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Stonewall Jackson – wehrhaft bis zuletzt

Zum Tode der Honky Tonk-Legende.

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Stonewall Jackson Stonewall Jackson: Bildrechte: Columbia Records. Foto: Don Cravens

Einer der schönsten Train-Songs der Countrymusik ist Smoke Along The Track von Stonewall Jackson. Wenn man nachschaut, wer den Hit von 1959 geschrieben hat, findet man den Namen Alan Rose. Doch wie bei vielen Countrysongs ist der genannte Autor nicht der tatsächliche Urheber des Songs. Geschrieben wurde „Smoke Along The Track“ wohl fast zur Gänze von Hank Williams‘ Steelplayer Don Helms – und zwar im Cadillac seines ehemaligen Arbeitgebers. Und Don Helms ist dann auch auf der gelungenen Aufnahme an der Steelguitar zu hören.

Stonewall Jackson – Smoke Along The Track: Single

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Wer kein Countrymusik-Insider ist, wird sich aber in jedem Fall über den Namen des Sängers wundern: Stonewall Jackson – Steinmauer ist nicht nur für deutsche Ohren ein mehr oder weniger bizarrer Vorname. Es hilft, wenn man weiß, dass Stonewall der Beiname des legendären Südstaaten-Generals Thomas Jonathan Jackson war und dass dieser seinen Namen bekam, weil er und seine Mannen während einer Bürgerkriegs-Schlacht wie eine Mauer den Angreifern Stand hielten. Was den Countrysänger Stonewall Jackson angeht, war Stonewall tatsächlich sein Vorname. Sein Vater hielt die Familie für Nachfahren des Generals und gab daher dem Sohn diesen historisch aufgeladenen Namen.

Geboren 1932 in North Carolina nahm Jacksons Kindheit und Jugend mit dem frühen Tod des Vaters im ländlichen Georgia eine Wende zum Tragischen, als der neue Ehemann der halb seminolischen Mutter Stonewall Jackson über die nächsten Jahre kontinuierlich misshandelte. Mit 14 floh Jackson zur Großmutter, ging bald zur Armee und landete 1956/57 schließlich in Nashville. Ursprünglich wollte er dort nur einen Songwriter-Vertrag ergattern. Den bekam er auch, als Wesley Rose ihn stante pede für Acuff & Rose unter Vertrag nahm. Und Rose ließ den jungen Mann, der immer noch seinen Overall von der Farmarbeit trug, anschließend auch gleich bei den Managern der Grand Ole Opry vorsingen, die Jackson ebenso beeindruckte. So wurde er auch hier prompt engagiert, obwohl er gar keinen Plattenvertrag hatte. Ein höchst einmaliger Vorgang in der Countrymusik-Geschichte. Erst nachdem Ernest Tubb ihn unter seine Fittiche genommen hatte, kam Jackson dann 1958 als Recording Artist bei Columbia unter Vertrag.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten landete Jackson im gleichen Jahr seinen ersten Hit mit „Life To Go“. Den Song kennt mancher vielleicht auch in der Version von George Jones. Und dieser gilt bis heute auch als alleiniger Urheber des Songs. Wenn man sich jedoch die Entstehungsgeschichte des Stücks anschaut, ist auch die Autorenschaft Jones‘ nicht ganz so eindeutig: Es gibt allein drei sich unterscheidende Storys, in denen George Jones erzählt, wie er den Song schrieb. Folgendermaßen könnten der originelle Titel und die Story des Songs entstanden sein: Jones und Jackson waren gemeinsam in Texas auf Tour und spielten eine Prison-Show. Dort fragte jemand einen älteren Gefangenen, wann dieser wieder herauskäme. Dieser schüttelte den Kopf und sagte trocken „I still got life to go.“ Stonewall Jackson betonte später: „I wrote most of it, but George finished it. I gave him the writer’s credit.“ Da Jones seinerzeit sowieso permanent in den Charts vertreten war, sei der Deal gewesen, Jones bekomme den Writer’s Credit und Jackson dürfe dafür den Song als Erster aufnehmen und den Hit landen. Jones nahm seine Version dann zwar früher auf, diese wurde aber tatsächlich erst veröffentlicht, nachdem Jackson den Hit gelandet hatte. Man muss annehmen, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt. Fest steht, wie auch Stonewall Jackson stets betonte, dass er Jones dieses eine Mal ausstach, denn auch seine Interpretation geht tatsächlich mehr unter die Haut als die des Ausnahmesängers.

Stonewall Jackson – Life To Go: Single

Die größten Hits Stonewall Jacksons wie z.B. sein Nummer-Eins-Erfolg „Waterloo“, nur vom Namen identisch mit dem ABBA-Klassiker, sind eher schlichte und etwas tumbe Popschlager. Auch „BJ The DJ“ wirkt heute nicht nur wegen seiner vermeintlichen Anzüglichkeit im Titel, sondern wegen der relativ schwülstig erzählten tragischen Geschichte etwas altbacken, während Jacksons Hits aus der zweiten Reihe wie „I Washed My Hands In Muddy Water“, „Don’t Be Angry“ oder natürlich das schlichte „Why I Am Walkin'“ gut gealtert und ausnahmslos großartig sind.

Stonewall Jackson – Why I’m Walkin‘: Single

In Jacksons Werk finden sich auch inhaltlich irritierende Songs, denen man anmerkt, dass sein Label stramm konservative Inhalte gerne mit einem Sänger paarte, der schon vom Namen her Patriotismus und Konservativismus bis hin zum Reaktionären verkörperte. Gutes Beispiel ist u.a. das von Harlan Howard geschriebene The Minute Men (Are Turning In Their Graves) von 1966, in dem Demonstranten gegen den Vietnamkrieg ihr Amerikanischsein abgesprochen wird.

Zwischen 1958 und 1973 landeten 44 Singles Jacksons in den Billboard Country Charts. Allein 18 waren Top 20 Hits. Wie eigentlich alle Countrystars hatte auch Stonewall Jackson im Laufe der Jahre mit abnehmendem Erfolg zu kämpfen. 1973 verlor er im Streit seinen Vertrag mit Columbia. Die Aufnahmen bei MGM und anderen Plattenfirmen waren nicht mehr erfolgreich. 1979 nahm er beim Nashville Indie-Label Little Darlin‘ sein Album Bad Ass auf. Spöttische Zungen könnten diese Platte als eine Anbiederung an Outlaw Country à la Johnny Paycheck verstehen und die Titel einiger Songs als unfreiwillig komisch. Gleichzeitig kann man dieses Album zwar nicht als gelungenes kommerzielles Comeback, aber als künstlerisch erfolgreiches bezeichnen, denn es enthält so viele coole Drinkingsongs, dass man es schon fast ein Konzeptalbum nennen kann.

Wenn Jackson auch keine neuen Hits mehr hatte, spielte er in späteren Jahren regelmäßig live und trat bei der Grand Ole Opry auf. Doch 2006 horchte die Countrywelt auf, als der streitbare Jackson nach über fünfzigjähriger Mitgliedschaft eben jene älteste regelmäßige Live-Radio-Show der Welt wegen Altersdiskriminierung auf 20 Millionen Dollar verklagte. Ihm ging es gehörig gegen den Strich, dass sich die Opry immer mehr ihrer Altvorderen entledigte. Man wolle weder graue Haare auf der Bühne noch im Publikum, sagte Jackson. Er verlangte 10 Millionen Dollar Schadenersatz und forderte, dass die Countrymusik-Institution zudem eine 10 Millionen Dollar Strafe zahlen müsse. Seit 1998 hätte man seine Auftritte immer mehr beschränkt, bis man ihn ganz raushaben wollte. Man hätte ihm gesagt, er sei zu alt und zu Country. Schließlich wurde der Streit 2008 außergerichtlich beigelegt und Stonewall Jackson blieb stolzes Opry-Mitglied – am Ende ganze 65 Jahre. 2010 trat er dort das letzte Mal auf.

2012 kam er noch einmal für ein paar Songs bei Marty Stuarts Late Night Jam aus dem Ruhestand zurück. Ebenso ließ er sich nicht nehmen, 2013 nach dem Tod des Freundes bei dem George Jones Memorial Concert im Ryman Auditorium nochmals aufzutreten. Zuletzt litt der Honky-Tonker an vaskulärer Demenz. Schließlich ist Jackson am 4. Dezember 2021 im Alter von 89 Jahren verstorben.

R.I.P Stonewall Jackson

The Dynamic Stonewall Jackson: Das Album

The Dynamic Stonewall Jackson

Titel: The Dynamic Stonewall Jackson
Künstler: Stonewall Jackson
Veröffentlichungstermin: 31. Dezembar 1959
Label: Columbia Records
Formate: CD & Digital
Tracks: 12
Laufzeit:‎ 32 Minuten
Genre: Traditional Country

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Trackliste: (The Dynamic Stonewall Jackson)

01. Waterloo
02. Smoke Along The Tracks
03. Life To Go
04. Run
05. The Carpet On The Floor
06. Man Has Cried
07. Uncle Sam And Big John Bull
08. Mary Don’t You Weep
09. Ward Of Broken Hearts
10. Why I’m Walkin‘
11. Let’s Call It A Day
12. Black Sheep

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Über Oliver Kanehl (48 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Traditionelle Countrymusik von vorgestern und heute (Indie Country, Hillbilly, Honky Tonk u.a.) Rezensionen, Specials.
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