unseren Wurzeln festhalten. Dies ist ein ausgezeichneter Ausgangspunkt.“

Selbstbewusst wird auf dieser Sammlung an die stolze Geschichte der vielfältigen, schwarzen Roots Music erinnert. Und ein entscheidender Aspekt: Ohne die afroamerikanischen Beiträge wäre die US-amerikanische Populärmusik und ihre verschiedenen Genres gar nicht denkbar. Gerade auch Countrymusik, Folk und Bluegrass wurden durch die Vermischung europäischstämmiger und afroamerikanischer Musik entscheidend beeinflusst. Der neue Sampler „Birthright. A Black Roots Music Kompendium“ stellt dies mit seinen 40 Tracks quer durch Folk, Old Time, Jazz, Blues und Zydeco unter Beweis. Die Interpreten sind dabei bunt gemischt. Von aktuellen Rootsmusikerinnen und – musikern wie eben Dom Flemons, Amythyst Kiah und Leyla McCalla bis hin zu den Altvorderen wie Skip James oder Lesley Riddle.

Afroamerikanische Roots Music und zwei Formen der Aneignung

Letzterer war im Grunde, der Mann hinter Liedersammlung der Carter Family. Der höchst talentierte Musiker, der Blues im Piedmont-Stil spielte, fuhr mit A.P. Carter von Ende der 1920er Jahre bis Ende der 1930er Jahre übers Land, schnappte die Folk- und auch die Gospelsongs (in schwarzen Kirchen!) auf und wurde zum musikalischen Gedächtnis für A.P. Carter. Zudem brachte er Maybelle Carter das Fingerpicking-Spiel auf der Gitarre bei. Ohne Riddle hätte es die „First Family Of Country Music“ gar nicht gegeben.

Doch er musste aufgrund der im Süden herrschenden rassistischen Jim Crow-Gesetze im Hintergrund bleiben. Leider wird an seinen Beitrag zum erfolgreichen Wirken der Carter Family bis heute viel zu wenig erinnert. Er steht damit quasi exemplarisch für den Umgang mit den schwarzen Wurzeln der Countrymusik und damit einer besonders ambivalenten Form der kulturellen Aneignung. Ganz klar: Ohne kulturelle Aneignung keine Kunst und erst recht keine Entwicklung in der Populärmusik. Die Frage ist halt ganz einfach, wer die Regeln bestimmt und wer davon profitiert.

Ein ganz anderes Beispiel, nämlich für eine positive Form der kulturellen Aneignung stellt Mississippi John Hurt da. Er wurde von der bluesbegeisterten, urbanen Folk Revival-Generation in den frühen 1960er Jahren irgendwo in Mississippi wiederentdeckt. Voller Respekt und Ehrfurcht hörten ihm die jungen weißen Kids dann beim Newport Folk Festival zu. Er bekam wieder Auftrittsmöglichkeiten und konnte aufgrund der großen Resonanz seine Musikerkarriere nach 30 Jahren Unterbrechung fortsetzen. Und beeinflusste diese junge weiße Generation musikalisch.

Die weißen Kids eigneten sich die schwarze Blues– und Folkmusik an und gleichzeitig förderten sie dadurch die Karrieren der schwarzen Musiker, ohne sich als „White Savior“ aufzuspielen. Im Gegenteil: Sie sahen sich oftmals als Schüler und die schwarzen Musiker als Lehrer und Vorbilder. Die weißen Kids fühlten sich von den schwarzen Bluesmen gerettet aus einer Welt der oberflächlichen, rein kommerziellen Popmusik. Auch zum Verständnis dieser Zusammenhänge trägt diese Kompilation bei. Die Zusammenstellung ist aber vor allem auch musikalisch abwechslungsreich und dadurch sehr gut hörbar und macht einfach Spaß.

Fazit: Ein wichtiges und feines Projekt zum Verständnis der afroamerikanischen Roots Music in den USA.

Birthright. A Black Roots Music Compendium: Das Album

Birthright. A Black Roots Music Compendium

Titel: Birthright. A Black Roots Music Compendium
Künstler: Various Artists
Veröffentlichungstermin: 17. Februar 2023
Label: Craft, Concord (Universal)
Formate: CD & Digital
Tracks: 40
Genre: Americana

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Trackliste: (Birthright. A Black Roots Music Compendium) – CD 1

01. Preservation Hall Jazz Band – Bourbon Street Parade
02. Corey Harris – Station Blues
03. Mississippi Fred Mcdowell – Highway 61
04. Carolina Chocolate Drops, Joe Thompson – Georgie Buck
05. Ranky Tanky – Ranky Tanky
06. Etta Baker – One-dime Blues
07. Alphonse „Bois Sec“ Ardoin, Canray Fontenot – Eunice Two-ste
08. Sam „Lightnin'“ Hopkins – Automobile Blues
09. Benny Richardson – Grizzly Bear
10. The Staple Singers – Motherless Children
11. Sonny Terry, Brownie Mcghee – Blues Before Sunrise
12. Dink Roberts – Fox Chase
13. Martin, Bogan & the Armstrongs – Sweet Georgia Brown
14. The Golden Eagles, Monk Boudreaux – Little Liza Jane
15. Clifton Chenier and His Band – Ay-tete Fee
16. Skip James – Hard Time Killing Floor Blues
17. George Lewis‘ Ragtime Band – Weary Blues
18. Bessie Jones – Yonder Come Day
19. Joseph Spence – We Will Understand It Better by and by
20. Dirty Dozen Brass Band – Best of All

Trackliste: (Birthright. A Black Roots Music Compendium) – CD 2

01. Cedric Burnside – Step in
02. Amythyst Kiah – Pretty Polly
03. Lonnie Johnson, Elmer Snowden – St. Louis Blues
04. Leyla Mccalla – Money is King
05. Dom Flemons – Polly Put the Kettle on
06. Taj Mahal, Keb‘ Mo‘ – Diving Duck Blues
07. Boozoo Chavis – Crying Blues
08. Campbell Brothers – Morning Train
09. John Lee Hooker – when I Lay My Burden Down
10. Lesley Riddle – Titanic
11. Professor Longhair – Go to the Mardi Gras
12. Mississippi John Hurt – Candy Man
13. Jesse Fuller – San Francisco Bay Blues
14. Odetta – Spoken Introduction: Special Delivery Blues
15. John Jackson – Step It Up and Go
16. Tuts Washington – Arkansas Blues
17. Rev. Gary Davis – Lo, I Be with You Always
18. Inmate Named Peter – Ups on the Farm
19. Cephas & Wiggins – John Henry
20. Sweet Honey in the Rock – Study War No More

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Über Thomas Waldherr (811 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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