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Joshua Ray Walker: Song-Riese & Country-Buddha

Bei seinem lang ersehnten Deutschland-Debüt in Hamburgs Nochtwache überzeugt der Amerikaner auf ganzer Linie.

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Joshua Ray Walker - Nochtwache, Hamburg Joshua Ray Walker - Nochtwache, Hamburg. Bildrechte: Oliver Kanehl (Country.de)

Es gibt Dinge im Leben, die sollte man nicht verpassen. Man sollte Erfahrungen sammeln, schöne Dinge erleben und damit guten Erinnerungen Raum geben. Livemusik kann dabei helfen, denn sie hat positive Kraft: Nicht nur können wir begabten Menschen dabei zusehen, wie sie Berührendes und Mitreißendes kreieren, als Publikum sind wir selbst wichtiger und unverzichtbarer Teil dieser flüchtigen Momente von Schönheit und Größe, die gelungene Konzerte sind. Gemeinschaftliche Erlebnisse wie diese bringen unsere Seele zum Klingen, bauen uns auf, beleben uns und machen uns aus. Ja, von solchen Erlebnissen können wir zehren, wenn es mal nicht so läuft, denn Livemusik sorgt für kostbare Momente von Glück.

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Die über 100 Musikbegeisterten, die sich am letzten Montag beim von YEEHAW Hamburg und Country.de präsentierten Deutschland-Debüt von Joshua Ray Walker in Hamburgs Nochtwache einfanden, waren Teil eines solchen Moments.

Das Konzert beginnt pünktlich. Im Zentrum der Bühne hat der gut 1,80 m große Sänger wie ein Country Buddha auf einem Hocker Platz genommen. Wer nun Angst hat, ihn im vollen Club gar nicht mehr zu Gesicht zu bekommen, merkt schnell: Walker ist ein Sitzriese. Dass er zudem ein Song-Gigant ist, wissen die Anwesenden längst. Die Westerngitarre locker auf den Bauch gelegt, zelebriert Walker nun seine Magie und die Lieder beginnen zu leuchten.

Walker, ein Meister der leisen wie lauten Töne, ist erst einmal erstaunt, wie andächtig die Hamburger Fangemeinde ihm zuhört. Ein Umstand, den er nicht gewohnt ist, denn das ist anders in den USA: Amerikaner sind oft laut. In einer größeren Menschenmenge herrscht immer ein ordentlicher Lärmpegel. Irgendjemand redet ständig in einer für Nordeuropäer eher gewöhnungsbedürftigen Lautstärke. Bei Konzerten meint man zuweilen, dass ein Teil des Publikums gar nicht richtig zuhören würde. Anders hier: Während des Konzerts könnte man bisweilen eine Stecknadel fallen hören, so gebannt und still lauschen die Besucher dem Gast aus Übersee. Ein Umstand, der den Sänger das Bekenntnis entfahren lässt „You guys scare the shit out of me!“ denn solch ungeteilte Aufmerksamkeit ist der große Mann aus Dallas, Texas nicht gewohnt.

Joshua Ray Walker - Nochtwache, Hamburg

Joshua Ray Walker – Nochtwache, Hamburg. Bildrechte: Oliver Kanehl (Country.de)


Erster Höhepunkt ist das von Walker selten live gespielte, ruhig und unterschwellig daherkommende „Lot Lizard“. Selten deshalb, weil es einfach nach einem solchen Publikum verlangt, das schweigt und genießt. Auch unveröffentlichte Stücke einstreuend gelangt JRW schließlich zu „Canyon“, seinem Signature-Song, den er für seinen an Krebs gestorbenen Vater schrieb. „Canyon“ ist nicht nur ein großer Song mit einer eindringlichen Melodie. Musik und Text erzeugen eine solch unentrinnbare Stimmung, dass sie tief unter die Haut gehen. Doch obwohl viele Songs schwere Themen haben, gelingt es Walker durch seine Kommentare und teils lustige Geschichten stets auch für Leichtigkeit zu sorgen. Walkers Witz scheint bei so manchem Song durch, denn wer hat sich nicht schon einmal „Sexy after dark“ gefühlt?

Stehen Walkers beeindruckende Stimme und seine meisterhaften Lieder an diesem Abend eindeutig im Vordergrund, sollte man doch auch die Gitarrenkünste des 33-jährigen nicht unerwähnt lassen, so gekonnt begleitet er sich auf der Sechssaitigen und kann fast wie einst Robert Johnson das Rhythmus und Solospiel so mühelos verbinden, dass man mit geschlossenen Augen schon mal meint, zwei Gitarristen zu zuhören.

Mit den in den letzten Jahren nach und nach veröffentlichen ersten drei Alben – Konzeptalben allesamt- hat Joshua Ray Walker ein solides Fundament geschaffen. Nun kann er sich auch mal auf die musikalische Spielwiese begeben und legte unlängst als viertes Album eine Platte voller Coversongs vor, allesamt Hits, die einst von Sängerinnen bekannt gemacht wurden. In Hamburg wählt Walker „Linger“ vom Debüt-Album der irischen Band „The Cranberries“ und zeigt, dass ihn anspruchsvolle Gesangsparts nur zu neuen Herausforderungen anspornen. Und so versucht Joshua Ray Walker beim letzten Song seines Sets etwas ganz Besonderes: Da der Raum der Nochtwache im Vergleich zu den Hallen im heimischen Texas eher klein ist, erhebt er sich und singt seinen Gänsehaut-Hit „Voices“ ganz ohne Verstärkung.

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Dann verlässt der Song-Schamane die Bühne, um nur noch einmal für eine Zugabe zurückzukommen. Ebenso besonders, da er, wie er betont, daheim in den USA nie welche gibt.

Als der DJ schon wieder Honky-Tonk-Scheiben auflegt, kommt Walker noch zum Merchandising-Tisch, spricht mit den Fans, schreibt Autogramme und posiert für Selfies. Eine beachtliche Leistung, wenn man wie er seit zwei Uhr in der Früh auf den Beinen ist, weil man noch von Birmingham, UK nach Hamburg musste.

Angelehnt an die Zeile „I am a big, big man“ aus „Canyon“ steht auf einigen Walkers Merch-Produkten „I am a BIG BIG Fan of Joshua Ray Walker.“ Ein Satz, den wohl ein jeder Konzertbesucher nach diesem Abend blindlings unterschreiben würde.

Joshua Ray Walker spielt am 8. September in Köln und am 10. in Berlin.

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Über Oliver Kanehl (55 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Traditionelle Countrymusik von vorgestern und heute (Indie Country, Hillbilly, Honky Tonk u.a.) Rezensionen, Specials.
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