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Gegen die Spaltung und für ein anderes Amerika

Eine bunte Musikerschar begeisterte bei "Love Songs For The Other America – Revisited!" in Darmstadt.

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Thomas Waldherr präsentiert Americana Thomas Waldherr präsentiert Americana. Bildrechte: Logo, Veranstalter

Gemäß des Hygienekonzeptes der Bessunger Knabenschule in Darmstadt – Abstände wahren, Maskenpflicht im Publikum auch am Zuschauerplatz, Desinfektion, Belüftungsanlage, zwei Belüftungspausen – haben am vergangenen Wochenende rund 60 Personen (Ausverkauft!) den großen Konzertabend Love Songs For The Other America – Revisited! verfolgt. 11 Musikerinnen und Musiker – darunter einige, die aus den USA stammen und nun in Deutschland leben – trugen Songs, Klassiker und Eigenkompositionen, rund um Amerika vor. Es war ein Abend, den alle, die dabei waren, nicht so schnell vergessen werden.

„Wir wollten kurz vor den Präsidentschaftswahlen in den USA am 3. November ein deutliches Zeichen dafür setzen, dass Trump abgewählt werden muss, um die Hoffnung auf, und die Ausgangsbedingungen für, ein geeintes, solidarisches und vielfältiges Amerika erhalten zu können, erklärt Country.de-Redakteur und Americana-Experte Thomas Waldherr, der die Veranstaltung konzipiert und präsentiert hat. „Wir alle sind durch die amerikanische Musikkultur geprägt, für die Pete Seeger, Woody Guthrie, Joan Baez, Bob Dylan oder Steve Earle stehen. Trumps Politik spaltet die Menschen, verschärft die Rassenprobleme und die soziale Ungleichheit im Land. Dagegen stellen wir uns mit unserer Musik.“

Songs über die Schattenseiten

Und so erklangen an diesem Abend nicht nur Trump-kritische Töne, sondern man arbeitete sich an der amerikanischen Gesellschaft und ihrer Schattenseiten im größeren Zusammenhang ab. So erklangen zeitkritische Songs wie „The King Of The White House“ von Klein & Glücklich, neben bekannten Protestsongs von Bob Dylan wie „Only A Pawn In Their Game“ (Martin Grieben) oder „The Lonesome Death Of Hattie Caroll“ (Die Doubledylans) und Genreklassikern wie „Which Side Are You On“ (Wolf Schubert-K.).

Love Songs For The Other America - Revisited!

Love Songs For The Other America – Revisited! Bildrechte: Thomas Waldherr


Einen Schwerpunkt auf traditionelle amerikanische Folkmusik legte Brian Kenneth, der mit „Big Rock Candy Mountain“ einen humorvollen Hobo-Traum vortrug. Tess Wiley und Vanessa Novak dagegen spielten eigenes Material wie „Long Road“ (Wiley) oder „Home Is Where My Heart Is“ (Novak) aber auch Cover. Wiley überzeugte mit einer eindrücklichen Version von Steve Earles „City Of Immigrants“, Vanessa Novak besang das „Motherland“ in einem Song von Natalie Merchant.

Martin Grieben erinnerte bei seinem Auftritt an die Rechte der Indianer („Ghost Dance“ von Bill Miller), die DoubleDylans wehrten sich gegen die Ausbeutung durch den „Rettich Retter“ auf der Basis von Bob Dylans „Maggies Farm“ und Wolf Schubert-K. erinnerte mit „Times To Get Up“ daran, dass es jetzt Zeit ist, sich zu engagieren.

Und Songs der Hoffnung

Der Blues- und Folkvirtuose Biber Herrmann und die Liedermacherin Anja Sachs machten auf ihrer gemeinsamen Tour Station in Darmstadt und sangen sowohl Solo als auch im Duett. Herrmann überzeugte mit einem rasanten Stück namens „These Days“ und Anja Sachs trug ihren Song „Hass“ vor. Gemeinsam sangen sie dann den alten Stephen Foster-Song „Hard Times Come Again No More“.

Es waren viele wunderschöne Songversionen zu hören, die das Publikum immer wieder mit Begeisterung quittierte. Ebenfalls sehr schön waren die neuen Musikerkonstellationen, die sich ergaben. So wurde beispielsweise anfangs des Abends Brian Kenneth bei seiner Version von Tim Grimms Anti-Trump-Song „Woodys Landlord“ von Tess Wiley an der Geige und Matze Schmidt (DoubleDylans, Klein & Glücklich) am Banjo begleitet.

Umrahmt wurde die Musik von Texten, in denen Thomas Waldherr die aktuelle Situation in den USA und deren Ursachen darstellte. Und nach gut drei Stunden endete der Abend dann natürlich mit der Hymne des anderen Amerika – Woody Guthries „This Land Is Your Land, This Land Is My Land“ – und der Hoffnung, dass es am 3. November gut ausgehen möge in den USA.

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Über Thomas Waldherr (591 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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