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Various Artists – We Shall All Be Reunited. Revisiting The Bristol Sessions 1927 – 1928

Die "Bear Family" bleibt dem "Big Bang" der Countrymusik auf der Spur, indem auf einem neuen Sampler mittels denkwürdigen Aufnahmen und interessanten Liner Notes die legendären Sessions neu bewertet werden.

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We Shall All Be Reunited. Revisiting The Bristol Sessions 1927 - 1928 We Shall All Be Reunited. Revisiting The Bristol Sessions 1927 - 1928. Bildrechte: Bear Family Records

Sie sind so etwas wie der heilige Gral der Countrymusik: Die legendären Bristol Sessions haben sich im kollektiven Country-Gedächtnis als Geburtsstunde der klassischen Countrymusik eingebrannt. Die Geschichte wie Ralph Peer die Carter Family und Jimmie Rodgers entdeckt hat, ist viele, viele mal erzählt, gesungen und gepriesen worden.

Mit We Shall All Be Reunited präsentiert nun die für ihre opulenten Prachtboxen bekannte Bear Family auf einer Midprice-CD 26 denkwürdige und abwechslungsreiche Aufnahmen von Musikern aus den Appalachen aus den Bristol-Sessions der späten Zwanzigerjahre, die 2020 vom Toningenieur Marcus Heumann sorgfältig neu gemastert. Darunter die allerersten Aufnahmen der Carter Family und von Jimmie Rodgers sowie Aufnahmen von mehreren wichtigen frühen Country-Musikern wie Ernest Stoneman, Henry Whitter, Blind Alfred Reed und anderen.

Der Clou sind allerdings die Liner Notes von Ted Olson im 44-seitiges Begleitheft, das von Mychael Gerstenberger, dem künstlerischen Leiter von Bear Family, gestaltet wurde. Olson rückt darin den Mythos zurecht. Er zerstört ihn nicht, er ordnet ihn ein in die damalige Landschaft von Aufnahmesessions im Süden ein. In Asheville, North Carolina, in Knoxville und Johnson City, Tennessee finden ebenfalls für den Transformationsprozess von der Old Time zur Countrymusik wichtige Auditions statt. Doch Bristol ging durch die beste Lobbyarbeit als „Sieger“ des Titels „Birthplace Of Country Music“ hervor.

Dadurch wird die vielfältige musikalische Landschaft deutlicher und Olson verdeutlicht, dass solche historischen Ereignisse nicht irgendeinem Genius-Geist oder einem kosmischen Zufall folgen, sondern hier das Ergebnis des gesellschaftlich-technologischen Wandels gegen Ende der 1920er Jahre sind, der durch die neuen Möglichkeiten der Verbreitung und Verwertung der Musik, auch ihr Wesen selber verändert.

Leider nur in einem Nebenaspekt – Dekonstruktion eines Mythos am Beispiel der Entstehung des Bluegrass, gehen Olsons ansonsten informative Liner Notes auf das afroamerikanische Erbe in der Countrymusik ein, die ihren Einfluss auch auf die Bristol Sessions hatten. So waren mit El Watson 1927 und Tarter & Gay 1928 jeweils nur ein afroamerikanischer Act dabei, die dann auch auf Race Records vermarktet wurden. Die Frage, warum nur so wenige Schwarze dabei waren, stellt sich hier natürlich. Und die Person von Leslie Riddle, ohne den weder A.P. Carter die vielen Songs hätte sammeln, noch Maybelle Carter ihr spezifisches Guitar picking hätte spielen können, ist ohnehin bis heute sträflich vernachlässigt.
Dennoch legt Olson hier interessante Forschungsergebnisse vor. Doch neben dem intellektuellen Vergnügen bietet der neue Sampler auch aufgrund der Neubearbeitung der Aufnahmen ein großes Hörvergnügen.

Fazit: Viel guter Stoff für Hirn, Bauch, Seele und Beine. Eine angenehme Überraschung dieser neue Sampler der Bear Family.

We Shall All Be Reunited. Revisiting The Bristol Sessions 1927 – 1928: Das Album

We Shall All Be Reunited. Revisiting The Bristol Sessions 1927 - 1928

Titel: We Shall All Be Reunited. Revisiting The Bristol Sessions 1927 – 1928
Künstler: Various Artists
Veröffentlichungstermin: 7. August 2020
Label & Vertrieb: Bear Family Records
Format: CD
Laufzeit: 77:47 Min.
Tracks: 26
Genre: Hillbilly, Country Music

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Trackliste: (We Shall All Be Reunited)

01. Sweeping Through The Gates (Ernest V. Stoneman und die Dixie Mountaineers)
02. The Wreck Of The Virginian (Take 2) (Blind Alfred Reed)
03. Narrow Gauge Blues (El Watson)
04. The Soldier’s Poor Little Boy (Johnson Brothers mit Tennessee Wildcats)
05. Oh Molly Dear (B. F. Shelton)
06. Black-Eyed Susie (J. P. Nester)
07. Johnny Goodwin (Bull Mountain Moonshiners)
08. The Poor Orphan Child (The Carter Family)
09. I’m Redeemed (Alcoa Quartet)
10. Rain Crow Bill (Henry Whitter)
11. Susanna Gal (Dad Blackard’s Moonshiners)
12. Sleep Baby Sleep (Jimmie Rodgers)
13. The Longest Train I Ever Saw (Tenneva Ramblers)
14. Your Blue Eyes Run Me Crazy (West Virginia Coon Hunters)
15. Standing On The Promises (Tennessee Mountaineers)
16. My Name Is Ticklish Reuben (Smyth County Ramblers)
17. Shine On Me (Ernest Phipps und die Holiness Singers)
18. I Cannot Be Your Sweetheart (Howard-Peak & The Blind Musicians)
19. Little Bunch Of Roses (Clarence Greene)
20. Old Shoes And Leggin’s (Uncle Eck Dunford)
21. My Mother Is Waiting For Me In Heaven Above (Smith Brothers)
22. We’ll Sing On That Shore (The Palmer Sisters)
23. Unknown Blues (Tarter & Gay)
24. New Orleans Is The Town I Like Best (Carolina Twins)
25. I Truly Understand, You Love Another Man (Shortbuckle Roark & Family)
26. We Shall All Be Reunited (Alfred G. Karnes)

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Über Thomas Waldherr (581 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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