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Freddy Quinn wird 80 – Herzlichen Glückwunsch

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Auch wenn es in den letzten Jahren ruhiger um ihn wurde, Freddy Quinn ist und bleibt ein Superstar des Show Business. Ich kenne keinen Künstler, der so vielseitig und in so unterschiedlichen Bereichen erfolgreich war, wie dieser in Österreich geborene Entertainer. Im Laufe seiner langen, so einzigartigen Karriere hat man zahllose Artikel und Bücher über ihn geschrieben, wobei Dichtung, Spekulation und Wahrheit oft nicht mehr zu unterscheiden waren.

An dieser Stelle soll daher auch nicht detailliert auf seine Karriere und sein Leben eingegangen werden, dazu kann man sich an anderen Stellen informieren. Ich möchte hier auf seine Beziehung zur Country Music eingehen. Denn es gibt sicher noch Menschen, die sich fragen: Freddy Quinn und Country Music – wie passt das zusammen?

Die Country Music zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben des Freddy Quinn, ein Faden, der mal dicker und mal dünner war. Schon 1974 sagte er mir unmittelbar nach einer Rückkehr aus Nashville: „Der Anlass, dorthin zu gehen, war meine stille und heimliche Liebe, die Country Music.“ Und auf meine Frage nach einem besonderen Erlebnis in Nashville, sprudelte es voller Begeisterung aus ihm heraus: „Im Studio klopfte mir plötzlich Jemand auf die Schulter. Als ich mich umdrehte stand Chet Atkins vor mir, der mich begrüßte. Chet hatte 1957 eine Session mit mir gespielt, damals waren schon Floyd Cramer, Bobby Moore und Jerry Kennedy dabei. Es war mein erster Versuch in einem Studio in Nashville gewesen.“ Und auf die Frage, was sich seit 1957 veränderte hatte: „Der Fortschritt hat natürlich auch in Nashville Einzug gehalten. Das gesamte Stadtbild und der Charakter der Stadt sind verändert. Es wurden viele neue, moderne Studios gebaut. Die kleinen Ställe, the barns, wo früher im Hinterhof aufgenommen wurde, die gibt es nicht mehr. Die Musik ist kommerzieller geworden, es gibt weniger Bluegrass und Hillbilly, es wird mit Blick auf die Top 40 Charts produziert.“ Dies sagte er schon 1972!

Der Mann kennt sich also mit Country Music aus. Er hat sie in jungen Jahren kennen und lieben gelernt. Geboren wurde er als Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl am 27. September 1931. Seine Mutter Edith Nidl war Journalistin, sein Vater ein Kaufmann irischer Abstammung namens Johann Quinn. Sie heirateten erst nach Freddy Quinns Geburt. Mit seinem Vater reiste er in die USA, beide blieben dort und siedelten sich in Morgantown, West Virginia an, wo Quinn auch die Grundschule besuchte. Er lernte dort nicht nur die Landessprache perfekt sondern auch die Country Music kennen. „Dort wurde ich infiziert und bin nie wieder von Hillbilly Music weggekommen“, sagte er mir. „Diese Musik hat mich später wiederholt über Wasser gehalten, ehe ich als Sänger erfolgreich wurde.“

Quinn war 7 oder 8 Jahre alt als der Mutter das Sorgerecht zugesprochen wurde und er zurück nach Wien musste. Mit dem Stiefvater – seine Mutter hatte wieder geheiratet – kam Quinn überhaupt nicht zurecht. Nach den Wirren des 2. Weltkrieges kam er wieder in die USA, doch da sein Vater verstorben war, schickte man ihn zurück nach Europa. Es begann eine wahre Odyssee, denn wegen des verhassten Stiefvaters haute er von zu Hause ab und schlug sich auf alle möglichen abenteuerlichen Arten durch. Wo es sich anbot, verdiente er sich u.a. mit Country-Songs ein wenig Geld. Hinlänglich bekannt ist, dass er schließlich in Hamburg landete und in der legendären Washington Bar entdeckt wurde. Interessant wird es, wenn man sich seine ersten Aufnahmen näher betrachtet. Zu den im November 1952 beim damaligen NWDR im Rundfunkstudio entstandenen Aufnahmen gehören Red Foley’s „Old Shep“ sowie „Hillbilly Fever“, „Blues Stay Away From Me“ von den Delmore Brothers, Ernest Tubb’s „Seaman’s Blues“, das Traditional „Columbus Stockade Blues“, „Tennessee Border“ und sogar der Jimmy Dickens Hit „Take An Old Cold Tater“. 1954 bekam er einen Vertrag bei Polydor. Was dann aus seiner Karriere wurde, ist hinlänglich bekannt. Der Durchbruch gelang 1956 mit „Heimweh“, das im Original „Memories Are Made Of This“ heißt und aus der Country Music kommt. Auch die Rückseite der Single passte dazu, denn „Sie hieß Mary Ann“ war die Eindeutschung von Merle Travis‘ „Sixteen Tons“.

Seiner heimlichen Liebe, wie er es selbst beschreibt, blieb Freddy Quinn weiter treu, auch wenn seine Aufnahmen damals noch des typischen Country Sounds entbehrten. Aber er griff immer wieder auf Country Songs zurück und sang diese auch in Englisch. 1957 etwa waren es „Don’t Forbid Me“, „Waltz Of The Wind“ von Fred Rose geschrieben, Lefty Frizzell’s „I Want To Be With You Always“, „San Antonio Rose“ und „Long Gone Lonesome Blues“ von Hank Williams. Diese Serie setzte er 1958 fort . Zu seinen in Tokio entstandenen Aufnahmen gehörte u.a. wieder „Waltz Of The Wind“. Zurück in Hamburg ,produziert von Bert Kaempfert, nahm Quinn „Bouquet Of Roses“, „Let’s Say Goodbye Like We Said Hello“, „You’re Gonna Change“, „No Letter Today“ und „Have I Told You Lately That I Love You“ auf. Als „Country-Sänger“ aufgefallen ist mir Quinn zunächst mit „Guitar Playing Joe“, geschrieben von Lothar Olias und Quinn, aufgenommen 1959 in Hamburg, das er im Film „Unter fremden Sternen“ sang. Erstmals hörte man ihn im „Hillbilly-Sound“ mit einem ausgefallenen Instrument wie der Maultrommel. Auch „In The Wild Wild West“ einige Jahre später passte dazu.

Die so erfolgreichen 1960er Jahre wurden, musikalisch gesehen, von Lothar Olias dominiert. Auf Platten tauchten nur selten Country Songs auf. 1964 waren es „I’ll Hold You In My Heart“, der Chip Taylor Song „A Sailor Has Come Home“ sowie eine deutsche Version von „500 Miles Away From Home“.

Freddy Quinn war überaus erfolgreich mit Seemannsliedern und Schlagern, in denen es um Heim- und Fernweh geht – aber er machte fortwährend auch Aufnahmen von internationalem Zuschnitt. Dabei kam ihm sein ausgeprägtes Talent für Fremdsprachen zugute, denn er sang im Laufe der Jahre in vielen Sprachen, darunter Japanisch, Serbisch und Holländisch.

Die ersten Einspielungen im kommerziellen Nashville entstanden im Sommer 1969 in den legendären Woodland Studios. Zu den Musikern gehörten Pig Robbins, Chip Young, Jerry Kennedy, Johnny Gimble, Pete Drake, Bob Moore und Kenny Buttrey. Neben Standards wie „High Noon“, „Remember Me“, „He’ll Have To Go“ und „Tennessee Saturday Night“ griff Quinn auf Traditionals und Klassiker zurück wie „Jambalaya“, „Hand Me Down My Walking Cane“, Mountain Dew, „You Are My Sunshine“ und „Your Cheatin‘ Heart“. Es sollten nicht seine letzten Sessions in Nashville gewesen sein.

Von Freddy Quinn wurden im Laufe der Jahre mehrere Country Alben veröffentlicht. Dazu gehören „Tennessee Saturday Night“ (1970) und „It’s Country Time“ (1976), Alben, die die meisten der vorgenannten Songs enthalten. Daneben auch „Get Me Back To Tennessee (1981) mit weiteren in Nashville aufgenommenen Titeln und 1987 „Have I Told You Lately“. Wer nach Country Titeln von Freddy Quinn auf Tonträgern sucht, der wird bei Bear Family Records gut bedient, das Label veröffentlichte u.a. eine 4 CDs umfassende Box mit den frühen Aufnahmen Quinns bis Ende der 1960er Jahre.

Freddy Quinn baute bei seinen vielen Konzerten immer wieder und gern auch Country Songs ein, wirklich erfolgreich gewesen ist er mit diesem Genre aber leider nicht. Die breite Öffentlichkeit hat ihn nie als Countrysänger akzeptiert, dafür stand ihm sein Image zu sehr im Wege. Ebenso war er es unheimlich schwer, von den Country Fans hierzulande ernst genommen zu werden. In Nashville z.B. hatte er einen guten Namen bei denen, mit denen er dort zu tun hatte. Sie erkannten ganz schnell, dass er Country Music, besser noch gesagt Hillbilly im Blut hat, dass er voll hinter dieser Musik steht und sie mit jeder Faser liebt. So traurig es ist, womöglich haben ihm seine künstlerische Vielseitigkeit, sein Interesse an völlig verschiedenen Musikrichtungen im Weg gestanden.

Einige wenige Jahre aber standen Freddy Quinn und die Country Music im Focus der deutschen Öffentlichkeit. Am 18.1.1982 startete das ZDF eine Serie von Country-Shows, deren erste Folge in Anlehnung an den damaligen Top-Hit der Gruppe Truck Stop noch „Ich möchte so gern Dave Dudley hör’n“ hieß, in Saarbrücken stattfand und danach in „It’s Country Time“ umbenannt wurde. Bis 1984 sind eine Reihe von Folgen in unterschiedlicher Länge produziert worden. Das Besondere an den Shows war der Umstand, dass alles live eingespielt wurde, also kein „Playback“ oder „lip-sync“ wie die Amerikaner sagen. Nicht nur Top Stars der damaligen Country-Szene hat man aus den USA eingeflogen sondern auch die Creme der Studiomusiker. Beeindruckend nicht nur für mich sondern vor allem für die „Fernsehschaffenden“ wie locker und unkompliziert sich die Country-Künstler an die Arbeit machten. Die Liste der Stars reichte von Hank Williams Jr. über Bobby Bare, Dave Dudley, Don Gibson, Vern Gosdin, Grandpa Jones, Jeannie C. Riley, Billie Jo Spears, The Drifting Cowboys, John Conlee bis Hank Thompson, um nur einige zu nennen. Dazu Stars aus TV Western-Serien wie Ken Curtis alias Festus Haggen oder Henry Darrow alias Manolito. Noch heute gehören diese Produktionen zum Besten, was in Sachen Country Music im deutschen Fernsehen gesendet wurde. Nicht zuletzt dank des Einflusses, Willens und Fachwissens eines Freddy Quinn. Unverständlich bleibt, warum diese hochkarätigen Shows angesichts einer wahren Wiederholungsflut auf unseren TV-Kanälen nicht längst einmal wieder zu sehen gewesen sind. Der 80. Geburtstag des Freddy Quinn wäre ein trefflicher Anlass gewesen.

Der Jubilar Freddy Quinn kann auf eine lange, sehr erfolgreiche und facettenreiche Karriere zurück blicken. Ein wenig mehr Ruhe hat sich der immer sehr ehrgeizige Künstler verdient. Zu seinem runden Geburtstag wünschen wir ihm, auch im Namen der Country-Fans alles Gute und noch möglichst viele Jahre bei bester Gesundheit.

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