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Spielfreudig, poetisch und politisch – SONiAs mitreißender Auftritt im Pädagog

Amerikanische Singer-Songwriterin beschert der Darmstädter Americana-Reihe ein Highlight!

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Truck Stop 2019
Sonia (Bildrechte, Thomas Waldherr)

Einen besonderen Gast durften die Macher der Darmstädter Konzertreihe Americana im Pädagog (präsentiert von Country.de) am Donnerstagabend (9. April) zu einem Extra-Konzert auf der Bühne des rustikalen Gewölbekellers des TIP begrüßen. Die Singer-Songwriterin SONiA aus Baltimore, Maryland, machte auf ihrer diesjährigen Deutschland-Tour erstmals Station in Darmstadt. Und gewann sofort die Herzen des Publikums.

Gut zwei Stunden lang fesselte sie die Zuhörer nur mit ihrer Stimme, ihrer Gitarre und ihrer Mundharmonika – und ihrer Persönlichkeit und Performance. Die zierliche Sängerin ist ein wahres Energiebündel. Mit Verve schlägt sie die Gitarre an, bläst die Mundharmonika mit voller Kraft und lebt ihre Songs aus. Dazu kommt eine natürliche Ausstrahlung mit Struwwelfrisur und sympathisch-breitem Lächeln. Die expressiven Energieausbrüche werden gleichzeitig von einer einnehmenden Bescheidenheit begleitet. SONiA macht nicht viel Aufheben um sich. Im Mittelpunkt stehen ihre Songs und ihre Musik.

Songs, die nicht nur schnell und mitreißend sind wie „The Other Man“ oder „The Banker“, sondern auch langsam und nachdenklich wie „Sugarcane“ oder „Princess And The Honey Bee“. SONiA bildet die gesamte Palette menschlicher Gefühlswelten ab: Liebe und Trauer, Zorn und Scham, Kampf und Rückzug. Und all dies auf einem klaren Folk-Rock-Fundament. Und ist damit wohltuend weit entfernt vom leichtgewichtigem Coffeehouse-Folk-Pop oder den ewigen Molltönen der bärtigen Neo-Folker. Nein, SONiA schafft es, ihre Geschichten über die Abstiegsängsten der Menschen der Mittelklasse, gegen Krieg und Gewalt oder gegen die sexuelle Unterdrückung nie bitter oder einfach nur zornig, sondern stets auch optimistisch zu erzählen. Man merkt es der Künstlerin in jeder Minute ihres Auftritts an: Sie kämpft gegen das Unrecht, weil sie das Leben und die Menschen liebt. Sie ist sicher eine der großartigsten Singer-Songwriter überhaupt, die nicht die Aufmerksamkeit der großen Öffentlichkeit bekommen, die sie verdienen.

Dieses Schicksal teilt sie mit ihrem großen Vorbild Phil Ochs an dessen Todestag (9. April 1976) das Konzert stattfand und dessen Songs („Changes“, „Power And Glory“) natürlich auch an diesem Abend bei ihr im Programm waren. Eine Überraschung war dann aber selbst für die SONiA-Kenner der an diesem Abend eingestreute Dylan-Song „Like A Rolling Stone“. Ein Song des Songwriter-Übervaters, mit dem sie verwandt ist, auf einer Setlist von SONiA – das war eine echte Premiere! Hier kämpfte sie sich sympathisch und voller Leidenschaft durch das Dylan-typische übervolle Textdickicht und bekam beim berühmten Refrain „How Does It Feel“ dann aber auch viel gesangliche Unterstützung vom Publikum, das jetzt aus dem Singen nicht mehr herauskam und auch die Zugabe „Leavin‘ On A Jetplane“ – geschrieben von John Denver, berühmt durch Peter, Paul & Mary – zum großen Sing-A-Long machte. Und so verwandelte sich der Keller des altehrwürdigen Pädagogs zu Darmstadt für mehr als zwei faszinierende Stunden in einen Folk-Club mitten im Greenwich-Village.

Am Ende hatte SONiA der Reihe „Americana im Pädagog“ eine echte Sternstunde beschert. Einhellige Meinung: Sie muss wiederkommen!

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Über Thomas Waldherr (513 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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