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T-Bone Burnett: Mr. Americana

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T-Bone Burnett ist Musiker, Produzent, Soundtrackgenie – ein Künstler auf dem Höhepunkt. Der Mann ist gleichsam der König Midas der amerikanischen Musikproduzentengilde. Was er in die Hand nimmt, wird veredelt, wird vergoldet. Künstlerisch und kommerziell. Zuletzt half er Jakob Dylan und Willie Nelson dabei, ihre Art von Country Music zu definieren. Daneben schafft er es immer wieder, kongeniale Film-Soundtracks zu entwerfen. Er war der Vater des Überraschungscoups und Millionensellers „Oh Brother, Where Art Thou“, der Country und Old Time Music zurück ins Bewusstsein von Publikum und Musikern brachte.

Sein Soundtrack zu „Walk The Line“ schaffte den richtigen musikalischen Spannungsbogen für das gelungene Johnny Cash-Biopic. Und seine Filmmusik zu „Crazy Heart“ und die Auswahl ihres Protagonisten Ryan Bingham zeigte sein großes Können im Aufspüren von authentischen Americana-Künstlern auf. T-Bone Burnett ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Grund genug, hier einmal seine Geschichte zu erzählen.

Glaube an Gott und Liebe zur traditionellen Musik

T-Bone BurnettJoseph Henry Burnett wird am 14. Januar 1948 in St. Louis, Missouri, geboren und wächst in Fort Worth, Texas, auf. Dort findet er den Zugang zu zwei Einflüssen, die ihn sein ganzes Leben prägen werden. Den christlichen Glauben und die Liebe zur traditionellen amerikanischen Populärmusik.

Hier werden die Wurzeln für seine spätere Rolle des Musikarchivars und Americana-Impresarios gelegt: „Ich habe traditionelle amerikanische Musik gehört seit ich 10 Jahre alt war“, sagt er dazu. Zusammen mit seinem Freund Stephen Bruton kam er schon früh mit den traditionellen Klängen von des Smithsonian-Labels „Folkways“ in Berührung. So hängt er in Musikkneipen und Plattenläden ab, hat aber schon früh ein eigenes Aufnahmestudio, in dem er mit vielen Rock-, Blues-, Country- und R’n’B-Künstlern in Kontakt kommt.

Seine ersten musikalischen Spuren als Performer hinterlässt er 1972 in Los Angeles. Dort nimmt er seine erste Platte mit der Bluesgruppe „The B-52 Band“ auf. „The B-52 Band and the Fabulous Skylarks“, heißt das Werk. Zu dieser Zeit freundet er sich mit Bob Dylans Freund und Manager Bob Neuwirth an. Dadurch kommt er auch in Kontakt zu Dylan selbst und wird eingeladen an der legendären „Rolling Thunder Review“ teilzunehmen. Ein karnevalesker Hippie-Rock-Folk-Troß unter der Führung Dylans, der in zwei Abschnitten 1975 und 1976 quer durch die Vereinigten Staaten reist.

Nach Auslaufen der Rock-Karawane schließt sich T-Bone mit zwei weiteren Rolling Thunder“-Mitmusikern – Steven Soles und David Mansfield – zur „Alpha Band“ zusammen. Von 1976-79 entstehen drei solide Rock-Alben, der große kommerzielle Durchbruch gelingt aber nicht. In diese Zeit fällt auch Bob Dylans Konversion zum Christentum. Bis heute wird Burnett eine zentrale Rolle in Dylans „Erweckungserlebnis“ zugesprochen. Doch ebenso lange streitet T-Bone das schon ab: „Das ist absolut falsch… Bono hat es so ausgedrückt, dass der Geist Gottes zu der Zeit um die Welt ging…Die Jungs von U2 interessierten sich für die Kirche und Jungs aus anderen Bands interessierten sich für die Kirche. Rund 15 Leute aus der Tour stießen damals zur Kirche oder kamen zu ihr zurück“, erklärte er erst jüngst in einem Interview.

Erste Solowerke

1980 veröffentlicht er sein erstes Album als Solokünstler. „True Decay“ ist ein Roots-Rock-Album und laut Rolling Stone durchtränkt von mythischem, christlichen Blues. Zwei Jahre später hat Burnett dann erstmals so etwas wie kommerziellen Erfolg. Er bringt die die EP „Trap Door“ heraus und mit „I Wish You Could Seen Her Dance“ sogar einen Radiohit. In der Folgezeit tourt er als Opening Act mit „The Who“ und leitet eine Band, in der mit Mick Ronson wieder eine alter „Rolling Thunder“-Kumpel mit dabei ist. Von 1983 bis 1992 erscheinen noch weitere vier Alben – „Proof Through The Night“, „T-Bone Burnett“, „The Talking Animals“ und „The Criminal Under My Own Hat“ – doch der große Durchbruch als Solokünstler will ihm einfach nicht gelingen.

Erfolge als Produzent

Parallel zu seinen nicht wirklich erfolgreichen Soloarbeiten, beginnt sich T-Bone in den 80ern wieder an seine Anfänge zu erinnern. Bereits 1972 hatte er in seinem Aufnahmestudio die legendären Delbert McClinton und Glen Clark produziert. Nach mehr als zehn Jahren Pause nimmt er sich dann 1983 Leo Kotkes Album „Time Step“ an. 1984 folgt die Arbeit an dem Los Lobos Album „How Will The Wolf Survive?“. Dies gibt die Richtung vor. Neben der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Elvis Costello und Roy Orbison Ende der 80er Anfang der 90er Jahre, stehen in den nächsten Jahren eine Reihe von Künstlern im Mittelpunkt seiner Produzententätigkeit, die allesamt in den Bereich Country & Americana gehören: Die Nitty Grity Dirt Band (Album „Live Two Live“, 1991), die Counting Crows („August and Everything After“, 1993), Gilian Welch, Jakob Dylan’s „Wallflowers“, Bluegrass-Legende Ralph Stanley, die Gruppe „Ollabelle“ und immer wieder seine Frau Sam Philipps. Die meisten der von Burnett produzierten Alben werden sowohl Kritiker- als auch Publikumserfolge.

Soundtrack-Magier

T-Bones erste Arbeiten als Soundtrack-Produzent von Hollywood-Filmen entstehen durch die Zusammenarbeit mit den Coen Brüdern. Fungierte er noch bei „The Big Lebowski“ als musikalischer Archivar, der alte Stücke von Bob Dylan, CCC und ZZ Top ausgräbt, um der Hauptfigur, dem „Dude“, eine musikalische Identität zu geben, schafft er als Soundtrack-Produzent von „Oh Brother, Where Art Thou?“ sein Meisterstück. Der Mississippi-Odysee aus den Zeiten der Depression und der Chain-Gangs schneidert er ein musikalisches Gewand, das perfekt sitzt. Die ausgewählten Bluegrass-, Old Time-, Gospel-, Blues- und Countrystücke wirken auch jenseits des Films, werden ein noch größerer kommerzieller Erfolg als der Kinostreifen selbst. Es wird sogar ein Konzert mit den Künstlern im legendären Ryman Auditorium in Nashville veranstaltet, von dem es wiederum auch einen Film und die dazugehörige Soundtrack-CD – „Down on the Mountain“ – gibt. T-Bone scheint seine Bestimmung gefunden zu haben.

In der Folgezeit wird das Soundtrack-Tüfteln zu seinem zweiten erfolgreichen Standbein. Für die Filme „Unterwegs nach Cold Mountain“, „Walk The Line“ oder „Don’t Come Knocking“ von Wim Wenders entwirft er die Filmmusiken und stellt die Songs zusammen, die die Handlung untermalen. „Ich hatte in diesem Job immer eine enorme Freiheit“, erklärte in einem Interview jüngst seine Vorliebe für diese Arbeit und seine Produktivität in diesem Genre. Und Burnett macht etwas aus dieser Freiheit, schafft mit seinen Soundtracks Kunstwerke, die auch alleine neben den Filmen bestehen können.

Burnett und die Country Music

Ein weiteres Meisterstück wird dann in diesem Jahr der Soundtrack zum Film „Crazy Heart“. Jeff Bridges spielt darin den heruntergekommenen Country-Sänger Bad Blake. Wie Burnett dieser Person einen musikalischen Anzug im Geiste von Hank Williams und mit Songs von Waylon Jennings, Townes van Zandt sowie dem Alternative Country-Wunderkind Ryan Bingham webt, ist eine Leistung erster Güte und sagt viel aus über Burnetts Verständnis von Country Music. Denn das ist näher an traditioneller Country Music und den modernen und gleichsam traditionsbewussten Alternative Country-Klängen als am Nashville-Mainstream von heute.

Der Impresario wird nicht müde

An einem weiteren Filmprojekt arbeitet Burnett aktuell. Er betreut den Soundtrack zur Fernsehserie „Tough Trade“ über eine Familie, die seit Jahrzehnten im Country-Business von Nashville beheimatet ist.
Und unermüdlich wirkt Burnett auch als Plattenproduzent weiter, scheinbar ist ihm die Country Music seines Gusto immer wichtiger geworden über die Jahre. Jakob Dylan und Willie Nelson hat er bereits in diesem Jahr zu sehr guten Country-Alben verholfen, Steve Earle und Gregg Allman stehen noch auf der Liste, und auch Heartland-Rocker John Mellencamp gehört zu seinen aktuellen Kunden.

So steht T-Bone Burnett derzeit auf der Höhe seines Erfolges. Ein kluger, aufgeklärter, völlig unfundamentalistischer Christ, ein kenntnisreicher Musik-Archäologe, ein umtriebiger Erfolgsproduzent und genialer Soundtrack-Magier. Dass daneben seine eigene Karriere als Solokünstler nie so richtig zur Entfaltung kam, wird er verschmerzen können. Denn T-Bone Burnett hat bereits jetzt amerikanische Musikgeschichte geschrieben.

   
Twenty Twenty - The Essential T-Bone Burnett
CD: „The Essential T-Bone Burnett“
Erscheinungsdatum: 2006
Label: Sony Music

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Trackliste: (CD 1)

01. Humans From Earth
02. Born In Captivity
03. Primitives
04. Power Of Love
05. Fatally Beautiful
06. Monkey Dance
07. Long Time Now
08. River Of Love
09. Shut It Tight
10. Tear This Building Down
11. Murder Weapon
12. Image
13. Kill Zone
14. Hula Hoop
15. Criminals
16. Diamonds Are A Girl’s Best Friend
17. No Love At All
18. When the Night Falls
19. Over You
20. Bird That I Held In My Hand

  Trackliste: (CD 2)

01. Every Little Thing
02. House Of Mirrors
03. Dogs
04. Shake Yourself Loose
05. Kill Switch
06. I Wish You Could Have Seen Her Dance
07. Hefner And Disney
08. Driving Wheel
09. Boomerang
10. Euromad
11. Strange Combination
12. East Of East
13. People’s Limousine
14. Trap Door
15. I’m Coming Home
16. It’s Not Too Late
17. Song To A Dead Man
18. After All These Years
19. Man, Don’t Dog Your Woman
20. Bon Temps Rouler

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Über Thomas Waldherr (528 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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