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Goeff Berner & Corb Lund – Jewish Folk meets Canadian Country

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Goeff Berner und Corb Lund machten auf ihrer gemeinsamen Europatournee auch Station in Darmstadt. Die beiden traten in der Reihe „Gute Stube“ im Hoffart-Theater auf, und lösten einen enormen Ansturm auf die recht kleine Location aus. Dicht gedrängt lauschte das Publikum im Sitzen, Stehen und Knien dem Gig, und war am Ende vollauf begeistert.

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Wer sich vor dem Konzert fragte, wie der bitterbös-kritische Folker Berner mit dem sympathischen vom Äußeren her typischen All-American-Boy Lund zusammen passen sollte, der bekam schon nach wenigen Songs eine überzeugende Antwort: Beide sind Volksmusikanten, beide spielen Folk. Wo Berner in seinen Songs richtig bösen jüdischen Witz und sarkastisch-humorvolle Gesellschaftskritik walten lässt, da spielt Lund seine Countrymusik stets mit einem ironischen Augenzwinkern.

Gegensatzpaar wird geniales Duo

Und so bilden die so scheinbar gegensätzlichen Künstler auf der Bühne ein geniales Duo. Berner greift auf jüdische Folkwurzeln zurück, die mehr zu bieten haben, als gefällige Klezmermusik. Er singt ein böses Lied über die Polizei – „Daloy Polizei“ – das im Refrain den Ordnungshütern das schlimme F-Wort entgegengeschleudert. An dieser Stelle animiert Berner das Publikum zum mitsingen, und das macht mit großem Spaß mit. Der Kanadier Corb Lund wiederum nimmt die Frömmelei und Bigotterie des US-Amerikanischen „Bible Belt“ mit seinem Song „Bible On The Dash“ aufs Korn. Der Song stammt von seiner aktuellen Platte „Cabin Fever“, für die er das Stück zusammen mit seinem texanischen Bruder im Geiste, Hayes Carll, eingespielt hat.

Fröhlich-ironisch ist Corb auch bei dem flotten „Cows Around“, mit dem er im vergangenen Jahr auch in der Marty Stuart Show aufgetreten ist. Überhaupt: In seiner Heimat spielt Corb Lund vor Zehntausenden von Menschen, auf seiner Europatour nun in kleinen Klubs und Säälen. Lachend stimmt er mir beim Treffen vor dem Konzert zu, als ihn frage, ob das eine Art von „Macigal Mistery Tour“ für ihn sei. „Geoff hat hier in Europa sein Publikum, ich nicht. Ich will hier mal vorbeischauen und auf mich aufmerksam machen“, begründet er diese Konzertreise. Corb Lund ist ein völlig unprätentiöser, bescheidener und höflicher Mensch und er nimmt sich geduldig Zeit für das Gespräch vor dem Konzert.

Goeff Berner & Corb Lund in Darmstadt

Dass er auch Selbstironie besitzt, und über sich lachen kann, beweist er an diesem Abend mit der Darbietung von „Getting Down On The Mountain“. Das Lied handelt davon, ob die Menschen heutzutage überhaupt noch in der Wildnis ohne die Annehmlichkeiten der Zivilisation überleben können. Geoff Berner nimmt durch böse und bissige Zwischenrufe dem Stück das etwas zu große Pathos, und Corb hat Mühe den Song ohne Lachanfälle über die Bühne zu bringen. Die beiden sind, so verriet mir Corb, seit vielen Jahren befreundet und das spürt man auf der Bühne ganz deutlich.

Fröhliches gegenseitiges hochschaukeln und ein begeistertes Publikum

Dass sie dabei von ganz unterschiedlicher Herkunft sind, lässt einen an anderes großes musikalisches Gegensatzpaar denken, dass sich ebenfalls stets künstlerisch und menschlich verbunden fühlte: Johnny Cash und Bob Dylan. Genau wie diese haben auch Geoff und Corb Songs im Gepäck, die ihnen beiden gehören. So wie „That’s What Keeps The Rent Down Baby“, dem ironischen Song über die Gentrifizierung der Städte, den Geoff Boerner geschrieben hat und den Corb ebenfalls stets auf seinen Konzerten spielt. Auch an diesem Abend darf das Stück natürlich nicht fehlen. Und wird genauso zu einem der Höhepunkte wie Geoffs böses Lied über die Maginot-Linie im 1. Weltkrieg. Da passt dann auch gut Corbs „I Wanna Be In The Cavalry“, das davon erzählt wie einer voller Begeisterung zur US-Kavallerie geht, um dann an Krieg, Gewalt und Hunger zugrunde zu gehen. „Das sind unsere Songs über militärische Desaster“ sagt Berner und grinst dabei schelmisch.

Und so schaukeln sich die beiden im Laufe des Abends immer wieder hoch. Denn Corbs Lied über die Kühe setzt Geoff sein „When DeeDee Gets Her Donkey, Everything Will Be Alright“ entgegen. Und so arbeiten sich die beiden Freunde voller Spaß durch ihre Songs zu den Themen Religion, Tiere, Krieg, Natur und Frauen. Das Publikum lässt sie erst nach einigen Zugaben wieder von der Bühne. Und alle gehen strahlend nach Hause. Corb Lund und Geoff Berner – ein Doppelpack, der es in sich hat. Wer dabei gewesen ist, hat was ganz besonderes erlebt. Und das Beste: Corb hat gesagt, er möchte gerne wiederkommen.

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Über Thomas Waldherr (804 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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