Ulli Möhring: Leben
Ursprünglich hatte Ulli Möhring ein Buch geplant, im Laufe der Arbeit reifte aber der Gedanke, ein Album daraus zu machen. Gut, dass der verwirklicht wurde, noch besser, dass Möhring es auch hier wieder auf „seine Art“ gemacht hat. Etwas, das sich wie ein roter Faden durch sein Leben zieht …
„Seine Art“ war und ist es, auch schon mal gegen den Strom zu schwimmen. Schon in jungen Jahren praktizierte er das. Musik im Blut und Vernunft im Kopf stritten miteinander. Es trieb ihn hinaus in die Welt auf der Suche nach Erfahrungen, die ihn zu einem guten Songwriter werden lassen könnten. Wo sonst als auf der Straße findet man die beste Schule dafür, egal ob in Paris, London oder San Francisco und auch in welcher Sprache. Ulli Möhring, beseelt von seinem Traum, es mit und in der Musik zu Erfolgen zu bringen, wurde kein Träumer. Er blieb Realist genug, um auch etwass „Vernünftiges“ zu lernen. Im heimatlichen Oldenburg und im fernen Tucson (Arizona) studierte er Psychologie und Soziologie. Was sich Jahre später auszahlen sollte als er seine eigene Firma aufbaute und Seminartätigkeiten im Bereich Motivation, Erfolg und Persönlichkeit verrichtete. Geholfen hat ihm dabei natürlich die Bewältigung eigener Erfahrungswerte in Sachen Erfolg und Lebenskrisen.
Bevor es allerdings dazu kam, nahm Möhring einen kräftigen Umweg über die Musik. Der führte ihn u.a. zu Bandprojekten wie Texas Lone Star, zu den inzwischen legendär-kultigen Emsland Hillbillies (über die er auch das Buch Unterwegs – Geschichte einer Band schrieb). Eine der interessantesten und auch erfolgreichsten Phasen machte Möhring mit dem Quartett Autumn Leaves mit, einer auch international viel beachteten Gruppe, die zwischen 1993 und 1999 mit dutzenden Awards dekoriert wurde. Ende der 90er Jahre nahm sich Ulli Möhring eine musikalische Auszeit und konzentrierte seine ganze Energie in den Aufbau seiner Firma. Wieder machte der Workaholic wertvolle, wenn teils auch bittere Erfahrungen (beispielsweise die Überschätzung der eigenen physischen Kräfte), die ihn, den geborenen Songschreiber, wieder zurück zur Musik brachten. Und da ist er wieder. Mit einem prall gefüllten Album voller Leben. Auf der Plattform Country Music mischen sich auch Swing, Pop, Rock, und Beatiges hinein. Besonders stark kommen die Balladen rüber …
Irgendwie schließt sich ein Kreis, Ulli Möhring hat zu sich selbst zurück gefunden – und das lässt er uns hier wissen. Der Mann ist ein Einzelkämpfer, ein „surviver“, der gelernt hat, möglichst viel selbst machen müssen, um seine Ideen umsetzen zu können. Das Album trägt seine Handschrift als Komponist, Texter, Arrangeur, Produzent und Organisator. Er ging dafür nach Austin ins Bee Creek Studio, nahm mit Lloyd Maines, Riley Osbourn, Larry Seyer, Mitch Watson, Dexter Walker und Spencer Starnes renommierte Musiker der hyper-kreativen Texas Szene mit und verstärkte sich zudem bei zwei Duetten mit Katja Kaye bzw. Anja Meiert. Vor den kommerziellen Erfolg haben die Götter etliche Hürden aufgebaut, von denen einige bereits genommen sind. Bleibt zu hoffen und Ulli Möhring zu wünschen, dass er die restlichen auch packt und vor allem einen Vertrieb organisiert, der das wunderschöne Album auch an die Kunden bringt. Man kann ihm eigentlich nur den guten Rat eines seiner eigenen Songs geben: „Gib niemals auf“ – aber den braucht ein Ulli Möhring nicht, denn er befolgt ihn bereits sein ganzes Leben lang.
Album-CD: „Leben“, Erscheinungsdatum: 2005, Label: Eigenvertrieb
Trackliste: 01. Am Ende des Tunnels, 02. Carpe Diem (Duett mit Katja Kaye), 03. Withering Roses (Duett mit Anja Meiert), 04. Leben neu entdeckt, 05. Was man Liebe nennt, 06. Gib niemals auf, 07. Trommeln in der Nacht, 08. Neubeginn, 09. Wieder ich, 10. Erinnerung, 11. Publikum, 12. Loslassen, 13. Gemeinsam sind wir stark




