UB40 machen Country zu Reggae
Dabei präsentiert sich das neue Album als eine Kombination aus brandneuen Reggae-Tracks – fünf Stück an der Zahl – und Coverversionen von diversen Country-Klassikern. Brian Travers, seines Zeichens Saxofonist der Band, weiß ganz genau, wie gut Contry Music (nicht nur) bei ihren Fans in der Karibik ankommt: „Wir alle haben viel Zeit in Jamaika verbracht, und Contry Music ist dort einfach ein zentraler Teil der Kultur. Es ist halt ein ganz ehrlicher Sound, genau wie Reggae. Schon aus dem Grund passen die beiden Genres perfekt zusammen.“
MC Astro (Trompete, Percussion) sieht die Sache genauso: „Ich wage zu behaupten, dass es in der Karibik kaum einen Haushalt gibt, in dem man kein Album von Jim Reeves finden kann. Also bei mir daheim zumindest gab’s einige davon, und bei all meinen Freunden aus der Region, mit denen ich aufgewachsen bin, sah’s genauso aus. Wenn man einen seiner Freunde besuchte, schaute einen als erstes immer Jim Reeves an: Das Cover mit seinem Antlitz vorne drauf stand meistens oben auf einem dieser großen Blue-Spot-Plattenspieler. Es gibt da diese ganz besondere Verbindung zwischen Country und Jamaika.“ „Allerdings ist es kein Country-Album“, unterstreicht Sänger Robin Campbell nachdrücklich. „Es ist ein UB40-Album. Ein Reggae-Album. Für das wir ausnahmsweise Coverversionen von Country-Songs angefertigt haben.“
Seit der Bandgründung im Jahr 1978 sind UB40 immer wieder mit politischen Texten aufgefallen, doch auf „Getting Over The Storm“ geht es ihnen in erster Linie um etwas anderes: Herzensangelegenheiten, Gefühlsfragen, Persönliches. Der Song mit dem deutlichsten politischen Einschlag ist somit wohl ihre Version von „How Can A Poor Man Stand Such Times And Live?“, der während der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 von Blind Alfred Reed geschrieben wurde (und erst 1970 in der Version von Ry Cooder richtig bekannt werden sollte). „Die Texte haben wir zum Teil etwas überarbeitet, um sie ins Hier und Jetzt zu transportieren“, erläutert Robin, „doch es stimmt: Das ist der einzige politische Track auf dem Album. Alle anderen handeln eher davon, wie ein Mensch einen anderen verletzt. Alles gebrochene Herzen.“ Typisch Country eben, möchte man da sagen.

