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Zu Gast bei Truck Stop

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Sie sind die „Cowboys der Nation“, seit über 33 Jahren für ihre Fans „On The Road“ und der Band-Name, welcher sich im Lauf dieser Zeit zu einer „Marke“ etablierte, steht für Top-Qualität; „Truck Stop“. Ihre Musik ist generationsübergreifend und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Truck Stop ist es zu verdanken, dass der „Wilde, wilde Westen“ gleich hinter Hamburg anfängt und die Autofahrer von der „Frau mit dem Gurt “ träumen. Sie leisteten im Countrymusic-Genre Pionierarbeit „Made in Germany“ und einer ihrer bekanntesten Songs, der im Jahr 1977 auf ihrer ersten Deutschsprachigen LP erschien, trug dazu bei, dass ihre berühmten amerikanischen Kollegen „Dave Dudley, Hank Snow und Charley Pride“ in unserem Land eine breitere Zuhörerschaft fanden. Truck Stop überlebte die rasantesten musikalischen Trends und sahen viele der „über Nacht“ berühmt gewordenen, vermeintlichen „Superstars“ so schnell wieder von der „Weltbühne“ verschwinden, wie sie gekommen waren; womit bewiesen wurde, dass eine aufwändig produzierte Casting-Show noch lange kein Garant für einen dauerhaften Erfolg darstellt. Den haben sich die „Jungs von der Waterkant“ in den drei Jahrzehnten hart erarbeitet. Zu Beginn ihrer beispiellosen Karriere im Jahr 1973 sang Truck Stop ausschließlich in englischer Sprache. Es wurden Songs von Chuck Berry, Fats Domino, Bill Haley, Johnny Cash und Merle Haggard gespielt. In enger Zusammenarbeit mit dem unvergessenen Joe Menke, seiner Zeit Musikproduzent und väterlicher Freund von Truck Stop, entstand und reifte in Deutschland ihr unverkennbarer Sound, der mittlerweile zum Kultstatus avancierte.

Country.de bekam die einmalige Gelegenheit, Deutschlands Country-Band Nr. 1 im VOX Klangstudio in Bendestorf zu besuchen, um den Elbecowboys bei der Produktion ihres neusten Albums ein wenig über die Schulter zu schauen.

Unsere Reise führte uns diesmal in Richtung Norden, genauer gesagt, nach Bendestorf, einem Ort, der ca. 30 Kilometer südlich von Hamburg abseits der großen Fernstraßen liegt. Eingebettet in einer idyllischen Landschaft darf sich das über 1.000 jährige Dorf zu Recht Luftkurort nennen. Nun könnte man bei dieser Beschreibung meinen, Bendestorf wäre ein Ort wie jeder andere, den es bei uns in Deutschland zu genüge gibt, doch ganz so einfach wollen wir es uns nicht machen. Ein Blick in die Chronik von Bendestorf offenbart die Einzigartigkeit, die diesen Ort auszeichnet. Kurz nach dem zweiten Weltkrieg wurden dort die ersten Filmstudios Deutschlands betrieben, die sich zu den größten der damaligen Westzone entwickelten. Die einst berühmte Filmdiva „Zarrah Leander“, heute wohl eher den „älteren“ Country.de-Lesern noch ein Begriff, hatte früher in diesem Dorf gelebt und gearbeitet und „Hildegard Knef“ ihren legendären Auftritt in dem Film „Die Sünderin“, der ebenfalls in Bendestorf gedreht wurde. Doch damit nicht genug. Seit 1995 nehmen dort „Truck Stop“ unter der Regie ihres Tonmeisters und Produzenten Volker Heintzen in seinem VOX Klangstudio, das mit modernstem Digital-Equipment und hochwertiger Analogtechnik ausgestattet ist, ihre erfolgreichen Alben auf.

Pünktlich zum vereinbarten Termin trafen wir zeitgleich mit Lucius Reichling auf dem Studiogelände ein. Nachdem uns die Eingangstür zum VOX Klangstudio geöffnet wurde, konnten wir die ersten Gitarrenklänge von Dirk Schlag aus dem Regieraum vernehmen. Zusammen mit Produzent Volker Heintzen und Arrangeur Werner Becker arbeitete Dirk bereits eifrig an seinem Gitarrenpart, während sich Cisco, Teddy, Knut, Lucius und Uwe zusammen mit uns eine Kaffeepause gönnten. In einem Aufenthaltsraum hatten wir Gelegenheit, mit Truck Stop ein Gespräch zu führen.

Kurze Produktionspause: Uwe, Knut und Cisco im Gespräch!
Achtung, Aufnahme ... Lucius vor dem Mikrofon!

Country.de: Wir möchten uns ganz recht herzlich bei Euch bedanken, dass ihr trotz des Produktionsstresses etwas Zeit für uns gefunden habt. Truck Stop, im wahrsten Sinne des Wortes „eine Countrymusik-Legende“, so lautet auch der Titel eures Buches, das wie wir meinen, in keinem guten Truck Stop Fan-Haushalt fehlen sollte. Ihr seid über 33 Jahre im Musik-Geschäft tätig und habt 34 Alben veröffentlicht, und das nächste befindet sich zurzeit hier in diesem Tonstudio in Arbeit. Was können und dürfen die Fans bereits heute über das kommende Werk erfahren?

Knut: Es werden 12 Songs und ein Coversong auf dem neuen Album zu hören sein. Wer Truck Stop kennt, der weiß, dass wir selten Songs covern.

Teddy: Das ist jetzt das zweite Mal. Der erste Song ist auf dem Album „Hände hoch!“ aus dem Jahr 1997 zu hören, hieß „Freunde findest du tief unten“ und war von Garth Brooks, jetzt haben wir einen Song von Josh Turner ausgesucht.

Country.de: Gibt es bereits einen Titel für das neue Album?

Uwe: Wir haben eine Menge, die zur Auswahl stehen, aber konnten uns noch nicht auf einen Titel festlegen.

Knut: Wir versuchen ja eigentlich immer beim Albumtitel einen Bezug zu den Songs herzustellen. Am besten ist das natürlich, wenn es ein Titel ist, der auch tatsächlich auf der CD zu finden ist, aber manchmal klappt das nicht.

Country.de: Wann wird das neue Album der Öffentlichkeit vorgestellt?

Teddy: Am 17.Februar 2007 sind wir wieder zu Gast im Musikantenstadl, und das soll der Startschuss für die Veröffentlichung unseres neuen Albums sein. Die Plattenfirmen warten in der Regel vor dem Erscheinen eines Albums auf eine größere Fernseh-Sendung, weil es nichts bringt, wenn man mal einfach so, ohne Vorankündigung, ein Album auf den Markt bringt.

Knut: Oder wenn man es heimlich ins Regal stellt. (Band lacht) Da ist so eine große Fernsehsendung schon hilfreich. Diese Sendung läuft ja an einem Samstag und meistens ist es so, dass bereits am darauf folgenden Montag das Album in den Läden erhältlich ist.

Country.de: Einige eurer Deutschen Kollegen zieht es meistens nach Nashville, um dort ihre Produktionen aufzunehmen, das macht Truck Stop wohl definitiv nicht, sonst säßen wir nicht hier im VOX Klangstudio von Volker Heintzen. Worin liegen eure Gründe, warum ihr, entgegen den Trend einzelner Künstler des deutschen „Countrymusic-Genres“, nicht im Mekka der Countrymusic produziert?

Teddy: Das hat natürlich auch finanzielle Gründe. Für einen Einzelkünstler rechnet es sich eher, nach Nashville zu fliegen, dort seine Produktion aufzunehmen und mit einem guten Ergebnis nach Hause zu kommen. Wir sind nun mal eine 6 Mann-Band, zuzüglich Produzent und Arrangeur, das wäre um ein Vielfaches teurer.

Knut: Unsere Aufnahmen in die Staaten zu verlegen, wäre für uns schlicht und einfach Blödsinn. Wenn man das machen würde, dann müsste man ja so konsequent sein, zu sagen, wir machen gar nichts und lassen unsere Sachen von anderen Leuten in Nashville einspielen und nur der Produzent würde bei den Aufnahmen dabei sein. Das würde ja auch gleichzeitig heißen, dass uns das nicht interessiert, und das geht absolut nicht.

Country.de: Nun sind ja in Deutschland die Plattformen, um Countrymusic einem breiten Publikum zu präsentieren, äußerst dünn gesät. So bleibt vielen Country Stars nur die Möglichkeit, in Sendungen aufzutreten, die eigentlich in fester Volksmusik-Hand liegen. Als bestes Beispiel dient ja dafür der bereits hier erwähnte „Musikantenstadl“. Worauf ist es eurer Meinung nach zurückzuführen, dass die Countrymusic in den Medien (TV und Radio) hierzulande nicht den Stellenwert genießt, den sie eigentlich verdient hätte?

Lucius: Das liegt unter anderem daran, weil in vielen Redaktionsstuben Leute sitzen, die, wenn sie das Wort „Countrymusic“ hören, schon mal den Mundwinkel runterziehen. Der NDR 2, der uns seit beinahe 20 Jahren schon nicht mehr spielt, hat nichts desto trotz ganz viele Countrytitel in den Playlisten, bloß dass scheint denen nicht bewusst zu sein, dass diese Titel direkt aus der Countryschiene kommen. Diese Garth Brooks Nummer zum Beispiel, die ist ja rauf und runter gelaufen, aber da sagt kein Mensch, dass das ein Countrysong ist, weil das für diese Leute, die ja angeblich alles über die Pop-Schiene wissen und haben wollen, irgendwie einen schlechten Beigeschmack hervorruft, und es deshalb auch nicht erwähnen. Wenn die Countrymusic im allgemeinen Geschmack und Empfinden höher angesiedelt würde, dann wäre es ein ganz anderes Dasein.

Uwe: Die allgemeine Nichtbegeisterung für Country in Deutschland rührt natürlich auch vom Angebot her. Wenn man hört, was in den letzten Jahren von irgendwelchen Tanzkombos angeboten wurde, die sich einfach mal einen Hut aufsetzen und Countrymusic machen und damit die Sender voll powern, dann muss ich sagen, haben viele Sender recht, wenn sie sagen, Country nein danke.

Country.de: Dass es einen Mangel an qualitativ hochwertigen Materials gibt, dass für die Medien von Interesse ist und mitunter auch abschreckend für die Medienvertreter wirken muss, können wir bestätigen, da wir auch eine Vielzahl an CDs in die Redaktion geschickt bekommen, zum Teil mit einem Anschreiben, das die Künstler in den höchsten Tönen lobt, und wenn man sich die Produktionen anhört, mag man es kaum glauben, was man da geboten bekommt. Dementsprechend fallen natürlich auch die Besprechungen dieser CDs aus. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Spreu vom Weizen trennt und kommende Musikergenerationen sich im Klaren sein werden, was sie erreichen wollen, und was sie bereit sind, dafür zu tun, um den qualitativen Ansprüchen gerecht zu werden, womit wir gleich zur nächsten Frage überleiten möchten.

Truck Stop ist eine Band, die sich noch im „klassischen Sinne“ gründete, also ohne aufwändiges öffentliches TV-Casting, das ja vor einigen Jahren in Mode gekommen ist. Um das Stichwort Qualität nochmals aufzugreifen, was haltet ihr von den öffentlichen Casting-Shows und ihren schnelllebigen Produkten mit garantiertem Verfallsdatum?

Uwe: Für die Sendung und deren „Macher“ ist das absolut Klasse, aber die dort auftretenden Künstler werden nur „verheizt“. Die werden aufgegeilt mit einigen Auftritten im Fernsehen vor einem Millionenpublikum, und das war’s. Anschließend kippen sie alle Reihenweise hintenüber.

Teddy: Eigentlich können die Teilnehmer einem leid tun, weil sie danach regelrecht in ein „Loch“ fallen.

Knut: Der Gedanke an sich ist eigentlich gut, Talente zu suchen. Es gibt ja auch immer wieder welche, die glauben, sie könnten gut singen, weil Vater und Mutter sagen, du hast ne tolle Stimme, und treffen in Wirklichkeit nicht einen Ton. Aber so wie diese Leute dann, ich sag mal, in Bohlen-Manier rund gemacht werden, finde ich es einfach pervers, wie die Verantwortlichen mit den Teilnehmern umgehen.

Country.de: Was hat sich eurer Meinung nach in den letzten 30 Jahren im Musikbusiness allgemein und speziell im Countrymusic-Genre verändert? Was ist besser und was ist schlechter geworden?

Knut: Der Vorschuss ist weniger geworden. (Band lacht)

Uwe: Die Qualität hat sich auf jeden Fall gebessert. Wenn ich CDs oder LPs aus den 70er Jahren und Aufnahmen aus den 80ern mit Heute vergleiche, ist natürlich ein absoluter Qualitätssprung zu hören. Jeder hat sich ja auch weiterentwickelt.

Teddy: Es gibt natürlich auch vermehrt musikalische Einflüsse aus anderen Musikrichtungen. Früher galt eine verzerrte Gitarre in der Countrymusic als verpönt, aber heute rocken zum Beispiel Travis Tritt und andere total geil ab. Es ist auch klar, dass immer der Zeitgeist mit einfließt und sich dadurch die Hörgewohnheiten ändern.

Knut: Ich glaube, wer viele CDs von uns hat, wird auch sehr leicht feststellen, dass wir einen ziemlichen Wandel mitgemacht haben. Aber das ist ja auch ganz natürlich. Es gibt sogar Hardliner-Fans, die dann immer mal wieder sagen, Truck Stop von früher, das hat mir wesentlich besser gefallen, und könnt ihr nicht mal wieder so eine CD wie damals aufnehmen? Dann muss ich immer wieder sagen, tut mir leid, das können wir nicht, weil wir gar nicht mehr über diese alten Mittel verfügen. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich jeder von uns, wie Uwe ja bereits sagte, auch weiterentwickelt hat, allein schon aus diesem Grund ist es gar nicht mehr möglich, in diesem alten Stil Musik zu machen.

Truck Stop im VOX-Klangstudio.

Schlusswort: Für ihre Fans gehört Truck Stop seit vielen Jahren zur „Familie“. Ob daheim im heimischen Wohnzimmer beim abendlichen Fernsehen oder auf LP und CD, ihre Songs haben längst einen dauerhaften Platz in den Herzen und Regalen ihrer Fans gefunden. Und wer weiß, vielleicht gibt es eines Tages wieder einen 13 jährigen Jungen, den seine Mutter zu den Konzerten von Deutschlands Country Band Nr.1 mitnimmt und ihm prophezeit, dass er irgendwann selbst einmal bei dieser Band spielen wird. Gewiss keine Utopie, denn diesen Jungen gab es wirklich und sein Name: Knut Bewersdorff

An dieser Stelle möchten wir uns nochmals ganz recht herzlich bei der Gruppe Truck Stop bedanken, die uns und unseren Lesern einen Blick hinter die Kulissen der Produktion zu ihrem neuen Album gewährte. Einen weiteren Dank möchten wir an Volker Heintzen und seinem Team vom VOX Klangstudio aussprechen. Allen Beteiligten wünschen wir weiterhin viel Erfolg.

Rob Georg: Weitere Informationen hier klicken!