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Chris Stapleton überzeugt in Hamburg

Chris Stapleton präsentierte im Mojo Club eine Mischung aus Country & Blues.

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Chris Stapleton (Hamburg, Mojo Club) Chris Stapleton: Bildrechte, Bernd Wolf

Nur gut zwei Wochen nach dem fantastischen Konzert von Eric Church führte uns der Weg wieder auf die Reeperbahn in Hamburg, diesmal in den Mojo Club. Chris Stapleton lockte uns diesmal an, und das Konzert war seit Wochen ausverkauft.

Berichte von Bekannten, die ihn in München und Berlin gesehen hatten, deuteten einen langen Abend an, aber nicht wegen der Länge des Konzertes, sondern wegen langer Wartezeit zwischen dem Opening Act Gabriel Kelley und dem Star des Abends. Robby Turner, letzter Steeler von Waylon Jennings und Steeler der Highwayman, der nicht nur auf dem Album „Traveller“, sondern auch live mit dem Protagonisten unterwegs ist, weilte in den USA, und so war die Rede von einer dreiköpfigen Band, also Chris Stapleton an der Gitarre und dazu Bass und Drums, unterstützt von Ehefrau Morgane Stapleton an Backing Vocals.

Mit reichlich offenen Fragen betraten wir ebenerdig den Mojo Club und bahnten uns den Weg nach unten, zwei Stockwerke tiefer, vor die Bühne. Ausverkauftes Haus, entsprechend groß war das Gedränge. Das Publikum kann das Konzert auf zwei Ebenen verfolgen. Wir entschieden uns gegen die Galerie und mischten uns unter das Volk.

Pünktlich begann ein lächelnder, positiv gestimmter Gabriel Kelley sein Set, mit Akustikgitarre, Mundharmonikas und diversen fußbedienten Percussionelementen. Dazu Gesang, das sah nach reichlich Beschäftigung aus für die One-Man Band. „Manche Leute halten mich für einen Bruder von Chris Stapleton“, scherzte er zu Beginn, der junge Mann aus Georgia, der seit knapp 15 Jahren in Nashville lebt. Er kam nicht direkt aus Berlin, sondern tatsächlich aus Stockholm, wo er seine Skandinavientour begann, die er nun für den Trip nach Hamburg nochmal unterbrach.

Er stellte seine Songs vor, gut gelaunt, mit gut klingender Gitarre und durchaus mit emotionalem Tiefgang. Er sei nicht interessiert daran, Fans zu bekommen, sondern Freunde zu finden. Eine Philosophie, die man sich gern mal auf der Zunge zergehen lassen darf. Und so spielte er auch: Ganz ruhig, ganz ausgeschlafen, aufmerksam und sehr musikalisch präsentierte er Songs von seinen beiden Alben und der EP, auf die wir auch noch an anderer Stelle eingehen werden. Nach seinem sympathischen Set, das vom ebenso aufmerksamen Publikum entsprechend honoriert wurde, verließ er mit großem Dank die Bühne und entließ das Publikum, auf den Star des Abends wartend, in die Umbaupause.

Nachdem das Publikum in München und Berlin jeweils über eine Stunde warten musste, bis Chris Stapleton die Bühne betrat, blieb dem Hamburger Publikum diese unverständliche Tortur erspart. Nach gut 25 Minuten Pause betraten die vier Musiker die Bühne. Mit der aktuellen Billboardsingle „Nobody To Blame“ ging es druckvoll los. Stilistisch liegt hier Stapleton deutlich im Fahrwasser von Waylon Jennings, allerdings ist, in dieser knappen Besetzung, der Klangteppich deutlich dünner, und die gesamte instrumentelle Arbeit ruht auf den Schultern dieses bärtigen Interpreten und Songwriters. So spielte und sang sich Chris Stapleton durch sein Repertoire, bis der um die Europatournee herum besonders herausgestellte Song „Fire Away“, zu dem es ja ein erstklassiges Video gibt, einen ersten Höhepunkt bescherte. Laut sang das Publikum mit, und beide Stapletons strahlten. Gänsehautgefühl deutete Morgane gar an, und es gefiel dem Paar so gut, dass Chris das Publikum nach dem Song nochmals den Chorus singen ließ.

Bei „More Of You“ sang wiederum das Publikum laut mit. Sehr interessant und auch harmonisch übrigens war die Platzierung der Mikrofone des Ehepaars Stapleton. Leicht zueinander gewandt, himmelten sich die Beiden mitunter an, so auch und vor allem natürlich bei „More Of You“. Morgane durfte ihren Teil des Albums „Southern Family“ vorstellen, unterstützt von Chris. Auch als Dreivierteltakt kommt „You Are My Sunshine“, die alte Hymne von Jimmie Davis, gut ‚rüber und Morgane durfte zeigen, dass sie nicht nur bei den Backings, sondern auch im Leadgesang zu überzeugen weiß. Überhaupt ist ihre sympathische Art ein mehr als angenehmer Bestandteil des Konzertes, und man würde sich wünschen, sie dürfte mehr als nur einen Song singen. Ein Duett der Beiden wäre da für die Zukunft wünschenswert.

Auf musikalische Art, nämlich mit Bluesgesang, stellte Chris Stapleton dann seine Band vor, um aus diesem Gesang heraus „Tennessee Whiskey“ anzustimmen, erneut unterstützt vom sehr textsicheren Publikum. Am Ende dieses Standards, mit dessen bluesigem Arrangement ich mich immer noch nicht anfreunden kann, bedankt sich Chris Stapleton und beendet nach weniger als einer Stunde sein Konzert. Natürlich lässt ihn das Publikum so nicht gehen.

„Ihr seid vielleicht das beste Publikum, dass wir in Europa hatten“, ruft er von der Bühne herunter. Fünf Zugaben sollten es am Ende dann werden, darunter „The Devil Named Music“ ganz allein, mit Akustikgitarre. Vielleicht neben „Fire Away“ das Highlight dieses Abends. Während er quasi sein komplettes Album live spielt, warte ich immer noch auf den Titelsong „Traveller“, den er aber am Ende schuldig bleibt. Dies hat mir persönlich weder gefallen noch kann ich es nachvollziehen, hat er doch für diesen Song den Grammy für „Best Country Solo Performance“ gewonnen. Aber gut, ich bin auch nur einer unter Vielen an diesem Abend.

Während das Publikum zufrieden und in guter Stimmung den Ort des Geschehens verlässt, versuche ich, dieses Konzert nochmal Revue passieren zu lassen. Am Ende stelle ich in der Bewertung meinen Geschmack hinten an. Ich muss gestehen, dass Blues nicht meine Welt ist, und Chris Stapleton scheint diese Spielart besonders zu liegen. Das Publikum indes folgte hier dem Hauptakteur, und so darf man feststellen, dass Chris Stapleton in Hamburg überzeugt und teilweise begeistert hat. Ich persönlich gebe unumwunden zu, dass mir im Vergleich zum Album ein wenig instrumentelle Vielfalt gefehlt hat. Insgesamt aber dürfen wir dankbar sein, dass so viele große Namen der aktuellen Country Music ihren Weg nach Deutschland gefunden haben und hoffentlich weiter finden werden. Chris Stapletons Weg werden wir dabei mit Interesse weiter verfolgen. Der Grundstein für ein erfolgreiches Wirken in Deutschland ist gelegt.

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3 Kommentare zu Chris Stapleton überzeugt in Hamburg

  1. Ich war ebenfalls in Hamburg bei Chris und die Woche zuvor bei Eric. Mein Fazit, zwei Interpreten, unterschiedliche Auftritte, dennoch ein unvergessliches Erlebnis! Bitte mehr davon!

  2. Wir haben das Konzert in München und dabei einen Ausnahmemusiker mit ordentlichen Starallüren miterlebt. Eine Stunde Wartezeit und dann eine Stunde spielen (nicht einmal die eine CD vollständig gespielt) und dann gehen ist eine Unverschämtheit.
    Wahrscheinlich kann er es sich leisten weil Stimme und Songs fantastisch sind, aber einen unangenehmen Beigeschmack hat er jetzt für mich.
    Auch ein Entertainer, oder gar nur ein freundlicher Mensch scheint er nicht zu sein.
    Eine Woche vorher Eric Church war das genaue Gegenteil.

  3. Moin Moin,
    ich war auch in Hamburg dabei und sehe einiges genauso wie der Schreiber des Artikels. Hätte mir eine zweite Gitarre gewünscht und gern ein paar fetzige Soli gehört. Aber ich habe auch Krtik anzumelden, denn nach knapp einer Stunde die Bühne zu verlassen, fand ich echt enttäuschend und Frau Stapleton fand ich eher überflüssig. Bis zu dem Moment, als sie zu ihrem Solo kam. Dafür zolle ich Respekt.
    Insgesamt freue ich mich aber, dabei gewesen zu sein.
    In diesem Sinne…

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