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Rodney Crowell: The Chicago Sessions

Der „Elder Statesman“ setzt ein kraftvolles Ausrufezeichen mit einem ganz starken Album.

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Rodney Crowell - The Chicago Sessions Rodney Crowell - The Chicago Sessions. Bildrechte: New West Records

Der in 1950 in Houston geborene Rodney Crowell, der eben sein neues Album The Chicago Sessions veröffentlicht hat, war und ist kein Country-Superstar, sondern viel wichtiger, ein großartiger Singer-Songwriter und unermüdlicher Arbeiter im Country-Weinberg. Er gehörte zum Freundes- und Kollegenkreis texanischer Songwriter um Townes van Zandt, der die Countrymusik in den 1970er und 1980er Jahren quasi nochmals neu erfand, als sie im Mainstream zu versanden drohte. Mit dabei waren u.a. Guy Clark, Jerry Jeff Walker, Steve Earle, Richard Dobson, Butch Hancock, Jimmie Dale Gilmore und Joe Ely.

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Auch Emmylou Harris gehörte zu diesem Kreis. Er war einige Jahre so etwas wie ihr musikalischer Direktor bei der Hot Band. Beide sind heute noch befreundet und arbeiten immer wieder einmal zusammen. Von 1977 bis 1991 war Crowell dann mit Rosanne Cash verheiratet. Während sie auch kommerziellen Erfolg hatte, gelang ihm nie so richtig der ganz große Durchbruch, obwohl er 1988 mit „Diamond And Dirts“ einen großen Erfolg verbuchte und für „After All This Time“ sogar einen Grammy für den besten Countrysong erhielt.

Doch unermüdlich arbeitete er als Singer & Songwriter und Produzent weiter und wurde so zum „Musician‘s Musician“ und „Elder Statesman“ der Country- und Americana-Szene. Als diesen hat ihn auch Jeff Tweedy, der Frontmann der ebenfalls bereits legendären Band „Wilco“ wahrgenommen. Tweedy hat dieses Album mit großer Freude produziert und in seinem Studio in Chicago aufgenommen. „Die Art, wie Rodney schreibt, ist eng mit der klassischen Ära der Country-Songwriter verbunden, die ich immer geliebt habe. Meiner Meinung nach kommt er der Arbeit mit Townes Van Zandt oder Felice und Boudleaux Bryant am nächsten – Menschen, die Songs mit einer ganz besonderen Sensibilität geschrieben haben. Und ich mag es, in dieser Nähe zu sein“, sagt Tweedy zur Zusammenarbeit mit Crowell.

Dass sich da zwei getroffen haben, die fantastisch harmonieren, hört man bei jedem Ton dieses Albums. Selten hat man Rodney Crowell so befreit, kraftvoll und präsent aufspielen und singen gehört. Die von Honky Tonk-Piano, starken Gitarrenläufen und knackigen Drums geprägte Platte macht einfach Spaß.

Los geht es beim sprechenden Titel „Lucky“ und „Somebody Loves You“, die flotte Honky Tonk-Schieber sind und damit einen klasse Album-Start bilden. Dass Rodney aber ein ganz großer Balladen-Künstler ist, zeigen gerade auch die langsameren Stücke wie das wunderschön, lyrisch-zärtliche „Loving You Is The Only Way To Fly“. Bei „No Place To Fall“ zeigt er dann seine ganze Verletzlichkeit und die Sehnsucht nach Halt. „Oh Miss Claudia“ dagegen ist ein feiner Blues über unmögliche Liebe. Und beim letzten Song „Ready To Move On“ zeigt sich, dass er auch einen feinen Blick für den amerikanischen Wahnsinn von Rassismus, religiösem Fanatismus und Gewalt hat, und trotzdem unbeirrt weiter seinen Weg geht. Großartig!

Alle Songs sind eigens für dieses Album geschrieben worden, bei zwei Titeln jedoch handelt es sich um Rückgriffe auf seinen großen Back-Katalog. „You’re Supposed to Be Feeling Good“, ist ein Crowell-Original, das zuerst von Emmylou Harris auf ihrer Luxury Liner-Plattevon 1977 aufgenommen wurde. Der zweite Song, Townes Van Zandts „No Place to Fall“, hatte schon immer einen besonderen Platz in Crowells Herzen. „Das erste Mal, als ich den Song hörte, saß Townes mir im Haus von Guy und Susanna Clark gegenüber“, erinnert sich ​Crowell. „Er sagte: ‚Hey, ich habe einen neuen Song für dich‘, und seitdem hat er sich in meine Psyche eingeprägt. Ich wollte ihn als Hommage an jemanden aufnehmen, von dem ich eine Menge über das Songwriting gelernt habe.“

Und so ist dieses Album denn auch eine Brücke von Crowells Anfängen zur Gegenwart. Das Cover ist bewusst angelehnt an Crowells Debütalbum von 1978, „Ain’t Living Long Like This“ und die Atmosphäre für die Tweedy in seinem Studio-Loft sorgte muss wohl auch an frühere „unschuldigere“ Zeiten erinnert haben. Gleichzeitig hat Crowell mit diesem Album auch die dunklen Gedanken seines 2021er Album „Triage“ überwunden, dass unter dem Eindruck von Pandemie und Krankheit entstand.

Fazit: Rodney Crowell setzt ein kraftvolles Ausrufezeichen als vitaler, präsenter Künstler und als einer der besten Country-Singer-Songwriter gleichermaßen. Ganz starkes Album!

Rodney Crowell – The Chicago Sessions: Das 2023er Album

Rodney Crowell - The Chicago Sessions

Titel: The Chicago Sessions
Künstler: Rodney Crowell
Veröffentlichungstermin: 5. Mai 2023
Label: New West Records (H’Art)
Formate: CD, Vinyl & Digital
Tracks: 10
Genre: Country, Americana

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Trackliste: (The Chicago Sessions)

01. Lucky
02. Somebody Loves You
03. Loving You Is The Only Way To Fly
04. You’re Supposed To Be Feeling Good
05. No Place To Fall
06. Oh Miss Claudia
07. Everything At Once
08. Ever The Dark
09. Making lovers Out Of friends
10. Ready To Move On

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Über Thomas Waldherr (810 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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