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Chris Young bringt New-Country-Stimmung nach Köln!

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Chris Young (Bildrechte, Sheryl Nields)

Die schleichende Eroberung des deutschen Countrymarktes durch US-amerikanische Topkünstler ist diese Woche in eine neue Runde gegangen. Nach Szene- Acts wie The Band Perry, Eric Church, Darius Rucker und Luke Bryan hat sich mit Chris Young ein weiterer New-Country-Star über den großen Teich gewagt. Auch für den 30-jährigen Ex-Castingshow-Gewinner aus Tennessee stand der Deutschlandbesuch mit drei Auftritten in München, Köln und Berlin unter einem besonderen Stern, da seine Songperformances hierzulande weder professionell vermarktet werden noch in irgendwelchen Hitlisten auftauchen. Umso positiver dann die Erkenntnis, dass Künstler und Publikum nach dem ersten Deutschland-Auftritt in der Münchener Kultfabrik auch am 20. September in der Kölner „Kantine“ von Beginn an eine Verbindung fanden und das Konzert zu einem kurzweilig-stimmungsvollen Happening machten.

Um dem Topstar in Sachen Dynamik möglichst wenig Konkurrenz zu bieten, wurde auf einen klassischen Anheizer verzichtet. Stattdessen bot die zart wirkende Engländerin Frankie Davies mit gefühlvollem Stimmeinsatz eine respektable Akustikperformance, die dem Publikum einen gewollten Kontrast zur Fullbandpower des Hauptacts bescherte. Die junge Britin zählt in ihrer Heimat zur ersten Garde der Country- und Americanainterpreten und machte pünktlich die Bühne frei für den Mann, der in den USA mit insgesamt fünf Nummer-Eins-Hits zu den eher traditionsnahen Künstlern der New-Country-Szene gehört.

Um Punkt 20.00 Uhr betritt ein bestens aufgelegter Chris Young begleitet von den rockigen Riffs seines aktuellen Albumtitelsongs „A.M.“ die Bühne und versprüht damit die ersten Stimmungsfunken, die vom Publikum dankbar aufgenommen werden. Dieser Song ist im Rahmen des folgenden Hitfeuerwerks einer von drei Titeln der Setlist, die nicht als Single erschienen sind. Weiter geht es mit den frühen Nummer-Eins-Hits „Getting You Home“ und „Voices“, die die Countrywurzeln des Mannes aus der Kleinstadt Murfreesboro glaubhaft durchscheinen lassen. Young zeigt sich offensichtlich begeistert über die Stimmungslage des deutschen Publikums und fast gerührt, als er in den ersten Reihen Besucher aus seinem Heimatort ausfindig macht. Der New-Country-Star präsentiert sich als Künstler zum Anfassen, sucht den spielerischen Kontakt mit seinen Bandmitgliedern, von denen Steel-Ikone Terry Crisp und Lead-Gitarrist Kevin Collier im Mittelpunkt stehen.

Bei den jüngsten Top-10-Hits „Lonely Eyes“ und „Who I Am With You“ steigt die Mitsingquote spürbar an und schwappt auch auf die nichtamerikanischen Zaungäste über. Mit den Upbeats „I Can Take It From There“ und dem Rowdy-Rocker „Aw Naw“ dürfte dann auch beim letzten Besucher der Wecker geschellt haben. Die clevere Auswahl der Coversongs, wie Keith-Whitleys „When You Say Nothing At All“, den gerade die jüngeren Zuhörer mit der kommerziell erfolgreicheren Version von Ronan Keating in Verbindung bringen dürften, sowie ZZ-Top-Klassiker „Sharp Dressed Man“, sorgen für weitere Stimmungsmomente. In sein im November erscheinendes 5. Studioalbum gewährt der New-Country-Star nur wenig Einblicke. Lediglich die aktuelle Radio-Leadsingle „I’m Comin‘ Over“ wird dem Publikum als Vorgeschmack präsentiert.

Die eigentliche Stärke Youngs wird gegen Konzertende deutlich und liegt in den Slow-Songs. Das leichtgängige „You“, der Barroom-Crooner „Neon“ und die Megaballade „Tomorrow“ bilden das Finale, das Chris Young nach rund 70 Minuten Spielzeit in die lautstark geforderte Zugabe überführt. Mit dem Live-Favoriten „Save Water, Drink Beer“ und der Balladenperle „Text Me Texas“ gehen ein Künstler und sein Publikum mit dem sicheren Gefühl auseinander, für New-Country in Deutschland ein weiteres Stück Entwicklungsarbeit geleistet zu haben.

Was ist nun das Fazit dieses gelungenen Auftritts?

Chris Young schafft es, mit einer cleveren Mischung aus Country, Rock und Pop das deutsche Publikum auf seine Seite zu ziehen und dürfte damit die Tür für die nächsten New-Country-Acts noch ein Stück weiter geöffnet haben. Ob der New-Country als Stilrichtung bei uns stärkere Dominanz gewinnt, hängt nicht zuletzt davon ab, welcher Support von Seiten der Medien, Plattenfirmen und Veranstalter geleistet wird. Der Rahmen rund um das Kölner-„Kantinen-Konzert“ hätte da sicher noch den ein oder anderen Marketingimpuls vertragen können. Bis sich New-Country-Parties in Deutschland als stimmungsvoller Ausklang eines Live-Konzertes etabliert haben, bleibt es noch ein steiniger aber keineswegs aussichtsloser Weg.

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Über Bernd Wenserski (586 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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